treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

WOLFGANG HAFFNER

Wolfgang Haffner machte früh Karriere: Er war erst 18 Jahre, als ihn Albert Mangelsdorff zum Mitglied seiner Band erkor. Heute ist Haffner ohne Zweifel der bekannteste deutsche Schlagzeuger. Und sogar ein Kollege wie Curt Cress, eine Drummer-Generation älter und Haffners direkter Vorgänger bei „Passport“, nennt ihn „den herausragenden deutschen Jazztrommler.“ Er spielte nicht nur mit der Crème de la Crème der hiesigen Jazzer - und das generationenübergreifend von Mangelsdorff bis Till Brönner, von Klaus Doldinger bis zu Michael Wollny -, sondern er ist auch einer der wenigen Deutschen, die international erfolgreich sind. US-Stars wie Pat Metheny, Randy und Michael Brecker, Chuck Loeb oder John Abercrombie vertrauen seinem unbestechlichen Drive und seiner inspirierenden Kreativität genauso wie skandinavische Größen von Nils Landgren bis Lars Danielsson. Wegen seines extrem druckvollen und dynamischen Spiels ist Haffner außerdem auch einer der gefragtesten Begleiter von Rock- und Pop-Stars wie Chaka Khan, den Fantastischen Vier, oder sogar Nightmares on Wax. Wie viele der besten seines Metiers gab sich Haffner nie mit dem reinen Schlagzeugspiel zufrieden, er begann bald mit dem Komponieren und Produzieren. Und er startete eigene Projekte: Mit seinen bisher vier Alben für ACT unter eigenem Namen gehört Haffner heute zu den erfolgreichsten deutschen Jazzmusikern und –bandleadern.

Cool und wie neugeboren
Er ist Deutschlands bekanntester Schlagzeuger - mit einer beispiellosen Karriere, die weit über den Jazz hinausreicht.
Am 7. Dezember feiert Wolfgang Haffner seinen 50. Geburtstag.

Wolfgang Haffner: Lässigkeit auf der Bühne ist sein Markenzeichen. Unglaublich gelassen sitzt er auf dem Hocker, der für Schlagzeuger die Welt bedeuten kann, er federt genüsslich im Rhythmus, ganz "laid-back", also in souveräner Entspanntheit, und er hat dabei sehr oft, bei aller Konzentration auf die Sache, ein jugendliches Strahlen im Gesicht. So kennt man ihn aus vielen Konzerten und von Videos, die ihn auf Bühnen oder in einem Studio zeigen.
Der große Lässige mit dem sicheren Takt ist ganz offenbar ein Genussmensch. Oder sagen wir es so: Er macht die Lust an den Tönen und die Leichtigkeit ihres Tanzes innerhalb der Metren auch in seiner Mimik und Körpersprache erfahrbar. Er ist das Inbild von einem, der genießt, was er tut - und Tausende Musikfans auf der Welt genießen das Ergebnis.

Setz Dich hin, aus Dir wird was.

Der Satz fiel 1978. Wolfgang Haffner war damals 13. Gesagt hat den Satz der Bildhauer und Musiker Harald Pompl, Haffners erster Schlagzeuglehrer. Und Pompl hatte recht. Schon wenige Jahre später war in Nürnberg die Rede von einem "Schlagzeug-Wunder". Ein ganz junger Typ, so ein langer, blonder, freundlicher, noch keine zwanzig, sei da in unterschiedlichen Bands und bei vielen Sessions zu erleben und spiele wie ein junger Gott. Die Mutter Klavierlehrerin, der Vater Kirchenmusikdirektor: Das war der Grundstein. Als Wolfgang Haffner - geboren 1965 in Wunsiedel - sieben war, brachte der Vater ein Schlagzeug nach Hause. Damals gab es immer mal wieder Gottesdienste mit Beatmusik. Wenn das von Wolfgang Haffners Vater für die Gemeinde angeschaffte Instrument in der Kirche nicht gebraucht wurde, stand es im Wohnzimmer.

