treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

JENSEITS VOM CHRISTKINDLMARKT // DER neue TREIBHAUS-PASS // & MORE.

Den Treibhaus-Konzert-Paß (gilt bis 30.6.'20) oder Eintrittskarten als erlesene Genschenks-Papiere: das Winter & Frühjahr bereits im Vorverkauf. Von Rebekka Bakken bis John Scofield bis Lola Marsh, von Mascheks Jahresrückblick bis Manuel Rubey. Den Paß gibts endlich online - mit dem Link d(r)oben im Menu!

WOLFGANG MUTHSPIEL

«Ich komme aus einem kleinen Dorf namens Judenburg. Eines Tages zogen wir nach Graz. Es war grösser als Judenburg und schon deshalb eine Offenbarung. Doch aus Wiener Perspektive war auch Graz provinziell. Ich zog nach Boston, von wo aus wiederum New York wie ein ferner Planet wirkte. Als ich schliesslich dort ankam, spielte ich an einem Ort, den alle nur ‹The Village› nannten. So schliessen sich die Kreise wieder.» («The Village» ist der legendäre Klub «Village Gate».)
Richtlinien verletzen, Ruhe bewahren:  tiefe Integrität, Intelligenz und kühner Musikalität. Österreichs Weltklasse-Gitarrist
Nach menschlichem Ermessen müsste Wolfgang Muthspiel ein Weltstar sein. Dass ihm dieses Schicksal erspart geblieben ist, hat vor allem zwei Gründe: Muthspiel legt keinen Wert darauf. Und selbst wenn er sich verbissen darum bemühte, bliebe es wahrscheinlich folgenlos, denn die musikalische Lieblichkeit, die erforderlich ist, um es im Jazz von heute zu massiver Breitenwirksamkeit zu bringen geht Muthspiel vollkommen ab. Deshalb ist er „nur" ein Weltmeister.
Der 1965 in Judenburg geborene Gitarrist hat in den vergangenen zehn Jahren neben schlafwandlerischer Musikalität und virtuoser Technik eine schwindelerregende stilistische Bandbreite demonstriert - von akademischen Exerzitien bis hin zu lustvollen Experimenten im Elektronik- und Club-Genre bis hin zu Sing&Songwriting.

Ich komme aus einem kleinen Dorf namens Judenburg....

Wolfgang Muthspiel, international gefeierter und anerkannter Gitarrist, sorgt als Künstler mit tiefer Integrität, Intelligenz und kühner Musikalität für weltweite Aufmerksamkeit. Sowohl stilles Charisma und Eleganz als auch atemberaubende Technik und risikofreudige Musikalität zeichnen Konzerte von Muthspiel aus. Seine ganz eigene musikalische Sprache vermittelt Offenheit in grenzüberschreitenden, kompositorischen Strukturen.
"Ich komme aus einem kleinen Dorf namens Judenburg. Eines Tages zogen wir nach Graz. Es war größer als Judenburg und schon deshalb eine Offenbarung. Doch aus Wiener Perspektive war auch Graz provinziell. Ich zog nach Boston, von wo aus wiederum New York wie ein ferner Planet wirkte. Als ich schließlich dort ankam, spielte ich an einem Ort, den alle nur 'The Village' nannten. So schließen sich die Kreise wieder."  
Der 1965 geborene Gitarrist Wolfgang Muthspiel lebt in Wien. Im Alter von sechs Jahren lernt Wolfgang, angeregt durch den Mozart-begeisterten Vater, Geige zu spielen. Mit 14 hat er das Gefühl, etwas finden zu müssen, das von ihm kommt. Er bringt sich selbst Gitarre spielen bei und beginnt zusammen mit seinem drei Jahre älteren Bruder Christian "etwas Sinnvolles zu machen". Obwohl sich ihre Wege langfristig trennen, spiegelt sich die musikalische Nähe zu seinem Bruder bis heute in verschiedensten Kollaborationen wieder.

Er besucht die Begabtenklasse der Grazer Musikhochschule und gewinnt den österreichischen 'Jugend musiziert' - Preis. Das Interesse für improvisierte Musik führt schließlich zum Jazz und seinen bis heute gültigen Heroen Keith Jarrett, Jan Garbarek, Pat Metheny, Dave Holland und Jack de Johnette. "Der Haupteinfluss war eindeutig Metheny. Sein Timing, im Solo schlüssig zu sein und dauernd Melodien zu erfinden ... Pat war für mich ein großartiger Held."

