treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

das treibhaus ist wieder offen - alltäglich ab 16:00 bis mitternacht

der Garten öffnet alltäglich ab 16:00 - um 19:00 mutiert der Teil vor der Gartenbühne in einen KONZERTSAAL. Das ganze Sommerprogramm findet an der frischen Luft statt. Konzertbesucher können gern Platzkarten reservieren - procedere wie im Sommer & Herbst. (auf www.treibhaus.at/programm). Einlaß in die Konzerte ist um 18:00. Restkarten werden am Veranstaltungstag ab 18:30 ausgegeben. // fürs Wirtshaus reservieren wir keine Tische - denn da ist Platz für fast alle: die Weiberwirtschaft hat sich auch wieder auf den Treibhaus-Vorplatz & den Platz zwischen Fumoir & Schlössl ausgedehnt - unser Begleitservice hilft beim Tisch-suchen. Kommt, ihr habt alle Platz. aber kommt ge-duscht. ge-föhnt. ge-kampelt. ge-küßt & ge-liebt. Hauptsach: ge-sund. Alles wird gut.

TREIBHAUS SPENDENKONTO * IBAN: AT 752050303352791960 * SOMMERSPIELE '21

das sommerprogramm findet bei freiem eintritt statt - jede/r entscheidet selber, wieviel er/sie/es beitragen kann & will. das treibhaus verläßt sich auf eure großzügigkeit. ihr bekommt eure spende note für note in musik zurück. SPENDENKONTO * IBAN: AT 752050303352791960. impft das treibhaus mit eurer solidarität. bitte.

NIK BÄRTSCH: RITUAL GROOVE MUSIC. ENTENDRE - PIANOSOLO

«RITUAL GROOVE MUSIC» ist Programm seines musikalischen Denkens.
Die Musik ist geprägt von der Liebe zum architektonisch gegliederten Raum, zu repetitiven und reduktiven Prinzipien und zur rhythmischen Verzahnung. Ein Stück kann wie ein Raum betreten, bewohnt werden. Durch obsessive Drehmomente, Überlagerungen von Metren und Mikrointerplays bewegt sich die Musik fort und verändert ihre Zustände. Die Aufmerksamkeit wird auf die minimen Variationen und Phrasierungen gelenkt. Improvisation spielt bei aller kompositorischen Strenge eine wichtige Rolle in seiner Musik. Nik Bärtschs Denken und seine Musik entwickeln sich aus der Tradition des urbanen Raums. Sie sind aus dem universellen Klang der Städte destilliert, nicht aus einer nationalen oder Stil-Tradition. Die Stadt in ihrer rauschhaften Vielfalt fordert die Beschränkung aufs Wesentliche: Dosiert agieren, am richtigen Ort nichts tun. Diese Musik schöpft ihre Energie aus der Spannung zwischen kompositorischer Strenge und improvisatorischer Selbstüberlistung. Aus der selbstgewählten Einschränkung entsteht Freiheit -
«EKSTASE DURCH ASKESE».

Ein faszinierendes Soloalbum des Schweizer Pianisten, Komponisten und Konzeptualisten. Entendre bietet einen tieferen Einblick in das musikalische Denken von Nik Bärtsch und beleuchtet Aspekte seines Spiels und die Natur seiner modularen Stücke.

Wie der Titel schon andeutet, betrachtet das neue Album, das im Studio Auditorio Stelio Molo in Lugano aufgenommen wurde, das Hören als einen dynamischen Prozess. In diesen Solo-Realisierungen entfalten sich Bärtschs polymetrische Stücke mit erhöhter Aufmerksamkeit für die Feinheiten des Anschlags. Der Pianist findet Freiheit in der ästhetischen Beschränkung und ergreift gleichzeitig Gelegenheiten, die Musik an neue Orte zu führen. Als ebenso anpassungsfähiger wie origineller Musiker stellt er sich gewissenhaft in den Dienst des jeweiligen Kontextes, und das Solowerk hat sich in den letzten Jahren parallel zu seinen Gruppenaktivitäten entwickelt. Einige Schlüsselmomente in dieser Hinsicht waren für Nik sein Soloauftritt bei der 50-Jahr-Feier von ECM im New Yorker Lincoln Center im Jahr 2019 sowie Auftritte in fortlaufender Zusammenarbeit mit der bildenden Künstlerin Sophie Clements. Eine Solo-Klaviertournee im Jahr 2017, deren unorthodoxe Reiseroute ihn nach Teheran, Kairo, Alexandria, Kalkutta und Delhi führte, hatte außerdem zum Nachdenken über die verflochtenen Beziehungen von Solo-Performance und ritueller Musik in verschiedenen Kulturen geführt. Auch dies beeinflusste die Vorarbeiten zu Entendre.

