treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

CHRISTOPH GRISSEMANN & BANDE: DIE THOMAS BERNHARD MACHINE...

Grissemann - Engelmayr - Reumüller  // Die THOMAS BERNHARD MACHINE

Lesen statt in den Raum werfen

„Es ist eine Frage des Rhythmus und hat viel mit Musik zu tun. Ja, was ich schreibe, kann man nur verstehen, wenn man sich klarmacht, dass zuallererst die musikalische Komponente zählt und dass erst an zweiter Stelle das kommt, was ich erzähle (…)“
Christoph Grissemann, Manfred Engelmayr und David Reumüller nehmen dieses Zitat zum Anlass, eine Band zu gründen: Thomas Bernhard Machine. 
Bernhard und sein literarisches Oeuvre werden von mehreren Seiten betrachtet, absurde Interviewpassagen und ernstes Werk reichen sich die Hand. Während die Band mit dem vom Schriftsteller entworfenen Duktus der ständigen und immer neu variierten Wiederholungen atmosphärische Sogwirkung erzeugt, liest Grissemann düstere Textpassagen und mimt den grimmigen Frontman.
Dann aber schlüpft er in die Rolle Bernhards, sitzt scheinbar im Cafe auf Palma de Mallorca und konterkariert die schweren Literaturszenen mit teils heiteren, teils widersprüchlichen und dennoch tiefgründigen Zitaten aus den legendären Monologen, die 1981 ebendort von Krista Fleischmann und Wolfgang Koch aufgezeichnet wurden. 
Thomas Bernhard Machine stellt weitere Fragen und liefert keine Antworten.

Christoph Grissemann – vocals
Manfred Engelmayr – e-guit
David Reumüller – drums

 

PRESSE:

Tanz den Thomas Bernhard? Auf den ersten Blick klingt es nicht wahnsinnig einfallsreich, noch ein weiteres Bernhard-Programm auf die Bühne zu bringen. Die Protagonisten des Abends mit dem Titel Thomas Bernhard Machine, der im Rabenhof seine Premiere feiert, lassen einen dann aber doch näher hinsehen. Der literaturaffine Talkshow-Host und Kabarettist Christoph Grissemann, der Gitarrist Manfred Engelmayr (Begründer der lauten, aber eben nicht nur lauten Rockband Bulbul) und der Schlagzeuger David Reumüller machen hier gemeinsame Sache. Grissemann und Engelmayr hatten sich zuvor schon dem außergewöhnlichen Werk des manischen Tagebuchschreibers Samuel Pepys gewidmet. Bernhard wollen sie mit einer Mischung aus heiligem Ernst und Leichtigkeit begegnen. Während die Musiker mit dem vom Autor entworfenen Duktus der ständigen und immer neu variierten Wiederholungen atmosphärische Sogwirkung erzeugen, liest Grissemann düstere Textpassagen und mimt den grimmigen Frontman. Serviert wird aber auch Leichtes, Heiteres. Dafür nimmt Grissemann in einem Café in Palma de Mallorca Platz und zitiert aus den legendären TV-Gesprächen mit Krista Fleischmann, in denen Thomas Bernhard streckenweise herumalberte wie in der Öffentlichkeit sonst nie.
(falter)

Hammerhart und unerbittlich oder spielerisch und leger – die „Thomas Bernhard Machine“, die Christoph Grissemann gestern, Dienstag, im Wiener Rabenhof erstmals angeworfen hat, kennt zwei Gangarten. Die Musiker Manfred Engelmayr (E-Gitarre und andere Instrumente) und David Reumüller (Schlagzeug) unterlegten die Mischung aus Lesung und Performance mit einem düster-wuchtigen Klangteppich, der dem 1989 verstorbenen Autor ausgebreitet wurde.

Literatur kann rocken. Das beweist seit Jahren auch Philipp Hochmair mit seiner „Jedermann (reloaded)“-Version mit der Elektrohand Gottes, zu der sich in Kürze ein Remix mit Kurt Razelli gesellt. Grissemann gestaltet seinen Auftritt deutlich statischer und weniger schweißtreibend. Am Lesetisch widmet er sich zunächst ausführlich der lange vergeblichen Sputum-Produktion des in der Lungenheilanstalt liegenden jungen Thomas Bernhard, die schließlich erfolgreich ist und in der Frohlockung gipfelt: „Endlich positiv!“ – „Der Atem – Eine Entscheidung“ (nicht nur für Einsteiger sehr empfehlenswert ist die Graphic-Novel-Version von Lukas Kummer, die im Herbst erschienen ist) bildet das immer wiederkehrende Gerüst der Lesung, in der man auch Betrachtungen über das „Kindheitsloch“, über Selbstmord oder über grundsätzlich verbrecherische Landbewohner vorgesetzt bekommt. Literatur als schwarze Messe.
(volksblatt)

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