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Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

LES METANUITS: ROBERTO NEGRO & EMILE PARiSIEN - LIGETI? UNERHÖRT. I LOVE IT

METANUITS

ROBERTO NEGRO: piano
EMILE PARISIEN - SOPRANSAXOPHON

2023 wäre der Komponist György Ligeti 100 Jahre alt geworden. Auch wenn ihn Regisseur Stanley Kubrick durch die Verwendung seiner Musik in mehreren Soundtracks - vor allem des Orchesterwerks „Atmosphères“ und des Chorstücks „Lux aeterna“ in „2001: Odyssee im Weltraum“ - bekannt gemacht hat, ist der Kosmopolit der Neuen Musik kein Publikumsfavorit geworden. Umso mehr Eindruck hat Ligeti bei den Musikern selbst hinterlassen. Mit seiner lebenslangen Suche nach neuen Wegen, von der Klangflächen-Musik über Mikropolyphonie bis zur Mikrotonalität hat er auch Jazzmusiker beeinflusst. Wenn sich ihm nun Emile Parisien, der herausragende Sopransaxofonist der europäischen Szene, und Roberto Negro, den viele wegen seiner eigenen Projekte wie der Zusammenarbeit mit den Cecchaldi-Brüdern für einen der aktuell spannendsten Pianisten Frankreichs halten, auf ihrem Duo-Album „Les Métanuits“ mit Ligeti befassen, dann ist das kein Schnellschuss zum Jubiläum, sondern ein Projekt mit einer langen Vorgeschichte…

„Als wir vor acht, neun Jahren erstmals zusammenspielten, trafen Emile und ich uns in meiner Küche, um über Musik zu reden und uns näher kennenzulernen,“ berichtet Negro. Schnell stellten sie fest, dass sie beide Ligeti sehr verehren, Negro sogar dank einer biografischen Parallele: Der gebürtige Turiner wuchs vor seinem Studium in Paris in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa auf; auch Ligeti verbrachte viel Zeit in Afrika, was seine polyrhythmische Ästhetik prägte. Obendrein waren sich die beiden auch über ihr Ligeti-Lieblingsstück einig: Das Streichquartett Nr. 1: Métamorphoses nocturnes. So ergaben sich später immer wieder Berührungen damit, zum Beispiel begleitete man einmal das berühmte französische Béla Quartett bei einer Aufführung. Jetzt war Zeit und Gelegenheit, sich im Duo eingehend mit diesem Werk zu befassen und dieses unter dem Titel „Les Métanuits“ zu adaptieren. Emile Parisien: „Das Streichquartett ist natürlich leichter für Klavier und Saxofon zu adaptieren als viele anderen Kompositionen Ligetis, vor allem aber ist es als eines seiner frühen Werke aus den Fünfzigerjahren noch stark von Béla Bartók beeinflusst. Deshalb auch dieses starke, bewegende Generalthema, dass sich durch das ganze Stück zieht.“ Nicht zuletzt die Rhythmik des Stücks, die fast schon an Strawinski erinnert, begeisterte Parisien und Negro seit jeher. Sie verleiht ihrer nach den Tempobezeichnungen in elf Teile gegliederten Version nun die entscheidende Struktur.

Ligeti schätzte die Improvisation beim Jazz, lehnte sie aber innerhalb seiner Kompositionen ab. Entsprechend respektvoll gingen Parisien und Negro vor: „Wir haben die originalen Notationen und Motive, vor allem die Stimmungen und Farben erhalten und übernommen. Und dann möglichst harmonisch mit unseren Ideen erweitert,“ erklärt Negro. „Das Streichquartett ist im Original ja nur etwa 22 Minuten lang; bei unserer Albumfassung sind daraus 45 Minuten geworden, und wenn wir es live spielen, wird es noch länger. Dafür haben wir den Titel verkürzt und aus “Métamorphoses nocturnes” die „Métanuits“ gemacht, ergänzt er schmunzelnd.