Niks nummerierte "Modul"-Stücke können eher als Schablonen denn als feste und endgültige Kompositionen betrachtet werden: Er vergleicht sie mit "einem Grundtraining in Kampfsportarten, das an alle möglichen Situationen angepasst werden kann. Meine Arbeitsweise ist es, neue Kontexte zu schaffen. Jedes Stück spielt mit der Idee von Komposition, Interpretation und Improvisation und wird von derselben Kraft genährt, kann aber sehr überraschende Ergebnisse hervorbringen..."

Das wird sofort auf dem Eröffnungsstück "Modul 58-12" deutlich, das Stücke, die zuvor auf Aufnahmen mit Niks Bands interpretiert wurden - "Modul 58" mit Ronin auf Awase und "Modul 12" mit Mobile auf Continuum - zu einem emotionalen, kraftvollen Effekt vereint. "Es hat sich im Studio einfach in diese Richtung entwickelt. Ich habe es nicht geplant oder erwartet, dass es sich auf diese Weise entwickelt. Die Kombination dieser beiden Stücke ist vielleicht kein Zufall, sondern eher ein innerer Ruf. Mit einem lebhaften Fest am Anfang, einem Eröffnungsflug, der dann in Leere, Stille und Atemraum übergeht."

 

Geduld, intensive Konzentration und Leichtigkeit gehören zu den konträren Eigenschaften, die nötig sind, um diese Musik "dramaturgisch inszeniert" zu spielen und ihre Geheimnisse freizusetzen. Im Solospiel versucht Bärtsch, so sagt er, "loszulassen und im Stück zu fließen und die egozentrische Art, die Musik zu forcieren, zu transzendieren und eine höhere Ebene der Freiheit in Übereinstimmung mit der Form des Werkes zu finden."

Er betont auch, dass die Solomusik aus der Zusammenarbeit entstanden ist, einschließlich der langen Jahre des Feilens an der Musik mit Ronin und Mobile und der Teamarbeit bei der Session selbst, mit dem Produzenten Manfred Eicher und dem Ingenieur Stefano Amerio. "Es war extrem hilfreich, dass Manfred zuhörte und Ratschläge gab, wie man die Stücke angehen und interpretieren könnte. Er hörte zum Beispiel Verbindungen zu Gurdjieffs Musik in einem Stück. Oder er schlug mir vor, 'Modul 26' mit der Art von Fluss zu spielen, die ich beim Spielen von 58 gefunden hatte. Solche Rückmeldungen halfen, das gesamte Hörerlebnis auf eine sehr organische Weise zu erweitern."

Der atmosphärische Studioraum in Lugano - der zuvor auch für die Continuum-Aufnahmen von Mobile genutzt wurde - habe ebenfalls seinen Charakter durchgesetzt, sagt Bärtsch. "Mein Anschlag in der Solomusik ist nicht primär ein 'Jazz'-Anschlag auf dem Klavier. Er liegt zwischen den Dingen. Zwischen Kammermusik, Solospiel in der klassischen Tradition, modernerer Minimal Music und dem 'Groove'-Aspekt. Und der natürliche Nachhall, der natürliche Klang, des Raumes in Lugano half, diese Elemente hervorzuheben. Ich fühlte mich auch von der Geschichte des Raumes inspiriert. Und ich mag die Tatsache, dass er hier in der Schweiz ist, in dem Land, in dem ich lebe und in dem Ronin arbeitet. Ich brauchte nirgendwo anders hinzugehen, um diese Musik zu dokumentieren. Es passiert hier."

Entendre wurde im September 2020 im Auditorio Stelio Molo RSI in Lugano aufgenommen und von Manfred Eicher produziert.
»Das Album dokumentiert große Kunstfertigkeit und den aktuellen Stand von Bärtschs Klangforschung, ist aber auch Rückschau auf ältere Stücke, die jetzt sozusagen als Referenzaufnahmen dienen.« (Stereo, Mai 2021)

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