1986 siedelt er nach Berklee, um sich von Mick Goodrick per Stipendium in die Geheimnisse komplexer harmonischer Zusammenhänge einführen zu lassen. Ab 1988 tourt er für zwei Jahre mit der Gary Burton Band und erspielt sich in der Szene einen hervorragenden Ruf. Mitte der 90er landet er schließlich in der Jazzkapitale New York, in der er bis 2002 lebt und arbeitet.
Sie bietet ihm einen guten Standort, um sich um verschiedenste Projekte zu kümmern. Zusammen mit Rebekka Bakken arbeitet er an einfühlsamen Ausflügen in die Welt der Popmusik, während er mit seinem Bruder das Elektronik-Projekt Muthspiel/Muthspiel verfolgt. Als solider und erfindungsreicher Sideman fungiert er für Trilok Gurtu, Dhafer Youssef, Maria Joao, Dave Liebman, Peter Erskine, Paul Motion, Bob Berg, Gary Peacock, Don Alias, Larry Grenadier, John Patitucci, Dieter Ilg, das Vienna Art Orchestra und ungezählte Andere.
Nach 16 Jahren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zieht es ihn 2002 wieder in seine Heimat. Er schlägt seine Zelte in Wien auf und ist auch in Europa als virtuoser und kreativer Co-Leader und Sideman gefragt. 2000 gründet er das Label 'Material Records', das neben seinen eigenen Einspielungen auch die Alben junger, außergewöhnlich kreativer Künstler veröffentlicht. Darunter "Alma", mit dem Martin Reiter 2007 auf sich aufmerksam macht.
All diese Aktivitäten bleiben von den verschiedenen Award-Gremien nicht unbemerkt. Neben zahlreichen 'kleineren' Auszeichnungen erhält Wolfgang Muthspiel 1997 den Hans Koller Preis für den Musiker des Jahres und wird 2003 zum europäischen Jazzmusiker des Jahres gekürt. Das 'Musicians Magazine' wählte ihn zudem unter die 'Top Ten Jazzguitarists Of The World'.
Ob all diese Auszeichnungen ihre Berechtigung haben, kann man auf Muthspiels zahlreichen Veröffentlichungen nachprüfen. Als vielseitiger und experimentierfreudiger Musiker, lotet er ausgiebig und gerne die Möglichkeiten improvisierter Musik aus.  



