Leokadia Justman schrieb 1944 im Innsbrucker Polizeigefängnis & nach ihrem Ausbruch bis zum Kriegsende 15 Gedichte in deutscher Sprache: in dieser musikalischen Lesung werden sie erstmals öffentlich vorgetragen

Stimme: Jasmin Mairhofer
Saxophon: Juliana Haider
Akkordeon: Siggi Haider
Moderation: Johannes Kaup
Leokadia Justman schrieb 1944 im Innsbrucker Polizeigefängnis und nach ihrem Ausbruch bis zum Kriegsende fünfzehn Gedichte in deutscher Sprache. Sie sprechen über die Sehnsucht nach Freiheit, die Trauer um die ermordeten Eltern und Hoffnung auf eine neue Friedenszeit in Europa. Nach acht Jahrzehnten entdeckt, werden die Gedichte in dieser musikalischen Lesung erstmals öffentlich vorgetragen.
Zu Gast: Leokadias Sohn Jeffrey Wisnicki
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Wenn du einst zurückblickst,
erinnere dich an die graue, öde Nachkriegszeit,
an die seelische Lethargie,
und gedenke jener Worte,
dass der Glaube an das Leben die größte Kraft ist,
die selbst in Augenblicken von Niederlagen und Scheitern
Halt geben und zur Summe dessen werden kann,
was wir gemeinhin als „Glück“ bezeichnen.
L. Justman
Innsbruck, 26. November 1945
*
geboren 1922 in Piątek, wuchs in Łódź auf. Mit ihren Eltern entkam sie dem Warschauer Ghetto. Im Dorf Gorzkowice nahm ihre Mutter Zosia die Deportation nach Treblinka auf sich, um das Leben der Tochter zu retten. Mit ihrem Vater Jakub gelang im März 1943 die Flucht aus dem Ghetto von Piotrków nach Tirol. Dort lebten sie unter falschen Identitäten, bis sie im März 1944 an die Gestapo verraten wurden. Ihr Vater wurde im April im Lager Reichenau ermordet. Leokadia kam mit ihrer Freundin Marysia Fuks ins Innsbrucker Polizeigefängnis, wo Polizisten ihre Deportation verhinderten. Am 18. Januar 1945 brachen sie aus dem Gefängnis aus. Unterstützt von Polizisten und drei Frauen, entkamen sie in die Region von Lofer, wo sie die letzten Kriegsmonate überlebten. Unmittelbar nach dem Krieg kehrte sie nach Innsbruck zurück, wurde die erste Sekretärin des Jüdischen Komitees und schrieb ihre Erinnerungen auf 500 maschinschriftlichen Seiten auf Polnisch. 1950 emigrierte sie mit ihrem Mann Józef Wiśnicki nach New York. 2002 starb sie in Florida. Im Jahr darauf publizierte ihr Sohn Jeffrey Wisnicki die Englische Version. Der erstmals ins Deutsche übersetzte autobiografische Bericht erschien 2025 und gibt einen seltenen, authentischen Einblick in das Leben und Überleben als Jüdin in Tirol während der NS-Zeit.