treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

45 jahre kulturarbeit im gebirge. 40 jahre treibhaus. 35 jahre theater im turm

für fast alle veranstaltungen im feierlichen herbst gilt: jede/r entscheidet solidarisch selber, wieviel er/sie beitragen kann. das treibhaus verläßt sich auf die großzügigkeit seines publikums • SPENDENKONTO: IBAN:AT752050303352791960 • spenden kann man auch in den opferstock beim eingang, in den klingelbeutel oder am besten gleich beim reservieren der sitzplätze auf www.treibhaus.at, denn was du heute kannst besorgen.. // die veranstaltungen finden bis ende oktober im treibhaus-garten statt. wenns unter 12 grad hat, übersiedeln sie in den turm & bleiben ab november dort / einlaß in garten & turm ist eine stunde vor veranstaltungsbeginn. // restkarten gibts eine halbe stunde vor beginn der veranstaltung / es gelten die corona 3G regeln, sowie abstand halten, am zugewiesenen sitzplatz bleiben - und: hände waschen nicht vergessen...

MIRA LU KOVACS: WHAT ELSE CAN BREAK

Virtuosität und Zauber an Instrument und Stimme, konterkariert von mitunter bis zum Anschlag ausgereizter Direktheit in den Erzählungen; der Mut mit einer gewissen Schrägheit den vorhandenen Pop-Appeal in die Zukunft zu ziehen, gekoppelt mit selbstbewusstem Auftreten und klarer Botschaft: MIRA LU KOVACS hat sich auf ihren Aufnahmen, auf und abseits der Bühne ein üppiges Häuschen mit Garten im Gedächtnis der musikinteressierten Öffentlichkeit eingerichtet.
2021 erscheint mit “What Else Can Break” zum ersten Mal ein Album unter ihrem eigenen Namen.

Unter dem Namen Schmieds Puls veröffentlicht sie 2013 (“Play Dead”) das erste von drei außergewöhnlichen Alben im Trio-Format. Es folgen “I Care A Little Less About Everything Now” (2015), das mit dem Amadeus Award ausgezeichnet wird, und das betörende “Manic Acid Love” (2018).
Die Bandbreite von Miras Schaffen wird dabei beständig erweitert – zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Clemens Wenger (Jazzwerkstatt Wien, 5/8erl in Ehr’n), mit dem sie für “The Urge Of Night” ihre Stücke für ein eigens zusammengestelltes, zehnköpfiges Ensemble neu in Szene setzt. Jeder erreichte Meilenstein gilt als Ausgangspunkt für die nächste Entwicklungsstufe; neue Stücke, neue Formen, neue Möglichkeiten.
Nicht umsonst kollaboriert Mira Lu Kovacs auch leidenschaftlich mit Kollegen – etwa in der aufregenden Experimental-Pop-Formation 5K HD. Sie spielt in ungewöhnlichen Theaterproduktionen (“Ganymed in Love”), eröffnet die Wiener Festwochen (2018), kuratiert das Wiener Popfest (2019), verstärkt die ‘Supergroup’ My Ugly Clementine an der Gitarre und setzt das Belvedere Museum akustisch in Szene (2019) und ist wiederum berührender Teil der grandiosen Eröffnung der Wiener Festwochen 2021.
Die gebürtige Burgenländerin hat nach drei Trio-Alben als SCHMIEDS PULS nun erstmals in Bedroom-Recording-Sessions im Alleingang ihre Vocals und ihre Gitarrenspuren aufgenommen. Eigentlich wäre sie als Kind ja gerne Schlagzeugerin geworden, von ihren Eltern bekam sie allerdings eine Gitarre geschenkt. Und die Gitarre führte zu einem Gitarrenlehrer, der sie zum Singen ermunterte. Und ihre selbstkomponierten Songs führten sie mittlerweile schon um die halbe Welt. Auch in kosmopolitischen Kollektiven wie MY UGLY CLEMENTINE oder 5K HD weiß sie ihre Stimme und ihr Melodie- und Melancholie-Gespür gezielt einzusetzen. Wie schlagkräftig introspektive Töne sein können, das beweist sie nun auch wieder mit der aktuellen Veröffentlichung „What Else Can Break“, auf der sich auch ein fast zwanzig Jahre altes Stück wiederfindet