Will man das musikalische Schaffen des international gefeierten und anerkannten österreichischen Jazzgitarristen Wolfgang Muthspiel sowie dessen Spiel in wenigen Worten zusammenfassen, wären diese wohl „vielseitig“, „innovativ“ und „virtuos“. Nähert man sich seinem Schaffen, wird eines schnell deutlich, hier ist ein Musiker am Werken, für den der Begriff „Berührungsangst“ ein Fremdwort darstellt. Musikalische Grenzen sind für ihn einfach da, um überschritten zu werden. Egal in welcher Formation oder Kontext  auch agierend, mit seinem unverwechselbaren, stilistisch extrem vielschichtigen Spiel erschafft der 1965 im steirischen Judenburg geborene und bereits mehrfach ausgezeichnete Instrumentalist eine höchst individuelle Klangsprache, in der technische Brillianz und Komplexität auf ganz wunderbare Art und Weise mit einer ungemeinen musikalischen Eleganz in Einklang gebracht werden.
 Ein Festhalten an traditionellen Jazzstandards ist nicht wirklich das Ding von Wolfgang Muthspiel. Musik begreift der inzwischen mehrfach ausgezeichnete Gitarrist und Komponist (unter anderem erhielt er 1997 den Hans Koller Preis für den Musiker des Jahres und wurde 2003 zum Europäischen Jazzmusiker des Jahres gewählt) nicht als ein in voneinander unabhängige Segmente unterteiltes System, sondern als ein weites Feld, das es künstlerisch zu bearbeiten gilt. Es sind vor allem die ausgeprägte Offenheit gegenüber dem Neuen, der Hang zum Experiment sowie eine enorme Vielschichtigkeit, welche die oftmals genreübergreifenden Arbeiten des Gitarristen so sehr auszeichnen. Betrachtet man die vielen verschiedenen Projekte des Judenburgers, eröffnet sich ein enorm weites Feld an Stilen und Spielformen. Die Kunst, mit einer solch atemberaubenden Leichtigkeit durch die unterschiedlichsten musikalischen Welten zu wandeln, beherrschen nur wenige so meisterlich, wie es der österreichische Gitarrist tut.
 Welche musikalische Breite Wolfgang Muthspiel, der seit 2005 als Gastprofessor an der Universität in Basel unterreichtet, tatsächlich in der Lage ist, an den Tag zu legen, beweisen seine durch die Bank hoch interessanten Projekte, wie etwa das Duo „Friendly Travelers“ mit dem amerikanischen Schlagzeuger Brian Blade, das Wolfgang Muthspiel Quartett mit dem Schweizer Pianisten Jean-Paul Brodbeck, das Gitarrentrio MGT mit dem Australier Slava Grioryan und dem Amerikaner Ralph Towner, „drumfree“ mit den beiden Amerikanern Larry Grenadier und Chris Cheek, sowie seine sich ständig weiterentwickelnde Solo-Performance mit verschiedenen Gitarren und Loops.
Das Gefühl und das Verständnis für Musik bekommt Wolfgang Muthspiel als Sohn eines Chorleiters quasi in die Wiege gelegt. Mit sechs Jahren beginnt er Violine zu lernen, mit 15 Jahren Gitarre. Die Begeisterung für das freie Spiel, welche ihn in seinem Schaffen bis heute prägt, ist früh entfacht und führt ihn auch an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz, wo er klassische Gitarre wie auch Jazzgitarre studiert. 1986 zieht es den gebürtigen Steirer in die USA nach Bosten, um dort am New England Conservatory bei Mick Goodrick und David Leisner sein Spiel weiter zu verfeinern. Nach dem Abschluss führt ihn der Weg weiter an das international renommierte  Berklee College of Music, wo er sein Studium 1989 mit „Magna Cum Laude“ abschließt. Dort trifft er auch auf den amerikanischen Jazz-Vibraphonisten Gary Burton, der, begeistert vom außergewöhnlichen Können des Steirers, ihn sogleich auch überredet, als Gitarrist in seinem Quintett einzusteigen.
Von 1995 bis 2002 folgt die aus künstlerischer Sicht ungemein befruchtende und arbeitsintensive Zeit in New York. In den insgesamt sieben Jahren, die er in der amerikanischen Metropole verbringt, arbeitet der Gitarrist in den unterschiedlichen Projekten mit zahlreichen international renommierten KünstlerInnen wie etwa Trilok Gurtu, Dhafer Youssef, Youssou N`Dour, Maria Joao, Dave Liebman, Peter Erskine, Paul Motian, Marc Johnson, Bob Berg, Gary Peacock, Don Alias, Larry Grenadier, John Patitucci, Dieter Ilg und vielen anderen zusammen. In New York macht er auch Bekanntschaft mit der talentierten norwegischen Sängerin Rebekka Bakken, mit der er 2000 gemeinsam das Album „Daily Mirror“ aufnimmt. Die Veröffentlichung dieses mündet gleichzeitig auch in der Gründung seines eigenen Labels „Material Records“, das heute neben seinen eigenen Projekten auch Arbeiten anderer KünstlerInnen des Jazz- und Klassikgenres veröffentlicht.
Aber nicht nur als Musiker tut sich der 2002 nach Österreich zurückgekehrte Wolfgang Muthspiel hervor. Sein kompositorisches Können und seine Liebe zur zeitgenössischen Musik stellt er unter anderem für das Ensemble für Neue Musik/Zürich, das Klangforum Wien, das Bostoner Ensemble Marimolin und das österreichische Kunst- und Kulturministerium unter Beweis.
Es sind einfach die Vielzahl an Talenten, welche Wolfgang Muthspiel zu einen der bedeutendsten Musiker des Landes haben werden lassen. Egal ob nun als Solokünstler,  als Mitglied in einer Formation oder als Komponist, der gebürtige Steirer präsentiert sich als ein Künstler, der seiner Zeit oftmals einen Schritt voraus ist. Mit der Fähigkeit, sich in seiner Musik immer wieder neu zu erfinden, darf angenommen werden, dass man von dem Steirer auch in Zukunft viele spannende Sachen zu hören bekommen wird. (mt)

