treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

DAS TREIBHAUS:CAFE # OFFEN ALLTäGLICH # AB 16UHR BIS SPERRSTUND IST

in coronarrischen zeiten: das treibhaus ist offen. sprich-wort-wörtlich - als luftkurort. alltäglich ab 16:00 - bis zur sperrstund um 22UHR. // also zieh dich warm an // trotz alledem: keep distance / wash hands / stay human

WIGLAF DROSTE

brot und gürtelroesn

"Die andere Wange jesusmässig hinhalten ist Quatsch mit Sosse
In seine Feinde soll man Löcher machen, und zwar grosse."
Und das tut Wiglaf Droste dann auch - "aufrührerisch, amüsant, anstössig, komisch, entzaubernd, provozierend, apodiktisch, beleidigend, grantig oder bösartig das Widerwärtige widerwärtig nennend, und das in bestem Deutsch", wie Franz-Josef Degenhardt schrieb.

Für die Leser ist es allemal ein Fest, wenn Wiglaf Droste unhaltbaren Zuständen und ihrem nicht minder unhaltbaren Personal seine virtuos formulierte Notwehr entgegensetzt. Bei der Wahl seiner Themen ist er so frei wie in der Entscheidung für die jeweils adäquate Form: Zum Reimgedicht läßt er sich vom Berufskatholiken Ratzinger ebenso inspirieren wie vom Möbelhaus Ikea; feuilletonistische Existenzen werden per Analyse fröhlich expediert, Frösche wiederrum in Versen verherrlicht; dem gemütlichen Gulag in Banzkow nahe Schwerin wird eine zauberhafte Elegie hinterhergeschickt, und deutschnationale Backpfeifen erhalten angemessene Auskunft über sich selbst.

Wiglaf Droste, 1961 in Herford/Westfalen geboren, lebt als Schriftsteller und Gelegenheitssänger in Berlin. Seine Texte erscheinen u.a. in der taz und werden von Droste auf exzessiven und zunehmend musikgestützten Lesungen vorgetragen.


KONKRET
über wiglaf droste:
Zur Gewohnheit ist es einigen besonders laut und handfest agierenden Pro-tagonisten der nicht näher zu bestimmenden "autonomen Szene" geworden, den "Menschen" Wiglaf Droste als, wie`s beliebt, "Sexisten", "Rassisten" und "Täterschützer" zu bezeichnen und den Schriftsteller und Journalisten dann aber erst recht. Lachhaft sind solche Stigmata allemal, schwerblöd werden sie allerdings, wenn die Berufenen in Sachen Literaturkritik von links auch noch mit ungebremstem Eifer verkünden, die inkriminierten Texte seien "sexistisch" usf., also zu verhindern, selbstverständlich ohne daß sie jemals zur Kenntnis genommen worden wären.

"Wir lesen sowas nicht", legen sich die Kiezwadenbeißer ins Zeug, und sie tun gut daran, denn andernfalls müßten sie von ihrer vom Trillerpfeifenkaufen streng in Anspruch genommenen Freizeit ein paar Stunden abzweigen für die Muße. Aber die haben sie nicht, und so dürfte der Ärger später einmal, wenn die Geistheiler der deutschen Politik huldvoll Windeln auskochen, groß sein. Zum Lesen wird dann erst recht keine Zeit mehr bleiben.

Es ist schon anstrengend, so ein Autonomenleben im Dienst der schäbigen Welt - und sie, die ewigen Propheten ihrer eigenen Beschränktheit, die lärmenden Spießer mit der heroischen Haltung des Gesinnungswächters sind es, denen sich Droste in seinem vierten Kolumnenbuch hier und da einmal mehr widmet; wider Willen, denn auch die sanften Brüder und Schwestern der autonomen Kamarilla, die erwachsen gewordenen Wundertütenkinder aus der Alternativszene, plagen ihn selbst dort noch, wo der "Mensch" Droste nur ausgehen und essen will: "Der Dalai Lama hat gesagt: `Ein Stock hat zwei Enden.` Das fand ich sehr beeindruckend", unkt es vom Nebentisch, und Droste sei Dank dafür, diese Sentenz für die Nachwelt erhalten zu haben.

Freilich ist die inkommensurable A. Marquardt samt ihrer PDS-Vorstandsblase auch nicht besser, und ihre Lieblingsklientel, das männliche wie das weibliche Proletariat, lebt, linke Vereinsaktive hin, aktive Berufspolitiker her, als gelte es, die Welt durch eigenes Zutun noch unerträglicher zu gestalten, als sie sowieso schon ist: "Früh am Morgen, gegen halb sieben, erwacht das Proletariat. Es öffnet die Fenster und beginnt zu brüllen. So teilt es sich selbst wie auch der übrigen Welt, also zum Beispiel mir, mit, daß es noch da ist und daß es ihm heute ebenso geht wie gestern und wie alle Tage: nicht gut."