 

Ein faszinierendes, bei allem ineinandergreifendes Vexierspiel ergibt sich daraus. Hochvirtuos alle klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente nutzend, oft in irrwitzigem Tempo (schnelle Bezeichnungen wie Allegro, Presto oder Prestissimo dominieren, nur am Schluss steht ein Largo), dann wieder mit lyrischem Atem jagen die beiden durch sich ständig ändernde Umrahmungen des abwechselnd mit unwiderstehlichem Ausdruck durchgeführten, durchaus melodiösen Themas. „Die Überschneidungen zwischen klassischer Musik und Jazz liegen mir besonders am Herzen. Die Grenzen zwischen diesen Genres müssen nicht mehr bestehen“, befindet Roberto Negro. Was er und Emile Parisien mit „Les Métanuits“ trefflich beweisen. Halten sie sich bei ihrer Ligeti-Hommage doch erst gar nicht mit historisierenden Konventionen einer alten abstrakten Avantgarde auf. Sondern lassen betörend aktuelle, mitreißend konkrete Musik erklingen.

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„Métanuits“, diese Adaption von György Ligetis „Métamorphoses Nocturnes“ von Emile Parisien und Roberto Negro steht  dem ungarischen Meister sowohl großzügig als auch ehrerbietig gegenübert. Es ist gleichzeitig eine Kürzung und Umschreibung für Saxophon und Klavier von Ligetis erstem und berühmtem Streichquartett, das zwischen 1953 und 1954 entstand.
Emile Parisien und Roberto Negro schreiben, adaptieren und arrangieren Ligetis Musik neu, sie erfinden dieses Originalstück von innen, daneben, darüber hinaus und zwischen seinen Zeilen auf einmal neu.
Sie öffnen die Türen der Improvisation und respektieren die tiefen und spielerischen Themen.
Rhythmus durchdringt das Schreiben, manchmal wie ein langsamer Motor und manchmal wie ein rastloser Teufel.
Die rhythmische Intensität und der fast kathartische körperliche Einsatz verweilen bei der Interpretation des Duetts.
Die beiden Musiker sprachen erstmals 2014 über dieses Projekt, doch Roberto und Emile reiften bis heute zu dieser Idee, diese hochintensive und engagierte Musik, die ihre künstlerische Geschichte so nachhaltig beeinflusst hat, zu ihrer eigenen zu machen.
Nachdem sie sich dieses Projekt jahrelang vorgestellt hatten, beschlossen sie, diese Musik  im März 2023, dem Jahr des 100. Geburtstags des ungarischen Komponisten auf die Bühne zu bringen und bei ACT aufzunehmen.Roberto Negro (piano), Emile Parisien (soprano saxophon)

Saxofonist Emile Parisien ist einer der wichtigsten Protagonisten des Jazz aus Frankreich. Ein Jazzvisionär, der mit einem Bein in der Vergangenheit steht und den Blick weit nach vorne richtet. Das macht ihn zur „besten Neuigkeit des europäischen Jazz seit langem“ (Le Monde), dem „ungeteilte Aufmerksamkeit“ (NDR) geschenkt werden sollte. Parisiens musikalische Koordinaten sind weit abgesteckt, von der folkloristischen Tradition seiner Heimat führen sie über die Kompositionsstrategien der neuen Musik zur melodischen und harmonischen Abstraktion des freien Jazz. Die besondere Qualität dieses weiten musikalischen Feldes liegt in der Selbstverständlichkeit, mit der es ausgelotet wird. Nichts wirkt bei Parisien kalkuliert oder gezwungen. Stattdessen fließen in seine Musik ganz unangestrengt, leichthändig und ohne konzeptionelle Absicherung die Genremerkmale ineinander. Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten: Parisien wurde jeweils als Künstler des Jahres mit den beiden wichtigsten Jazzpreisen Frankreichs, den „Prix Django Reinhard 2012“ und den „Victoires du Jazz 2014“ ausgezeichnet. In Deutschland erhielt er den ECHO Jazz 2015 in der Kategorie „Bestes internationales Ensemble“, für das mitreißende Duo mit seinem musikalischen Alter Ego und engem Freund, dem Akkordeonisten Vincent Peirani.

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