MUTHSPIEL - BALLARD - GRENADIER



BRIAN BLADE l WOLFGANG MUTHSPIEL

Das Aufeinandertreffen der beiden Ausnahmemusiker Brian Blade und Wolfgang Muthspiel ist ein besonderes Ereignis. Hört man die improvisatorischen Dialoge des Duos, liegt der Gedanke an eine ideale musikalische Partnerschaft nahe.
Es gibt Musiker, deren Klänge eine spezifische Atmosphäre erzeugen, in der die Musik unaufhörlich wachsen kann. Zu ihnen gehört der Schlagzeuger Brian Blade, ein junger Meister, der das Geschehen mit immer neuen Impulsen versorgt und weiterträgt. Das feine Gewebe seines Spieles ist strukturell hochkomplex, nahezu frei von Patterns (Mustern), und erscheint doch immer zur selben Zeit leichtfüßig, körperhaft und lebendig.
Der österreichische Gitarrist und Komponist Wolfgang Muthspiel wurde 2003 von einer internationalen Jury zum „European Jazzmusician of the Year“ gewählt. Mit jedem neuen Projekt erschließt er sich neue künstlerische Räume. Seine Virtuosität und musikalische Sensibilität verleihen seinem Spiel eine eigene Sprache, die eine Vielzahl von musikalischen Einflüssen bündelt.
Wolfgang Muthspiel und Brian Blade sind eine ideale Konstellation. Sie haben auf „friendly traveller“ eine neue Musik kreiert. Das Duo schafft mit Hilfe von live-sampling eine orchestrale Dichte ohne die Intimität und schnelle Reaktionszeit der Duobesetzung zu gefährden.
Brian Blade und Wolfgang Muthspiel haben in verschiedenen Zusammenhängen zusammen musiziert, bevor sie sich für die Kleinstbesetzung des Duos entschieden. Sie hatten im Trio Muthspiel-Johnson-Blade gespielt, mit dem sie 2 Cds aufnahmen und zahlreiche Konzerttourneen absolvierten, begleiteten den amerikanischen Pianisten Mike Holober auf 2 CDs zusammen mit John Patitucci und Tim Ries, und spielten unter anderem auf Rebekka Bakkens erster CD „Daily Mirror“. Das Duo wurde beim Festival JazzBaltica 2006 aus der Taufe gehoben.
Brian Blade spielt im Duo neben Schlagzeug auch Gitarre, beide Musiker komponieren für das Ensemble. Die 2 Pole in denen sich die Musik abspielt sind erstens der Songcharakter (informiert von Joni Mitchel, Bob Dylan, „Lagerfeuergitarre“ ) und 2. Ein rhythmisch straffes und wendiges Spiel mit dem Beat. (informiert vom jazz)

Die Frankfurter Allgemeine schrieb über den ersten Auftritt von Blade/Muthspiel: „...Das gilt noch mehr für das wundervolle Duo Wolfgang Muthspiel/Brian Blade. Der Amerikaner, mit einiger Berechtigung als "Schlagzeuger der Zukunft" bezeichnet, kreiselte mit dem österreichischen Gitarristen zueinander, auseinander, in einem Beziehungsgeflecht voller Eigensinn und unvermuteter Übereinkünfte - Blade als der perkussiv singende Sensibilist mit seinen typischen Miniexplosionen und dieser merkwürdigen Fragmentierung des Swing, ohne ihn aufzulösen; und Muthspiel mit einem unendlichen abendländischen Erfahrungshorizont zwischen Atonalität und liedhafter Zärtlichkeit.

