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rat mal wer zum essen kommt: ::: VERENA PÖTZL & IHRE B. STREETBAND

Ich bereue gar nix.

christiane fasching befragt verena pötzl für die TT

Föhnsturm trifft Wirbelwind: Die Herbstblätter tanzen wie verrückt, als Verena Pötzl zur „Klangfabrik" in Mieders hetzt und nach einem rasanten Parkmanöver „Stress!" schreit. Andreas Eccli und Andreas Prochatschek lachen — so und nicht anders kennen sie die Sängerin, mit der sie gerade ein neues Album aufnehmen, in dem neben Jazz und Funk auch jede Menge Herzblut steckt. Aber bevor es ins Tonstudio geht, nimmt sich Pötzl Zeit für ein Gespräch. Und eine Reise in die Vergangenheit.

Es heißt, ein Lied sagt mehr als tausend Worte. Gibt es einen Song, der beschreibt, wie es Ihnen gerade geht?

Verena Pötzl: Eigentlich beschreiben alle Lieder, die ich schreibe, wie es mir geht. Das Songschreiben hilft mir dabei, mein Leben zu verarbeiten — ich schaffe mir da eine Art Erinnerungsbuch und kann im Nachhinein in meinen Erfahrungen blättern. Aktuell seh' ich mich am besten in meinem Song „The Journey" beschrieben: Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich behaupten, dass ich dort gelandet bin, wo ich immer hinwollte. Ich bin als Mensch, als Frau und als Künstlerin in meiner Mitte angekommen.

Reisen wir kurz zurück: Im Jänner 2004 haben Sie die zweite Staffel von „Starmania" gewonnen. Der große Erfolg blieb damals aus. Bereuen Sie die Casting-Erfahrung im Nachhinein?

Pötzl: Nein! Ich bereue gar nichts. Und dass sich der große Erfolg nicht einstellen würde, war eigentlich von vornherein klar. Christina Stürmer hatte damals ein Jahr Vorsprung und war schon ziemlich gut im Geschäft — und es war eigentlich rasch absehbar, dass niemand diesen Erfolg durch eine neue Figur gefährden wollte. Ich persönlich bin aber dankbar für diese Zeit, weil ich einen Einblick in die Pop-Branche bekommen habe und erkannt habe, dass ich mich hier nicht wohl fühle. Ich wollte immer Musikerin sein — und bin wohl zu naiv an die Sache herangegangen. Am Ende ging ich geschlagen heraus: Ich musste mit dem öffentlichen Bild von mir lange kämpfen. Aber jetzt habe ich mit dieser Geschichte Frieden geschlossen.

Stichwort Naivität: Was würden Sie jemandem raten, der sich auf ein Casting-Abenteuer einlässt?

Pötzl: Eigentlich gar nichts: Wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, dann ist man eh schon mittendrin in einem Wirbelsturm, wo man ums Überleben kämpft. Wer es schafft, da bei sich selbst zu bleiben, hat schon unglaublich viel erreicht. Das größte Kompliment, das ich damals gehört habe, war: „Du bist immer noch die gleiche."

Dabei wäre ein gewisses Verformen wohl gefragt gewesen?

Pötzl: Natürlich! Und auf gewisse Art hab' ich mich streckenweise sicher auch verformt: Weil ich in dieses Business hineinpassen wollte, weil ich wollte, dass mich die Leute gern haben. Schrecklich! Einen Tipp hätte ich aber doch: Wenn jemand den Wunsch hat, zu singen, dann soll er oder sie sich mit guten Musikern umgeben, ein Instrument lernen oder eine Band gründen — es sollte immer um die Musik gehen, nie um etwas anderes.

Aktuell stehen Sie in den Kammerspielen in der Wechseljahre-Revue „Heiße Zeiten" auf der Bühne. Nach „Sekretärinnen" ist das Ihr zweites Landestheater-Engagement. Wie kam es dazu?

