Ein Crossover aus Konzert, Kundgebung & Theater, Sprechgesang & Musik erzählt die Geschichte von Widerstand, Repression & Revolution. Kunst, die auf politischen Aktivismus trifft - fesselnd & inspirierend

Eine Geschichte von Protest und Widerstand: 2016 von Maria (Masha) Alyokhina zusammen mit dem Produzenten Alexander Cheparukhin ins Leben gerufen, ist Riot Days eine kraftvolle Live-Musik- und Theaterperformance, die sich in den letzten zehn Jahren stetig weiterentwickelt hat. Die Show basiert auf zwei Büchern von Alyokhina: Riot Days (2017) und Political Girl (2025). Es ist eine lebendige, sich ständig wandelnde Performance, die sowohl persönliche Geschichte als auch aktuelle Ereignisse in Russland widerspiegelt.
2021–2022 verbrachte Aljochina über ein Jahr in Haft und unter Hausarrest, weil sie politische Gefangene, (darunter Alexei Nawalny) unterstützte. Im Mai 2022 floh sie als Lebensmittelkurierin getarnt aus Russland und überquerte die Grenzen ohne Pass, obwohl sie zu den meistgesuchten Personen des Landes zählte. Seit 2022 unterstützt das Projekt aktiv ukrainische Kinderkrankenhäuser.
Seit der Premiere 2017 tourte „Riot Days“ ausgiebig durch Europa, die USA, Kanada, Brasilien, Australien und Neuseeland und wurde weltweit über 500 Mal aufgeführt. Die Show erhielt große internationale Anerkennung, unter anderem durch Auszeichnungen beim Edinburgh Festival Fringe (Herald Angel Award und Total Theatre Award), den Woody Guthrie Prize (USA) und den jährlichen Antifaschismuspreis in Deutschland. Den Mitgliedern des Projekts wurden außerdem Ehrendoktorwürden der Universität Kent verliehen, was mit einer besonderen Aufführung in der Kathedrale von Canterbury gefeiert wurde.
Maria (Masha) Alyokhina
Autorin, Sprecherin, Schriftstellerin, Performerin und eine der bekanntesten Persönlichkeiten der zeitgenössischen politischen Kunst. Ihre Bühnenpräsenz ist direkt, unverblümt und zutiefst persönlich – sie trägt die gesamte Erzählung der Aufführung.
Alina Petrova – E-Violine, Elektronik.
Eine der renommiertesten und angesehensten Musikerinnen der zeitgenössischen postakademischen Musik. Die Absolventin des Moskauer Konservatoriums arbeitet mit experimenteller, improvisatorischer, elektronischer und östlich beeinflusster Musik. Als Multiinstrumentalistin und Ensembleleiterin bringt sie Virtuosität und radikale Offenheit in die Performance ein.
Taso Pletner – Gesang, Flöte.
Bekannte Schauspielerin, Absolventin der Moskauer Kunsttheaterschule – einer der führenden Theaterschulen Russlands. Als ausdrucksstarke Darstellerin sowie Sängerin und Flötistin verbindet sie Theater und Musik auf der Bühne.
Eric Breitenbach – Schlagzeug, Samples.
Schlagzeuger des kanadischen Progressive-Noise-Rock-Duos New Age Doom. Er arbeitete unter anderem mit Lee Scratch Perry und Musikern von David Bowie, Bad Brains und Death Grips zusammen. Sein Spiel vereint Virtuosität, Präzision und Kraft.
Alexander Cheparukhin – Konzept, Kreativproduzent.
Internationaler Produzent mit jahrzehntelanger Erfahrung in der globalen Musik- und Theaterszene. Er entwickelte das Konzept und ist die treibende Kraft hinter Riot Days: einer Mischung aus Konzert, Theater und politischem Statement.
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“a powerful and exhilarating experience… poetic, razor-sharp and disarmingly witty” — The Guardian
“a swaggering, throbbing gig… a ragged mix of performance art, poetry and bone-crunching sound” — The Times
“a new primal revolutionary electronic punk opera” — The Sydney Morning Herald
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Als Mitglied von Pussy Riot gilt Marija Aljochina dem Kreml als Staatsfeindin. Verkleidet als Kurierfahrerin flüchtete sie zu Kriegsbeginn aus Russland, um in Europa mit ihrer Punkband gegen Putin zu kämpfen und um Solidarität mit der Ukraine weltweit zu zelebrieren. (die Gage geht an ein Krankenhaus in Kiew).