VIENNA NAKED

Dass ers kann, wissen wir seit seinen Duo-CD's mit Rebekka Bakken. Sukzessive hat sich Wolfgang Muthspiel in den letzten Jahren der Songform genähert. Als Komponist, Gitarrist und Sidemann - nicht mehr für Rebekka Bakken sondern für sich selbst macht er nun in extravaganter Besetzung ein weiteres musikalisches Coming-out. Im Rahmen seiner neuen CD "Vienna Naked" macht er den entscheidenden Schritt vom Schöpfer gitarristischer "Lieder ohne Worte" zum Singer/Songwriter, der seine Gedanken mit eigener Stimme der Welt anvertraut.
Wer Wolfgang Muthspiel bisher ausschließlich als vielseitigen Saitenkünstler im Jazzkontext kannte, lernt mit "Vienna naked" eine neue Passion des Österreichers kennen: Er singt nämlich - und wie! Stimmlich wie kompositorisch scheint Muthspiel bei Billy Joel und Sting in die Lehre gegangen zu sein, seine Texte hat er sich idiomatisch einwandfrei mithilfe des englischen Reimbaukastens geschnitzt. Doch Muthspiel hat durchaus Geschichten zu erzählen, seine Texte transportieren Gefühle, Stimmungen, Witz, Trauer und Lakonie, sie liefern private Seelenbeschau wie Liebeserklärungen an Wien. Auch wenn Wolfgang Muthspiel seinen Ausflug ins Songwriting nur als Episode betrachten mag: Er wird nach diesem starken Album wohl nachlegen müssen.
kulturNews.
Wolfgang Muthspiel ist weltbekannter Jazzgitarrist, aber er ist auch in anderen Genres anzutreffen. So komponiert er etwa auch für zeitgenössische Musikensembles wie das Klangforum Wien. Und mit seiner jüngsten CD geht Wolfgang Muthspiel wieder neue Wege: Mit "Vienna Naked" ist er erstmals als Sänger mit eigenen Songs zu hören.
Vienna Naked ist ein Liedzyklus, den sich Wolfgang Muthspiel für seine Stimme und seine Gitarren auf den Leib geschrieben und gedichtet hat. Alle Texte sind englischsprachig. Der Name des Projektes bezieht sich auf den Titelsong „Vienna“. „Naked“ bezeichnet einerseits den erstmaligen Akt des Singens, die Direktheit der Texte, sowie die transparente, pure Klanglichkeit der Aufnahme. Damit betritt Muthspiel, der sich als improvisierender Solist in der internationalen Jazzwelt etabliert hat, ein neues Spielfeld.
Die poetischen Texte seiner Lieder werden live durch virtuose und druckvolle Ensembleparts umrahmt und mit der auf diesem Album erstmals aufgenommenen starken Stimme Muthspiels zum Leuchten gebracht. So entsteht ein sehr persönlicher Konzertabend von tiefer Eindringlichkeit.
Die Stücke erzeugen, jedes für sich, spezifische ausdrucksstarke Atmosphären, zuweilen rockig und ekstatisch, zuweilen poetisch und minimalistisch, Einflüsse aus Folk, Country und Rock strahlen durch das Prisma der musikalischen Sprache Wolfgang Muthspiels.
Das Album „Vienna Naked“ erscheint im Juni 2012 auf material records und ist der erste Teil eines grösseren Projektes, dessen zweiter Schritt die Dokumentation einer musikalische Weltreise sein wird, in deren Verlauf er mit Gästen aus den verschiedensten Weltgegenden musiziert.

Wolfgang Muthspiel, den man vor allem als Gitarrist, aber auch als Geiger kennt, hat schon sehr mit verschiedensten Künstlern an unterschiedlichen Projekten gearbeitet: mit Gary Burton, der ihn gleich nach seinem brillanten Abschluss des renommierten Berklee College of Music den Gitarrenpart in seinem Quintett als Nachfolger von Pat Metheny angeboten hat, in New York arbeitete er mit Rebekka Bakken, Youssou N'Dour, Gary Peacock und seinem Lehrer Mike Goodrick zusammen, er komponiert für das Zürcher Ensemble für Neue Musik und das Klangforum Wien, und jetzt ein Song-Album.
Seit eineinhalb Jahren arbeitet Wolfgang Muthspiel intensiv mit einer Gesangslehrerein zusammen, um seine Stimme auszubilden, obwohl er immer schon in kleinem Kreis gesungen hat, schon im musikalischen Elternhaus - sein Vater war Komponist und Chorerzieher. Und auch sein Bruder Christian ist ja ein renommierter Musiker und Komponist.

A NATURAL VIRTUOSO:  PAU GRIFFITHS ÜBER WOLFGANG MUTHSPIEL / NEW YORK TIMES.  