Der Output und die Vielseitigkeit von Mira Lu Kovacs sind jenseitig. Nicht alle zwei Jahre ein Album, eher zwei Alben pro Jahr plus x Kooperationen. 2013 erschien die vielfach preisgekrönte Sängerin, Singersongwriterin und Komponistin als Mastermind des Trios Schmieds Pulsauf der Bildfläche, mit Balladen, zielgenau und treffsicher wie ein sauberer Schussins Schwarze. Niemand kommt vor KovacsLiedern ungeschoren davon. Als Stimme der avantgardistischen Supergroup 5K HDexperimentiert sie mit Effekten und Verfremdungen, bei den Grunge Pop Senkrechtstarter*innen My Ugly Clementinespielt sie als Sidewoman Gitarre, mit Clemens Wenger transformierte sie ihre Lieder in Arrangements für ein 10köpfiges Ensemble, dem Wiener Belvedere Museum komponierte sie das Corporate Design –Mira Lu Kovacs wechselt fliegend dieRollen auf dem breiten Spektrum zwischen Pop, Hochkultur, Experimenteller und Elektronischer Musik.Mit What Else Can Breakpräsentiert die Ausnahmemusikerin das erste Album explizit unter ihrem Namen, ein wunderschönes Überlebensalbum, ein musikalischer Unterschlupf, abgrundtief und geborgen.„Ich empfinde eine so große Liebe für dieses Album, weil es so schonungslos leidend und ehrlich ist und sich damit befasst! Es läuft nicht weg, es ist sehr mutig.“Mira Lu Kovacsmacht für das postpatriarchale Zeitalter klar: Gefühle zu zeigen ermächtigt. Radical Softness ist das Werkzeug der Rebellion. „Die extremste Form gewisse Dinge zum Ausdruck zu bringen ist, sie leise zu tun.“Von Stuckbis Stay A Little Longerzieht Mira Lu Kovacsaus ihren Liedern einen Schmerz, der uns spüren lässt, dass es sich in dieser Scheiß-Welt zu leben lohnt. Off you go: Düster, leichtfüßig, beruhigend, trauernd, augenzwinkernd, beschwingt. „Wäre Corona nicht gewesen, hätte ich 1000 Sachen gleichzeitig gemacht, aber nicht dieses Album geschrieben. Ich hätte nicht die Zeit gehabt, so viel emotional zu hinterfragen, so viele Stunden mit mir selbst zu verbringen und so detailliert an jedem einzelnen Sound zu arbeiten.

Für den Entstehungsprozess war das eine Traumsituation.“Alle Vocals hat Mira Lu Kovacsalleine mit sich im „Corona-Bedroom-Studio“ eingesungen. Jeder Song ist von dieser Nähe und Intimität durchdrungen. What Else Can Breakist das unprätentiöseste ihrer bisherigen Alben, close to home. Auf dem Track Zufriedenheithören wir das erste Riff, das Kovacsin ihrem Leben geschrieben hat, als Kind, das einfach macht, was sich richtig anfühlt. Statt astrein das Virtuose zu verfolgen, stößt What Else Can Breakauf eben diesen Kern, der alles ausmacht: Ein paar Akkorde und die Wahrheit.Es ist verwunderlich, wie wohltuend dieses Schmerz-Album klingt. Man ist gut gelaunt, wenn sich Mira Lu Kovacsin Humanihrer irdischen Hülle entledigen will (finally free), in Most Beautiful Boymaximal verloren schmachtet, in Want You das ewige Hin und Her in einen Dance-Ohrwurm verwandelt.Viele Songs auf What Else Can Breakfungieren wie entwaffnende Traumfrequenzen, ziehen von einem Gefühlsdestillat ins nächste: Nicht weinen zu können (Stuck), ein vererbtes Trauma in sich zu tragen (84), sich aus einer toxischen Beziehung herausziehen zu müssen (Pull Away), angeklagt werden zu wollen (Hold Me Responsible), das Grauen in ihrem Gesicht zu sehen (Bad Deal), den eigenen Schatten als zu guten Freund zu haben (All The Time), sich nicht umzubringen (Stay A Little Longer).Als Protagonistinnnen treten Mira Lu Kovacs' Stimme und Gitarren auf, hinzu kommen –nicht bei allen Nummer und in wechselnder Zusammensetzung –Alex Kerblam Schlagzeug, Beate Wiesingeram Bass und Mona Matbou Riahi an der Klarinette.„Es war für mich das Natürlichste der Welt, dieses neue Kapitel aufzumachen. Nicht mehr einen Bandsound mit einer feststehenden Besetzung zu verfolgen, sondern mich soundmässig komplett zu befreien und mit jedem Song alles neu entscheiden zu können.“Abgesehen von den beiden Nummern Stuck(mit Marco Kleebauer-Leyya, Bilderbuch, Oehl) und Pull Away (mit Grammy-Nominee Yakob) hat Mira Lu Kovacseinen Großteil des Albums gemeinsam mit Sophie Lindinger(Leyya,My Ugly Clementine) produziert.
„Sophie muss man als Genie deklarieren. Sie ist im Gegensatz zu mir komplette Autodidaktin, gleichzeitig können wir uns in musikalischen Entscheidungen sehr gut nachvollziehen. Gerade weil sie selbst singt, Lieder schreibt, Gitarre und Bass spielt, kann sie sich in so viele Dinge hineinversetzen. Wir haben uns in der Produktion perfekt ergänzt.“

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