Die Lust am Tanz der Stöcke über gespannten Fellen und konvexen Metallscheiben war geweckt. Parallel lernte Wolfgang Haffner daneben noch immer Klavier, aber das Schlagzeug spielte eine immer größere Rolle. 1976 zog die Familie nach Rummelsberg bei Nürnberg. Haffner, der auch Unterricht bei dem ebenfalls international bekannten, in Ansbach lebenden Schlagzeuger Evert Fraterman nahm, wurde in der Szene herumgereicht. "Wie Flüsterpost war das", sagt er, "das ging ganz schnell." In sechs, sieben Bands habe er gleichzeitig gespielt, irgendwann ging es dann auch einmal nach München und nach Berlin. Und vor allem, es kam der Anruf von Albert Mangelsdorff. „Als ich siebzehn war, rief Mangelsdorff bei meinen Eltern an, ich konnte es gar nicht glauben.“

Zwanzig Jahre lang spielte Wolfgang Haffner mit Mangelsdorff. Und dieser musikalische Mentor prägte ihn auch menschlich. Ganz früh sagte Mangelsdorff dem gerade am Beginn seines Höhenflugs stehenden Wolfgang Haffner in einem ruhigen Moment in der leisen und freundlichen Art, die viele von dem Posaunisten kannten: "Glaub nicht, dass Du was Besseres bist als der Handwerker nebenan." Das war eine Maxime, die ursprünglich von Mangelsdorffs Vater stammte - und Wolfgang Haffner sagt: "Das habe ich nie vergessen. Das hat mich immens auf dem Boden gehalten."

VOM TRIO BIS ZUR BIGBAND

Bald kam er in die Bigband von Peter Herbolzheimer, mit 28 für zwei Jahre in die Band der großen Sängerin Chaka Khan. Elf Jahre spielte er bei Klaus Doldingers Passport. Vier Jahre bei Konstantin Wecker. Fanta 4 und Xavier Naidoo nennt er selber auch noch - und wenn man bei Musikern herumfragt, dann hört man Antworten wie: "Er ist einer der einfühlsamsten, aber auch kraftvollsten Trommler seines Genres. Er ist in der Lage, sich in unterschiedlichste Stimmungen stilübergreifend hineinzuversetzen." Das sagt Klaus Doldinger über Wolfgang Haffner. Aber der Schlagzeuger spielt nicht nur mit anderen, er ist auch selbst als Bandleader unterschiedlicher Formationen erfolgreich, vom Trio bis zur Bigband, von pulsierenden Electro-Sounds bis hin zu zartem Kammerjazz. Bei einer Ausgabe des Nürnberger Festivals Jazz Ost-West erfüllte er sich seinen Traum, eine Formation mit Trompeter Randy Brecker als Stargast zu präsentieren. Über zehn CDs hat er unter eigenem Namen veröffentlicht und seine aktuelle CD "Kind of Cool" erhielt den German Jazz GOLD Award...

Wolfgang Haffner ist ein Drummer, der viele Qualitäten miteinander verbindet. Er hat diese schwebende Leichtigkeit, die einen sofort mitreißt. Zugleich ist sein Spiel dicht, kompakt – von einer straff zusammengehaltenen Energie. Er swingt hinreißend, und er rockt. Auch wenn er richtig zulangt,  hat er dabei ein immenses Fingerspitzengefühl. Und nimmt mit Sicherheit jeden noch so leisen Ton der anderen Musiker wahr.

IM HERZEN EIN FRANKE

Weltoffenheit - das ist etwas, was man auch als leidenschaftlicher Franke entschieden praktizieren kann. Wolfgang Haffner lebt seit einigen Jahren auf einer Balearen-Insel und nicht mehr in seinem, wie er versichert, immer noch geliebten Altdorf. Er sagt: "Franken ist in meinem Herzen. Das kriegt man nicht mehr raus." Seit dem Spätsommer 2014 fühlt sich Wolfgang Haffner nach eigener Aussage wie neugeboren. Damals passierte etwas, das für viele seiner Fans auf der ganzen Welt ein Schock war: Wolfgang Haffner erlitt einen Herzinfarkt. Er habe über viele Jahre hinweg einfach zu viele Termine auf allen Kontinenten gehabt, sagte Haffner später selbst. Doch schon wenige Monate nach dem Infarkt konnte er in Nürnberg den Großen Kulturpreis der Stadt entgegennehmen und bald auch wieder ins Studio gehen und auftreten. Heute feiert er seinen 50. Geburtstag und BR-Klassikgratuliert!