"A natural virtuoso. On the electric guitar he can produce sounds as light and nimble as a harp's; on the violin he is alert and steely. Partly composed and partly improvised, his pieces included homages to Stravinsky, his jazz colleague Paul Motian and the Beatles."
Paul Griffiths, The New York Times,
Der gebürtige Grazer gehört zu den wenigen Österreichern, die den Sprung in die große, weite Jazzwelt geschafft haben  Der typische Kontrast zwischen stillem Charisma und perfekter Technik macht Muthspiel-Auftritte zu besonderen Erlebnissen - in Österreich ebenso wie in seiner zweiten Heimat, den USA, wohin er 1986 auswanderte.
Wolfgang Muthspiel spielt buchstäblich ausgezeichnet: Das "Musician Magazine" wählte ihn in die Top-Ten der Gitarristen, bereits  1997 wurde er in Österreich Jazzmusiker des Jahres. Die Liste seiner Festivalauftritte ist lang und beeindruckend: Boston Globe Festival, Montreux, Tanglewood, Spoleto, Jazzgipfel Stuttgart, Jazzfest Wien, Wien Modern, Arhus Festival u. a.

Für mich ist diese Einspielung eine der größten Überraschungen des Jahres: Dass "der Wolferl" ein Ausnahmegitarrist (nicht nur in Österreich) ist, konnte man schon lange wissen - dass er auch über eine angenehm helle, manchmal an James Taylor (nur ohne das Nasale) erinnernde Singstimme verfügt und auch wirklich singen "kann", war mir jedenfalls neu. So fügt sich auf dieser hervorragenden Produktion eines zum anderen: Kurzweilig komponierte Stücke im US-amerikanischen Songwriter-Idiom, von Muthspiel selbst geschrieben und getragen von seinem umwerfend punktgenauen, stets den "richtigen" (also gern auch überraschenden) Ton an der richtigen Stelle setzenden Gitarrenspiel, "beflügelt" von seinem (mir jedenfalls) wirklich zu Herzen gehenden Gesang. Muthspiels vielleicht bisher persönlichste Produktion - und eine seiner besten.

DRUMFREE 

Wolfgang Muthspiel - Gitarren
Larry Grenadier - Bass
Chris Cheek - Sax

Das neueste Kapitel von Wolfgang Muthspiel’s musikalischer Reise ist ein Trio ohne Schlagzeug. Das eröffnet ein neues Spielfeld für seine kontinuierliche Erforschung harmonischer und kompositorischer Möglichkeiten, nicht nur auf seinem Instrument, der Gitarre, sondern auch in einem zeitgemäßen Ensemble, deren Mitglieder, hoch entwickelte und hellwache Improvisatoren, eine deutliche Spur im Jazz der letzten zehn Jahre hinterlassen haben.

Auf der Basis von Muthspiels Kompositionen entsteht eine teilweise improvisierte, songorientierte Art von Kammermusik, die rhythmisch tief im Jazz geerdet
ist, und in harmonisch/melodischer Hinsicht weit und frei erscheint. Jede Note zählt und jede Pause hat Bedeutung.

Die Wege der drei Musiker des DRUMFREE TRIOs haben sich in der Vergangenheit schon oft gekreuzt:
Sowohl Grenadier als auch Cheek wirkten in früheren Ensembles von Muthspiel mit, der mit Grenadier zum ersten Mal in der Band Gary Burtons in den frühen Neunzigerjahren spielte. Mit Cheek verbindet ihn, neben einem gemeinsamen Studium in Boston, auch das Zusammenspiel in Paul Motian’s Electric Bebop Band.

Viele Jahre nach diesen Begegnungen formt sich jetzt ein wunderbares Trio dreier starker Individualisten neu.



***************


Wenn das Anliegen der Kunst immer die Wahrheit wäre und vorausgesetzt, die Sprache hätte Recht, wenn sie sagt, etwas sei «zu schön, um wahr zu sein» – vor dieser CD müsste dringend gewarnt werden. Der Österreicher Wolfgang Muthspiel, 41, wie auch Verächter von Propheten im eigenen Land zugeben, ein Gitarrist von Weltformat, hatte schon immer eine Vorliebe für Schönheiten, welche die zünftige Ästhetik den «Dienstmädchen» überlassen wollte. Das ist nicht nur politisch unkorrekt. Weil sie selbst die Grenze nie recht zu ziehen wusste zwischen Kitsch und Kunst, erklärte sie «Sentimentalitäten» für des Teufels und Gefühle überhaupt zur Sache des (aus Hauspersonal
zusammengesetzten) Publikums. («Gefühle sind fürs Publikum», spottete Strawinsky – um freilich bedenkenlos auf ihnen zu spielen.) So was muss Muthspiel meinen, wenn er sagt: «Der Stress mit der Musik hat für mich aufgehört. Ich mach nur noch das, was mir gefällt, und damit fertig.»