Russland überfällt die Ukraine. Die russische Gesellschaft wird zunehmend gleichgeschaltet, Protest gewaltsam niedergeschlagen. Weltweite Bekanntheit erlangte Pussy Riot mit ihrem „Punk-Gebet“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. „Gottesmutter, gesegnete Jungfrau, vertreibe Putin!" Darauf folgte ein international stark kritisierter Gerichtsprozess, an dessen Ende drei der beteiligten Frauen, darunter Marija Aljochina, zu jeweils zwei Jahren im Arbeitslager verurteilt wurden. Das Leben in einem russischen Lager und der Kampf gegen Repression werden verarbeitet, ein Crossover aus Konzert, Kundgebung & Theater, Sprechgesang & Live-Musik erzählen eine Geschichte von Widerstand, Repression & Revolution. Kunst, die auf politischen Aktivismus trifft - fesselnd, inspirierend & lebensfroher Beleg für ein anderes Russland!
PremierenKritik aus der Elb-Philharmonie
Es ist eine kleine, vielsagende Panne im Ablauf des Konzerts: Marija Aljochina hat sich auf der Bühne eine Zigarette angezündet, nach rund einer Stunde zorniger Klanglawinen. Auf einer Leinwand im Hintergrund laufen körnige Videos, die zeigen, wie sie und ihre Mitstreiterinnen von Pussy Riot damals, vor zehn Jahren, ihren Auftritt in der Christ-Erlöser-Kathedrale Moskaus hinlegten.
Da steht sie, die junge Frau im hellen Kleid, die für ihren Auftritt zwei Jahre Lagerhaft bekommen hat - auf turmhohen Sneakern, statt Schnürsenkel schmücken sie weiße Bänder - und zieht, Sonnenbrille im Gesicht, an ihrer Kippe. Bis ein Techniker der Elbphilharmonie von der Seite kommt und sie höflich bittet, die Kippe abzugeben: Nein, geraucht werden darf hier nicht.
Der Kontrast könnte kaum größer sein zwischen der bürgerlichen Akkuratesse der Elphi - natürlich unter normalen Bedingungen völlig verständlich - und dieser zornigen Re-Inszenierung eines ganzen Jahrzehnts im Widerstand gegen Putin und sein Regime. Mut versus Kleinmut? Die kleine Geste besagt vielmehr, dass an diesem Abend zwei Welten zusammenprallen.
Ohne einen Hauch Selbstbeweihräucherung wird hier auf Basis von Marija Aljochinas Geschichte schreiend durchdekliniert, wie schwer Widerstand in Putins Russland ist. Wie viel Mut es braucht, wie viel Charisma. Und dass das Geld für diesen Polizeiapparat eben zu großen Teilen aus dem Westen kommt. Gas wärmt die Menschen hier, tötet aber die Menschen dort. Zynisch, aber wahr.
Pussy Riot widmet den Abend der Ukraine
Der energiegeladene Auftritt von Pussy Riot erzählt aber auch, was der Westen, ganz vorne dabei Deutschland, lange nicht wahrhaben wollte: dass der Krieg nicht erst am 24. Februar 2022 begann, übrigens fast exakt zehn Jahre nach dem legendären Pussy Riot-Auftritt. Nein, der Krieg hat schon 2014 begonnen, mit der Besetzung der Krim. Und der Westen hat sich von den Kassandra-Rufen der mutigen Aktivistinnen nicht aus seiner Bequemlichkeit aufschrecken lassen.
Diesen Abend widmen Pussy Riot der Ukraine, dem Werben um ein sofortiges Gas- und Öl-Embargo, die Konzerterlöse fließen an ein Kinderkrankenhaus in Kiew. In einem aktuellen Antikriegs-Song klingt "Butscha" wie ein einziger gequälter Laut. Das bewegt, trifft ins Mark.
Und die weltbekannte Gruppe hat zwei Musikerinnen aus der Ukraine eingeladen, ihre Geschichte zu erzählen.
Sie singen kraftvoll die ukrainische Hymne. Lauter starke Momente. Es ist wie eine sprichwörtliche kalte Dusche, wenn die Aktivistinnen kaltes Wasser aus Flaschen ins Publikum schütten. "Werdet endlich wach", scheinen sie sagen zu wollen. Die große Frage steht im Raum - tun wir genug? Die Antwort der Gruppe: Nein!
Um eine Kippe auszudrücken, braucht es einen Aschenbecher, um dieses Feuer in der Ukraine zu löschen: deutlich mehr.