treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

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das treibhaus, ansteckend wie es ist, hat schon wieder die höchststrafe ausgefaßt - es wurde ein betretungsverbot verhängt // bis wann? wer weiß. // damit nicht schon wieder jene auf der strecke bleiben, die zum vierten mal unschuldig ein berufsverbot bekommen haben, hat das treibhaus wiederum beschlossen, den prekären licht & tontechnikern die jobs für die wir sie engagiert haben, auch zu bezahlen. und den musikern einen gutteil der vereinbarten gage. quasi lohnfortzahlung im lockdownfall - egal welche hilfeleistungen wir bekommen. // wir vertrauen auf die solidarität unseres publikums. bleibt uns gewogen und helft mit, damits nach dem winterschlaf ein frohes erwachen geben kann - SPENDENKONTO * IBAN: AT 752050303352791960 *

RON CARTER QUARTET: DEAR MILES. DIE LEGENDE // RESTKARTEN am 20.9. AB 18:30

RON CARTER

Ron Carter zu erleben und sein ausdrucksstarkes, von einem dezenten grauen Backenbart gerahmtes Gesicht zu beobachten, wenn er den Bass spielt, seine Hände und sein Fingerspiel zu betrachten: ist nicht nur musikalisch ein Ereignis. Häufig hat der 80-Jährige die Augen geschlossen, die Lippen sind halb geöffnet, so als halte er dauernde Zwiesprache mit dem Instrument. Sein Gesichtsausdruck offenbart höchste Konzentration, ja, Versenkung. Wenn er auf dem Griffbrett einen Ton, einen Akkord greift, dann scheint es so, als erforsche und liebkose er behutsam die Saiten, bevor er dem Instrument feine, fast schwebende Bassläufe entlockt. Ron Carter, der große Bassist des legendären Miles Davis Quintets, der als "Gentleman des Jazz" apostrophierte Musiker kommt  am 20.9. 2021 noch einmal ins  Treibhaus - er hat es sich gewünscht!

Ron Carter,  geboren  am 4. Mai 1937  ist eine der letzten lebenden Legenden des Jazz
Man stelle sich vor, es gäbe keinen Ron Carter. Dann gäbe es so viel weniger Kunst auf dieser Welt -  bekannte Stanley Clarke. Der „Fuchs“, wie ihn Nat Adderley genannt hat, ist ein Solist von hohen Graden und wird als Sideman zum ruhenden Pol jedweder Besetzung. Ron Carter: „Der Bassist als Stütze der Gruppe ist verantwortlich für Time, Rhythmus, Harmonik und Linien.“ Seine riskaten Drops sind unnachahmliche Äußerungen rhythmischer Souveränität und seine abgeschliffenen, auf den Kern reduzierten und doch nicht abstrakten Basslinien, wie er sie Mitte der 1960er Jahre bei Miles Davis erstmals einem breiteren Publikum vorgestellt hat, stecken voller melodischer Abenteuer.

Als Ron Carter acht Jahre alt ist, lernt er Cello und profiliert sich als künftiger Orchestermusiker, wählt dann aber den Jazz, konzentriert sich dabei jedoch auf akustische Instrumente, darunter auch auf den Piccolo Bass, der in seinem feineren Klang einem Cello ähnelt. Erste Erfahrungen sammelt Carter mit Jazz-Größen wie Chico Hamilton, Eric Dolphy, Thelonious Monk and Cannonball Adderley. International bekannt wird er, das Ausnahmetalent aus Michigan, 1961 mit "Out of the cool" von Gil Evans, vor allem aber in den Jahren von 1963 bis 1968 als Bassist im Quintett von Miles Davis. Gespielt hat Carter im Laufe der Jahre mit allen Berühmtheiten des Jazz - Antônio Carlos Jobim, Quincy Jones, Stan Getz, Herbie Hancock, Billy Cobham. In seiner Zeit mit Miles Davis entstehen Alben wie "Seven Steps to Heaven", "My Funny Valentine" und andere Aufnahmen auch mit eigenen Kompositionen. Als Bandleader spielt Ron Carter mehr als 50 eigene Alben ein. Titel wie "Orfeu" sowie "Jazz and Bossa" zeigen, dass er sich mit Leidenschaft auch der lateinamerikanischen Musik widmet. Auf der vor 35 Jahren erschienenen LP "First Take" gibt er der wunderbaren Jazzsängerin Roberta Flack ein einzigartiges Fundament aus filigranen Rhythmusfiguren.  


Der 84 jährige hat jazzgeschichte geschrieben. sein einzigartiges spiel ist auf rund 3.000 alben zu hören, etwa 50 davon nahm er als leader auf - er ist quasi der meist aufgenommene bassist in der geschichte des jazz. 
Being Ron Carter – das heißt, die „Jazz-Neuzeit entschieden mitgeprägt zu haben. Die Funktion des Basses, vom reinen Akkompagnement zum rhythmischen, harmonischen Gestalter, reformiert zu haben. Die Emanzipation zum ensemblerelevanten Soloinstrument voran gebracht zu haben. Jene seinerzeitigen Avantgarde-Entwicklungen gehören heute zum jazzidiomatischen Fundus und Carter ist eine der, trotz seines fortgeschrittenen Alters, noch aktiven Größen des musikalischen Jahrhundertphänomens Jazz, die die jetzt als „klassizistisch“ geltende Lesart aus der Schnittmenge zeitgenössischer Bebop-Facon und einer relativ freizügigen Modalkonzept, auf höchstem Niveau zelebriert und ohne Firlefanz, rein einem echten künstlerischen Beweggrund zugetan, sogenanntem Jazz-Mainstream, ein Begriff der im Fall von Carters Haltung zu kurz greift, auf nicht zu hinterfragende Weise im Hier & Jetzt positioniert.

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