Muthspiels jüngste CD, die erste eines Trios, mit dem er seit bald zwei Jahren arbeitet (neben ihm die Innsbrucker Zwillingsbrüder Matthias und Andreas Pichler an Bass und Schlagzeug), ist von einer skandalösen Schönheit. Um mit Peter von Matt zu sprechen, der von der Schönheit des Gedichts sagt, sie sei sein Skandal, seine Peinlichkeit, «der Dorn im Auge des regierenden Kunstbegriffs», und: «Die heute geltende Bedeutung des Schlüsselwortes ‹schön› als Kategorie der Kunst ist – weit über die Lyrik hinaus – emotional gestört und ins Schiefe verzerrt durch die Normen einer kollektiv verordneten ästhetischen Moral.» Schlichter gesagt: Alle Schönheit steht vor dieser Moral erst einmal unter Kitschverdacht, so wie jedes Gefühl unter Sentimentalitätsverdacht steht. Was die, welche solchen Rigorismus verkünden, nicht hindert, angesichts rührender Wendungen einer TV-Soap in Tränen auszubrechen. Insgeheim. Welcher Kunstpapst steht schon zum Dienstmädchen in sich selbst. Genug. Über das Verhältnis des Jazz zum Trivialen wäre, wir können es nicht genug wiederholen, längst ein Buch fällig.

Wolfgang Muthspiel, nicht zu verwechseln mit seinem Bruder Christian, dem Posaunisten (die beiden spielen oft zusammen, auch bei Projekten für Wolfgangs eigenes Label Material), hat ein unverkrampftes Verhältnis zum Küchenpersonal. Er meint ferner, dass in diesen globalen Zeiten nichts so provinziell sei wie die Angst vor dem Provinzialismus. «Ich komme aus einem kleinen Dorf namens Judenburg. Eines Tages zogen wir nach Graz. Es war grösser als Judenburg und schon deshalb eine Offenbarung. Doch aus Wiener Perspektive war auch Graz provinziell. Ich zog nach Boston, von wo aus wiederum New York wie ein ferner Planet wirkte. Als ich schliesslich dort ankam, spielte ich an einem Ort, den alle nur ‹The Village› nannten. So schliessen sich die Kreise wieder.» («The Village» ist der legendäre Klub «Village Gate».)

Muthspiel arbeitete, abgesehen von seinem Bruder, mit Gary Burton, Maria João, Peter Erskine, Paul Motian, Gary Peacock, dem Vienna Art Orchestra und vielen anderen, ohne dass er die Zusammenarbeit mit den Tiroler Brüdern als Rückwärtssalto ins Provinzielle, als eine Art innerösterreichische Entwicklungshilfe verstünde. Er hätte auch keinen Grund dazu. Mit Gelassenheit haben die drei einen Trio-Sound entwickelt, der in Dichte und Integrationsgrad stu- pend ist. Auf ihrem Opus eins spielen sie gerade mal eine halbwegs bekannte Komposition («East Coasting» von Charles Mingus), aber die Originale von Muthspiel klingen, als wären sie längst Standards. Will sagen: Diese Musik hat eine hohe gesangliche Qualität, es sind Songs, die nur darauf warten, dass jemand Texte dazu schreibt. Was hier bescheiden als «Etude No 2» auftritt, hat den Sog eines Hits von, sagen wir: Michel Legrand, nicht anders als das Stück «Shanghai». «Mehldau», eine Reverenz vor dem Piano-Lyriker gleichen Namens, erinnert von fern an den Pat Metheny der «80/81»-Tage.

Tatsächlich ist Metheny der Magnetberg, nach dem sich Muthspiels Kompass richtet. Wie der schreibt er Melodien, die das Potenzial zu Popsongs haben und sich der Masse dennoch nicht an die Brust schmeissen. Muthspiel ist virtuos, ohne geschwätzig, nachdrücklich, ohne pathetisch, zugänglich, ohne banal zu sein – eine Balancierkunst von beträchtlicher Subtilität. Auch aus Strawinsky macht er noch was fürs Publikum: «More Igor». Allerdings nur aus zwei einzelnen geklauten Akkorden.

