treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

DOCH. FÜR HEUTE GIBTS NOCH KARTEN FÜRS SOMMERKINO - AB 16:00 im TREIBHAUS

ab 16:00 werden nicht abgeholte karten vergeben. einen ausweis mitbringen, eine mailadresse & ordentlich in den opferstock spenden, bitte. danke. der eintritt ist frei - aber die veranstaltung kostet recht viel geld.

DOLCE ViTA. VOM SCHöNen LEBEN. GESCHICHTEN & MUSIK. EINTRiTT FREI*WiLLIG

für die konzerte & filme im zeughaus gibts platzkarten - die gibts aber nur online, hier auf www.treibhaus.at - die restln gibts am spieltag ab 16uhr im treibhaus. für konzerte im treibhaus gilt: der frühe vogel - il primo uccello...

ZEUGHAUS: PiER PAOLO PASOLiNi: DECAMERONE & FLO'S JAZZCASiNO. - Einlaß 19H15

LA DOLCE ViTA: VOM SCHÖNEN LEBEN. GSCHICHTEN & MUSiK. FiLM & KONZERT

JACK MARSiNA & FLO‘S JAZZCASINO - als gast: YVONNE MORIEL saxophon

Volare: auf den Spuren der großen Crooner  von Frank Sinatra bis Dean Martin - mit italienischem Schmelz.
Flo‘s Jazz Casino ist eine Hommage an den amerikanischen Jazz zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zur Swing Ära. Grandiose Interpreten wie Frank Sinatra, Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Nat King Cole, Bing Crosby, Sammy Davis Jr., Louis Armstrong, Louis Prima oder Dean Martin ließen großartige Kompositionen zeitlos werden.  Unser Auftrag an & den special guests: wir wollen VOLARE, die italienische Seite New Yorks ins Zeughaus geliefert bekommen. Wie aus Dino Paul Crocetti / Francis Albert Sinatra / Antonio Benedetto  / Tony Bennett  / Leo Prima  - ratz fatz: Dean Martin - Frank Sinatra - Tony Bennett  - Louis Prima.wurde.  Ab in die Clubs und Casinos der 20er, 30er, 40er und 50er Jahre. Zurück die Jazz Clubs der Prohibition, in die mit Leidenschaft geschwängerte Atmosphäre. Natürlich ist und bleibt Jack Marsina der klassische Crooner, der er schon immer war, Flo‘s JazzCasino bleibt eine coole Jazzband und keine italienische Schlagecombo. Das Line Up: Flo Baumgartner schlagzeug / Flo Hupfauf kontrabss / rober soelkner piano, jack marsina trompete & gesang. und dazu jeden abend wechselnd als special guest eine markante frauenstimme:  special guests:  Heidi Erler 05.08. /  Yvonne Moriel 12.08. / Sara Köll de Blue 19.08. / Stefanie Veit 26.08.

PiER PAOLO PASOLiNI: IL DECAMERONE

„Warum Kunst machen, warum nicht einfach von ihr träumen”, fragt sich Giotto, gespielt von Pier Paolo Pasolini selbst, in einer Szene des Films. Nach seinen allegorisch verklausulierten Filmen der Sechziger Jahre findet Pasolini mit Boccaccios „Decameron” einen neuen Mate-rialsteinbruch. Seinen zwingenden Fragen, den Fragen nach dem – mit Adorno – richtigen Leben im falschen, bleibt er allerdings treu. Seine Hoffnungen setzt er diesmal in gelebte Körperlichkeit. Aus Boccaccios Novellensammlung greift Pasolini neun heraus und dreht einen vulgär-fröhlichen Episodenfilm. Er erzählt beispielsweise vom naiven An--dreuccio, der, aus dem Norden kommend, von den hinterfotzigen Bewohnern Neapels sprichwörtlich bis aufs letzte Hemd ausgezogen wird; Er erzählt von lüsternen Ordensfrauen und von blauäugigen Ehe-männern und untreuen Ehefrauen; Kurz: Pasolinis setzt in seinem DECAMERON auf erotisch Lebensvolles, Antiklerikales, Aufmüpfiges, auf Zauberei und folkloristisches Singsang, auf Sex und Gaunerei und auf die wirkmächtige Bildsprache der Renaissancemalerei. Dafür gab es 1971 einen Silbernen Bären bei der Berlinale. Pier Paolo Pasolini (* 5. März 1922 in Bologna; † 2. November 1975 in Ostia, Filmregisseur, Dichter.

EiN AUSFLUG iNS PESTZEiTALTER GiOVANNi BOCCACCiO - IL DECAMERONE

von sieben damen und drei jungen männern, die macht des geistes, die list der lust und: DIE PEST

Die eindrucksvollste Beschreibung der Pest stammt von Giovanni Boccaccio. Seine hundert Erzählungen sind bekannt. Lessing hat dem „Decamerone“ die Ringparabel entnommen. Weniger bekannt ist der düstere Rahmen, den Boccaccio für seine daseinsfrohen Geschichten gewählt hat: Es ist das Vordringen der Pest aus dem Orient nach Florenz. Hier spricht Boccaccio nicht als Dichter, sondern als Zeitzeuge. Seine Beschreibung der Ausbreitung der Seuche ist ebenso präzise wie die des Krankheitsverlaufs
Am beklemmendsten ist, wie er im Vorwort den Zerfall der florentinischen Gesellschaft analysiert. Da glaubten die einen an ein Gottesgericht, andere vermuteten geheime weltliche Mächte. Vor allem aber löste sich das gesittete Zusammenleben auf. Wer konnte, floh aufs Land. Viele schlossen sich hermetisch ab. Wieder andere tobten angesichts eines nahenden Endes ihre Leidenschaften aus. Familien zerbrachen, die Toten konnten nicht mehr in Würde beigesetzt werden. Es gab Profiteure der Krise, aber auch einzelne überraschende Hilfeleistungen. Es ist ein dystopisches Bild und ein tief trauriger Rahmen, den Boccaccio für seine Novellen gewählt hat. Liest man sein Vorwort, dann wirken die unbeschwerten Erzählungen wie ein Versuch hoffnungslos Eingeschlossener, den Humor zu bewahren und das Lachen nicht zu verlieren.
Indes, die Seuche breitete sich weiter aus. Sie erreichte Venedig. Hier bot sich, anders als in Florenz, nicht das Lehrstück einer in Egoismen zerbrechenden Gesellschaft, sondern das einer machtbewussten Obrigkeit. Kaum waren die ersten Schiffe mit Kranken gelandet, griffen die Patrizier durch: Die Schiffe durften nicht anlegen sondern mussten in der Lagune ankern. Frische Meeresluft und Räucherungen sollten die Giftdämpfe vertreiben. Dass Ratten über die Taue kletterten und so Bakterien in die Serenissima brachten, erkannte man zu spät. Erkrankte wurden auf der Insel Lazaretto Vecchio, dann auf Lazzaretto Nuovo festgehalten. Bis heute findet man dort ihre Skelette. Jeder Übertretung drohten drakonische Strafen. Die gebündelte Macht der Exekutive erstickte jeden Individualismus. Die Herrscher der Lagunenstadt schützten eine Gemeinschaft um den Preis der Freiheit. Egon Friedell hat in seiner „Kulturgeschichte der Neuzeit“ diese Machtfülle des Staates als so einschneidende Veränderung gesehen, dass er die Moderne mit dem Erscheinen des Schwarzen Todes beginnen lässt.

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