treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

3. INNSBRUCKER WINTERSPIELE / DABEISEIN IST ALLES / EINTRiTT IST FREI & WILLIG

man sollt sich warm anziehen: die 3.innsbrucker winterspiele finden an der frischen luft im treibhausgarten statt. für viele veranstaltungen gibts platzkarten. das sind jene, die mit TICKETS auf der webseite ausgezeichnet sind. procedere ist wie beim open-air-kino. vorteil: man bekommt eine sitzplatz mit sicht auf die bühne zugewiesen. einlaß ist ab 18:00. doch auch für kurzentschlossene halten wir karten zurück - first come, first serve - wie der lateiner sagt. das gilt auch (wie schon die ganze zeit bei den konzerten im garten) bei allen anderen veranstaltungen. merke: auf plätzen mit schlechter sicht auf die bühne hört man vielleicht besser. oder kann auf der piazza vorn ratschen & ins feuer spucken - mit livemusik im hintergrund. doch den letzten beißen die hunde, wie der franzose sagt. zieht euch warm an, am besten die spendierhose... möge die übung gelingen!

ELINA DUNI

Elina Duni hat eine absolut faszinierende Stimme. Die Albanerin scheint mit ihrem Quartett eine Musik gefunden haben, die sowohl der osteuropäischen Tradition treu bleibt als auch der Interaktion des modernen Jazz einen grossen Platz einräumt. Sie präsentiert ihre neue CD auf ECM, dem gleichen Label, bei dem auch Pianist Colin Vallon unter Vertrag steht. Eine fesselnde Bühnenpräsenz und die Vereinigung der verschiedenen Klangwelten überzeugen von Norwegen bis nach Kroatien. Elina Duni wird bestimmt auch im Treibhaus alle in ihren Bann ziehe.
Line-up
Elina Duni voc, Colin Vallon p, Patrice Moret b, Norbert Pfamatter dr

Elina Duni: voice;
Colin Vallon: piano;  
Patrice Moret: double-bass;
Norbert Pfammater: drums

„Die jüngste CD der Sängerin Elina Duni trägt den Titel «Matanë Malit». Das ist albanisch und poetisch und heißt «hinter dem Berg», und die Musik ist nicht weniger als eine Reise in ein traumtraurig fernes und heftig in die Gegenwart drängendes Land – nämlich die Kindheit, die diese Frau, 1981 in Tirana geboren, in Albanien verlebt hat, in einer Familie, die in die Vergangenheit, die balkanische Multiethnie, die Wirren der Zeitgeschichte verstrickt war (und ist) wie jede andere in dieser Weltgegend. Duni singt Lieder ihrer frühen Jahre, traditionelle Volkslieder, Songs auf brisante politische Texte bis zurück in die Zeiten, als ihr Großvater mütterlicherseits als Partisan gegen die italienischen Faschisten kämpfte. Aus der Distanz, dem Abstand eines anderen, wie auch immer schweizerischen Lebens kommen die Melancholie und der Glückszauber dieser Musik. Sie ist nicht Jazz, sie ist keine Volksmusik, keine World Music und keine Balkan-Folklore. Sie ist allenfalls all dies zusammen, und zwar nicht als ein zusammengesetzter Flickenteppich, sondern alles in jedem Moment. ... Diese Musik sucht keine Authentizität. Sie ist authentisch, auf eine neue Weise.“ (Peter Rüedi, Die Weltwoche)

 
“Matanë Malit” (Hinter dem Berg), Elina Dunis ECM-Debüt, ist eine musikalische Hommage an Albanien. Die Sängerin beschäftigt sich hier aus dem Blickwinkel der modernen, mit Improvisationsprozessen vertrauten Musikerin mit ihren Wurzeln. Ihre Jazz-Erfahrungen prägen ihre Forschungsreise durch Folksongs aus dem Balkan – mit wachem Bewusstsein für deren Atmosphäre, deren Klangwelt, ihre Strukturen, die Bedeutung hinter den Worten. Es geht darum, sich in den Dienst der Songs zu stellen, erklärt sie, und darum, sie durch die Wiederaneignung neu zu erfinden.

Duni verließ Albanien 1992 als Zehnjährige – den Weg zurück zu seinem Liedgut fand sie erst nach Exkursen in die klassische Musik, durch Blues und Jazzstandards. Auf Drängen von Colin Vallon, mit dem sie 2004 während ihres (gemeinsamen) Studiums an der Hochschule der Künste in Bern ein Duo gegründet hatte, begann sie in albanischer Sprache zu singen: “Ich habe mich einfach in diese alten Lieder verliebt, und dabei entdeckte ich, dass ich sie nicht nur singen und nachfühlen konnte, sondern auch, dass dabei meine wahre Stimme auf eine sehr natürliche Weise zum Vorschein kam.” Es sei gewesen, als habe diese Stimme förmlich darauf gewartet, aktiviert zu werden, sagt Elina. Während ihrer Kindheit in Tirana war Duni nur sehr wenig mit der dortigen Folkmusic in Berührung gekommen. Folklore, vom Staat gewissermaßen „annektiert“, war zum sozialistischen Agitprop verkommen, und Dunis Familie – wie so viele Intellektuelle und Künstler – distanzierte sich davon.  

Während das Duo zum Trio und dann zum Quartett anwuchs, begann Elina, sich eingehender mit der Musik Albaniens zu befassen und dabei auch tiefer mit der wechselvollen Geschichte der Region auseinanderzusetzen. Dabei entdeckte sie zahlreiche Stücke von besonderer Kraft und Schönheit, sowohl alte Songs direkt aus ihrer Heimat als auch aus deren weitreichender Diaspora. “Matanë Malit” enthält nun Stücke über Liebespaare, Helden, Arbeiter, Schäfer, Exilanten, Lieder des Widerstands. Traditionelle Songs, von Elina Duni  Quartet arrangiert, als auch ganz neue Musik, die sie im Sinne der Tradition ausdrucksvoll gestaltet.

Im Lauf der letzten Jahre ist Elinas Quartett zu einer subtil musizierenden Einheit mit großer künstlerischer Reichweite herangereift, der die Verbindung von modalem Jazz und Folk Music sehr organisch gelingt. Die Musiker verstärken dabei Dunis intensiven Vortrag mit einer stark textbezogenen Spielweise. “Wir fokussieren uns sehr auf die Intensität, die diese Poesie braucht. Wir versuchen in unserer Interpretation ihre Essenz herauszuarbeiten.”

Colin Vallon, der schon lange Sänger zu seinen wichtigsten Einflüssen zählt, wirkt am Piano oft wie eine Antwortstimme auf Duni. Bassist Patrice Moret interagiert überzeugend mit Drummer Norbert Pfammatter. Duni empfindet das Zusammenwirken der Musiker als entscheidend für ihre Arbeit. “Ich wollte nie nur eine Sängerin mit einem Backing Trio sein. Von Anfang an habe ich den Musikern viel Raum zum Improvisieren gegeben und viel mit meiner Stimme experimentiert. Sie ist ein weiteres Instrument. Mit der Zeit haben wir ein musikalisches Verständnis aufgebaut, mit dem wir uns in jede Richtung bewegen können...”

Nach zwei Alben bei Meta Records - "Baresha" und  "Lume Lume" (2008 resp. 2010) - hebt “Matanë Malit” die Musik der Gruppe auf ein neues Level. Das Album wurde von Manfred Eicher im Februar 2012 in La Buissonne bei Avignon produziert.