Droste, der Alltagschronist und politische Stilist, zeichnet in der kleinen Form auf, was großspuriges Gequatsche nicht annähernd zu benennen imstande ist. Könnte sein, "daß ... Menschen ..., die sogar politisch korrekt onanieren", daran keinen Gefallen finden. Könnte durchaus sein.



BIBLIOGRAFIE


Kommunikaze, 1989

Mein Kampf, dein Kampf, 1992

In 80 Phrasen um die Welt (zusammen mit Rattelschneck), 1992

Am Arsch die Räuber, 1993

Sieger sehen anders aus, 1999

Brot und Gürtelrosen, 1995

Der Barbier von Bebra (zusammen mit Gerhard Henschel), 1996

Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses, 1997

In welchem Pott schläft Gott? (mit Rattelschneck), 1998

Zen-Buddhismus & Zellulitis, 1999

Bombardiert Belgien, 1999

Der Mullah von Bullerbü (zusammen mit Gerhard Henschel), 2000

Die Rolle der Frau, 2001

Der infrarote Korsar, 2003

Wir sägen uns die Beine ab und sehen aus wie Gregor Gysi (Ed. Tiamat 2004)



DISCOGRAFIE


Grönemeyer kann nicht tanzen, 1989

Supi! Supi! Supi!, 1993

Die schweren Jahre ab 33, 1995

Wieso heissen plötzlich alle Oliver?, 1996

Mariscos y Maricones, 1999

Für immer (mit dem Spardosen-Terzett) 2000

Das Paradies ist keine evangelische Autobahnkirche 2001

Wolken ziehn (mit dem Spardosen-Terzett) August 2002

Ich schulde einem Lokführer eine Geburt, 2003

Das Konzert (mit dem Spardosenterzett) 2004

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»Wiglaf Droste kehrt mit Vehemenz vor der eigenen Haustür. Besonders in Mitleidenschaft gezogen werden dabei diejenigen unter den engagierten Zeitgenossen, die ihren Sauertopf auch noch bis zum Rand mit Kitsch gefüllt haben.«
DeutschlandRadio

»Daß eines Tages Menschen nicht nur so aussehen, reden, schreiben und sich benehmen wie geklont, sondern es auch tatsächlich sein könnten, ist eine schaurige Aussicht. Einer der wenigen, die nie in solchen Verdacht geraten können, ist Wiglaf Droste.«
Hannoversche Allgemeine Zeitung


»...wer so über Van Morrison schreibt, hat den Blues und ist poetisch infiziert.«
DIE ZEIT











Leseprobe   













Die rauchende Frau
Eine Liebeserklärung


Frauen, die rauchen, sind klasse. Wenn man sie anruft, sagen sie Sachen wie »Nein, ich kann jetzt nicht, ich muß gerade meine Haare entbeinen«, und dann hört man sie einen tiefen Zug aus der Lulle nehmen. Man sieht sie vor sich, wie sie da in ihrer Küche sitzen, inmitten einer gigantischen Unordnung, und den ganzen Tag tun sie sinnlose Dinge, zu denen Männer oder nichtrauchende Frauen niemals fähig wären.
Rauchende Frauen versetzen Männer in intellektuelle Raserei und stacheln sie, einfach so, nur durch ein bißchen Paffen, zu Höchstem an. Das Höchste aber ist dies: Ein ansonsten recht zurechnungsfähiger Mann verfällt angesichts einer schmökenden Frau schlagartig dem Wunsch, ihr zu gefallen, und sagt: »Ich brauche keine harte D-Mark. Hart bin ich selber.« Zur gerechten Strafe wird er in Folge von der rauchenden Frau zirka alle fünf Minuten angerufen und mit dem Satz »Junge, mach die D-Mark weich! Ja! Ja! Ja!« weiter angefeuert.
Nichtrauchende Frauen sind völlig scheiße. Sie haben Sprühdosen dabei und sprühen »Männerkrieg ist Frauenmord« an irgendwelche Wände. Das finden sie gut, und es fällt ihnen dabei auch gar nichts auf. Nichtrauchende Frauen sind sowas wie Eva Braun und müssen daher das Schicksal Eva Brauns teilen: an der Seite eines bekloppten Vegetariers verdorren. Claudia Nolte zum Beispiel würde nie rauchen, denn: Die deutsche Frau raucht nicht! Sondern riecht ein bißchen nach Turnhalle und Medizinball. Und sieht auch genau so aus.
Rauchende Frauen dagegen hätten den Faschismus verhindert. Hätten 1933 mehr deutsche Frauen geraucht, ein Würstchen wie Hitler hätte niemals etwas werden können. Doch statt zu rauchen, himmelte die deutsche Nichtraucherin den Führer an. Warum? Weil der auch nicht rauchte. So simpel sind Nichtraucherinnen oft gestrickt. Von der Roten Armee, die Hitler zu Fall brachte, sind dagegen folgende Verse überliefert: »Hört den Russen zärtlich hauchen: Komm Frau! Komm Frau! Du sollst rauchen!«
Stoisch, ja heldenmütig läßt die rauchende Frau mannigfaltige Anfeindungen an sich abperlen. Aus der täglich größer und niederträchtiger werdenden Gemeinschaft der AOK-Aktiven, die joggend um die Häuser torkelt, ist sie, als »überraucht« eingestuft, längst ausgemustert worden. Das ficht sie nicht. Cool qualmend steht sie auch im Winter auf Balkonen von sogenannten guten Freunden, die ihren »Es ist nichts Persönliches, aber ich vertrage den Rauch einfach nicht«-Faschismus dringend ausleben müssen und anschließend weder gut sind noch Freunde, sondern unmenschlich hart gestraft: Unter sich und ihresgleichen müssen sie bleiben.
Wundervoll ist es, einer rauchenden Frau bei ihrer Haupttätigkeit zuzusehen ö dem Rauchen. Lässig sitzt sie am Tisch, schlägt lange Beine übereinander und lackiert ihre Fingernägel. Und raucht dabei, die wippende Kippe zwischen den Lippen. Beziehungsweise die wuppende Fluppe zwuschen den Luppen. Da muß man dann nicht in ein zivilisiertes Land fliehen, sondern bleibt in der Barbarei, die allein gemildert wird durch das Frauenrauchen, durch die rauchende Frau.