BAYERN 4 KLASSIK

von Roland Spiegel

Mit Muskeln protzen kann jeder, der einigermaßen ansehnliche hat; sie sinnvoll zu benutzen, ist die höhere Kunst. Diese Feststellung hat durchaus mit Musik zu tun - und speziell mit der auf der neuen CD des Gitarristen Wolfgang Muthspiel. Muthspiel, Jahrgang 1965, gehört zu den derzeit besten Jazzgitarristen der Welt. Bereits in den 1990er-Jahren erspielte er sich in New York diesen Ruf, seit 2002 lebt der Österreicher wieder in Wien - und löst sein Renommee bisher jedes Jahr aufs Neue ein. 2003 etwa wurde er zum europäischen Jazzmusiker des Jahres gekürt. Er beherrscht die klassische Spielweise und Rock-Stilistik genau so eindrucksvoll wie die höhere Mathematik des Jazz - könnte also musikalisch die Muskeln spielen lassen wie nur ganz wenige. Doch die ganz große Qualität dieses Musikers besteht darin, dass er genau das nicht tut. Er verfügt beiläufig-gelassen über seine Virtuosität, zeigt sie nicht vor. Und wohl noch radikaler als bisher ist er in dieser Hinsicht auf seiner hervorragenden, am 17. Februar erscheinenden CD "Bright Side", auf der er sein neues Trio präsentiert.

Mit dem aus Tirol stammenden Zwillingsbrüder-Paar Andreas Pichler, Schlagzeug, und Matthias Pichler, Bass, spielt der Gitarrist jetzt seit über einem Jahr zusammen. Es ist eine Band, die Muthspiel als ständiges Ensemble gegründet hat: eines, das also über längere Zeiträume ein Repertoire erarbeitet. Und das so aufeinander eingestellt ist, dass jeder die feinsten Nuancen des anderen kennt. Genau das spürt man in den Stücken dieses Albums durchgehend. Die Pichler-Brüder sind optimale Partner für Muthspiel, absolut zuverlässige Techniker. Und damit entsteht eine Homogenität, eine Geschlossenheit des Klangs, die auch bei Spitzen-Jazzgruppen selten so ausgeprägt ist.

Nicht Konkurrenz, sondern Verschmelzungskunst findet hier statt. Und das klingt nicht nach braver, sondern nach äußerst vielgestaltiger, immer überraschender Dreieinigkeit. Da fliegen etwa die Töne in unglaublich elegantem Filigran über ein ungerades Metrum hinweg, lassen die Musiker in einem anderen Stück ein immer in neuen Lagen wiederkehrendes Motiv aus zwei Tönen enorm viele Farben annehmen - oder wecken mit einem chromatischen Bass-Thema Assoziationen an eine James-Bond-Filmmelodie, von der aus freilich schnell wieder ganz andere Klangwelten aufgesucht werden. Gitarre, Bass und Schlagzeug wirken auf weite Strecken sozusagen wie ein einziges Instrument - und ob bei scheinbar einfachen oder offen vertrackten Passagen, immer klingt das alles, als sei keine Kraftanstrengung vonnöten. Am radikalsten ist das Trio in einem Stück namens "Shanghai", das sich ganz langsam über ganz einfachen Harmonien entfaltet und nicht das kleinste virtuose Einsprengsel enthält. Doch so virtuos unvirtuos wie hier können nur wirkliche Meister spielen.

Einfach seinem inneren Ohr wolle Muthspiel folgen, schreibt er im Booklet, und weder ein Konzept noch eine Ambition sollten dem im Wege stehen. Vielleicht kann man es auch so formulieren: Wir zeigen nicht, wie toll wir sind, wir machen Musik. Natürlich ist es in diesem Fall vor allem die Musik des Bandleaders und nicht - was auch möglich wäre - diejenige dreier Persönlichkeiten, die jeder ihre eigene Welt auch mit jeweils eigenen Kompositionen mitbringen. Aber das enorm organische Ergebnis spricht für sich. Kein Muskel-Spiel. Aber ein Jazz-Spiel mit enormer Kraft.