Pötzl: Operndirektorin Angelika Wolff hat mich vor zwei Jahren angerufen und zu einer Audition eingeladen: Und mein Vorteil ist, dass ich mich nix scheiß'. Deshalb hab' ich zugesagt — und bin danach monatelang tausend Tode gestorben, aus Angst, dass ich versagen werde. Bei der Audition hab' ich übrigens Rock 'n' Roll gesungen, ohne Noten und großartiges Konzept. Aber offenbar hat man etwas in mir gesehen und hat mir vertraut. Das freut mich extrem.

Das Stück behandelt die Begleiterscheinungen der Menopause. Sind Sie da mit 38 nicht etwas zu jung?

Pötzl: Die Figur, die ich verkörpere, wäre laut Vorlage schon 42, die Rolle ist dann auf mein Alter angepasst worden. Und dass die biologische Uhr tickt, kann man auch mit 38 nicht mehr leugnen. Dieses Thema ist mir nicht fern — und ich spür', dass da auch bei mir ein gewisser Druck lastet. Schließlich können wir Frauen nun einmal nicht ewig Kinder bekommen. Ich bin in der Wechseljahre-Revue also ganz gut aufgehoben. (lacht) Abgesehen davon, empfinde ich es als totale Ehre, dass ich mit Kalibern wie Susanna von der Burg und Dale Albright zusammenarbeiten kann.

Sie werden ab 22. April auch im Musical „Everyman" auf der Landestheater-Bühne stehen. Bilden Sie sich dafür auch auf der Schauspiel-Ebene fort?

Pötzl: Mir fehlt dazu leider die Zeit. Ich arbeite natürlich an meinem Bühnendeutsch und würde auch gerne eine Sprechausbildung machen — aber ich komm' gerade zu gar nix. Ich steh' ja nicht nur auf der Theaterbühne, sondern bin auch ständig mit der B.Streetband für Hochzeiten, Firmenfeiern und andere Events unterwegs. Abgesehen davon, arbeite ich an einem neuen Album, das mein Bandkollege Andreas Eccli produziert. Aber bis das fertig ist, wird's noch ein bisserl dauern — es soll gut werden.

Wird es da auch deutschsprachige Songs zu hören geben?

Pötzl: Nein. Englisch bleibt meine Songsprache: Da kann ich mich am besten ausdrücken. Was mich aber irgendwann einmal reizen würde, wäre ein Mundart-Projekt.

Wo wird das Album musikalisch einzuordnen sein? Die Zeiten der Rockröhre Verena Pötzl sind ja vorbei.

Pötzl: Die sind schon lang vorbei! Und ich kann das Wort Rockröhre beim besten Willen nicht mehr hören. Das neue Album geht in die Singer-Songwriter-Schiene und wird auch Jazz- und Folk-Elemente enthalten. Mir sind die Songs unglaublich viel wert — da liegt mein Herz drin, da zeige ich, wer ich wirklich bin.

Im Laufe der letzten Jahre wurde da ja so manches G'schichterl verbreitet. Angeblich haben Sie sich nach „Starmania" zur Kindergärnterin umschulen lassen.

Pötzl: (lacht) Genau! Nur kann ich mich da blöderweise gar nicht dran erinnern. Ich find's auch lustig, wenn die Leut' mir erklären, dass sie früher ein totaler Fan von mir waren. Das klingt ziemlich morbide. Und ich find's auch schade, weil ich jetzt musikalisch wirklich viel mache und nicht mehr nur im Fernsehen Karaoke singe.

Sie haben bei der Aktion „Lieder für Van der Bellen" mitgewirkt. Wie wichtig ist es, politisch Stellung zu nehmen?

Pötzl: Ich bin jetzt sicher keine Jeanne d'Arc, aber ich war sehr froh, Teil dieses Projekts sein zu können. Die Vorstellung, dass Norbert Hofer Präsident wird, macht mir nämlich große Angst. Als Künstlerin arbeite ich mit Menschen aus den verschiedensten Nationen zusammen und treffe auf Leute mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen. Warum? Weil Österreich ein buntes Land ist. Und ich wünsch' mir, dass es auch weiterhin so bunt bleibt.

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