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Neu: Magersucht jetzt auch bei Männern!


Von Wiglaf Droste.


Nicht selten beschleicht mich neuerdings das Gefühl, ich sei von magersüchtigen Mädchen umgeben. Es sind aber meine Freunde. A. zum Beispiel, ein nageldürrer, graumelierter und sehr distinguierter Herr des Typs Gentleman, eiert häufig leidenden Gesichtsausdrucks durch die Welt. Fühlt er sich unbeobachtet, so befummelt und bedrückt er mit den Handballen seine Wespentaille, spielt mit den Fingern auf seinen spitzen Rippen Xylophon, rollt verzweifelt die Augen und jankt, er werde zusehends fett.


Reagiert man auf dieses backfischhafte Getue angemessen, lacht ihn also aus und gibt ihm Spitznamen wie Meschuggi oder Fatty, der Fiesling, wird es auch nicht besser; schmollend verdrückt er sich und nimmt den Gesichtsausdruck des tragisch Unverstandenen womöglich tagelang nicht mehr ab. Unterstützt wird er in diesem albernen Gebaren von seiner, wie man so sagt, Lebenspartnerin, die der Gewohnheit anhängt, sich gehässig über angebliche oder tatsächliche Blähleibigkeit bei Männern zu beschweren, während sie sich tonnenweise Weingummi in den Kopf steckt. Sie selbst verfügt dabei über ein beachtliches Fahrgestell: Würfe man ihren Hintern über sagen wir Nürnberg ab, man erzielte dieselbe verheerende Wirkung wie die Amerikaner in Hiroshima 1945 - nur daß es in Nürnberg einmal nicht die Falschen träfe -, und die Waden der Dame sind so beschaffen, daß sie bei Mitgliedern atavistischer Volksgruppen zweifellos als Kriegskeulen Verwendung fänden.


Wäre die Frau ein Mann und spräche so über Frauen, sie gälte zu Recht als Fossil und würde harsch gemaßregelt. Moderne Zivilisation aber bedeutet, daß Frauen aus Gründen ausgleichender Gerechtigkeit genauso ekelhaft sein dürfen wie Männer - während Männer die Adaption der spezifisch weiblichen Dummheit für sich in Anspruch nehmen. (In sich für besonders aufgeklärt und vorne haltenden Kreisen nennt man das Sex/ Gender-Theorie . Halleluja!)


Und so sieht man denn Männer verzweifelt in trostlosen Magazinen blättern, die Fit for Magenknurren heißen oder Der Hungerleider. Zu Hause kleben sie sich Poster an die Wände, auf denen ihre neuen Idole zu sehen sind, die Kalkutta Dream Men. In Bauchbeobachtungsgruppen springen sie herum und leisten dreimal täglich den Fahneneid auf Lätta light: "Ich habe geschworen, niemals halbfett zu werden!" Griesgrämig und futterneidisch schielen diese halbverdorrten Manschgerln auf die Teller all jener, die sich nicht dem Ideal von Not, Elend und geistiger Sparsamkeit verschrieben haben. Ihr Erkennungszeichen ist der geizige Gang: Wenn es ganz schlimm kommt, mißgönnen sie sogar dem Sittich sein Trill oder stibitzen ihrer Luxuskatze das Minzeblättchen vom Sheba-Teller. Ihr ganz besonderes Steckenpferd ist die Anschaffung und Wartung eines sog. Waschbrettbauchs. Was wollen sie nur damit? Ihre sauer verschwitzten Hemden darauf durchwaschen, wenn sie vom Sport kommen? Oder Skiffle darauf spielen?


Die einzige Freude, die dem magersüchtigen Mann bleibt, ist die, mit knochigem Finger auf alle zu zeigen, die ein bißchen mehr auf die Grammwaage bringen als er selbst. Hämatomisch lacht er in sich hinein und hat das Wichtigste vergessen: Dick sieht komisch aus, fühlt sich aber saugut an.