Zappelbruder

Seine Markenzeichen sind nach der eigenen, bescheidenen Einschätzung eine durchlaufende „Time“, viel Power und Vielseitigkeit. Und weil er so eine gute „Time“ hat, ist für Wolfgang Haffner – Deutschlands be-kanntesten und erfolgreichsten (Jazz-) Schlagzeuger – Zeit mittlerweile Mangelware. An bis zu 250 Tagen im Jahr ist er auf Achse, zehnmal jährlich geht es allein nach New York.

Ganz gleich ob es sich um einen Studiogig mit den weltbesten Fusion-Musikern in New York handelt, eine Japan-Tournee mit Dusko Goykovich, einen Auftritt mit der Maria Schneider Big-Band in Salzburg oder Gigs im Pop- und Rock-Bereich – von Chaka Khan und Konstantin Wecker bis hin zu Hildegard Knef: Wolfgang Haffner ist ein begehrter Mann. Und Profi durch und durch: Als sich die „Fanta 4“ als Vorband von U2 kurzfristig nach einem Ersatzdrummer umschauen mussten, weil sich Florian Dauner das Handgelenk gebrochen hatte – engagierten sie Wolfgang Haffner. Nur der konnte sich das gesamte „Fanta-4“-Programm in nur einer Nacht reinziehen. Weil auch für Haffner das Jahr nur 365 Tage zählt, hat sich der Schlagzeuger letztes Jahr „nach elf langen, interessanten Jahren“ von Klaus Doldingers „Passport“ verabschiedet, um so endlich Zeit für die eigene Musik freizuschaufeln.

Eigene Musik, das bedeutet für Haffner in erster Linie „Groove“. „Musik ohne Groove“ interessiere ihn so wenig wie die Einwände der ewig nörgelnden „Jazzpolizei“, die abwechselnd die Tradition oder den avantgardistischen Fortschritt einfordere, sagt der in der Nähe von Nürnberg auf einem Bauernhof lebende Schlagzeuger – ein freundlicher, angenehm bescheidener Hüne, dem nur die „Jazzpolizei“ Zornesfalten auf die Stirne treibt . „Groove“ – für den mit offenen Ohren durch die Welt gehenden Haffner ist dies schon lange nicht mehr mit straightem Jazz, Fusion oder Jazz-Rock identisch.

Haffner kann sich ebenso für HipHop, den Nu’ Soul einer Erykah Badu oder House-Rhythmen begeistern. Speziell House-Musik scheint es dem 36-jährigen Franken angetan zu haben – als Tänzer, aber auch als Schlagzeuger, der seit drei, vier Jahren mit House-Rhythmen experimentiert.

Programmierte Loops und „unspielbare“ Rhythmen – für Haffner stellen sie eine Herausforderung dar, sich jenseits eingespielter Routine ganz neu mit dem Schlagzeug auseinander zu setzen. So überrascht es nicht, dass Haffners neueste CD ganz im Zeichen des Grooves steht: „Urban Life“, erschienen auf dem Hamburger Label Skip, spiegelt Haffners langjährige musikalische Freundschaften dies- und jenseits des großen Teichs wider. Jeder der neun „fröhlich groovenden Eigenkompositionen“ (Haffner) featured über dichte Grooves, die halb retromäßig funky, halb zeitgenössisch wavig daherkommen, mindestens einen von Haffners musikalischen Weggefährten der vergangenen Jahre: Die Funk-Posaunisten Fred Wesley („Urban Life“) und Nils Landgren („The Real Thing“), Till Brönners cooles Flügelhorn in Kombination mit dem paprikascharfen Tenorsax von Tony Lakatos („Keep Going“), das Vibraphon der Acid-Jazz-Legende Roy Ayers („Criss Cross“), die oktavierten Gitarrenklänge des Benson- und Pat Martino-kundigen Martin Scales – um nur ein paar der Topleute zu nennen, die auf Haffners CD vertreten sind.

Dass „Urban Life“ erfreulicherweise auch nach „Zappelbude“ klingt – Haffners mittlerweile schon legendärem Funky-HipHop-Jazz-Projekt mit dem Pianisten und Keyboarder Roberto Di Gioia –, hat einen guten Grund: Di Gioia, Haffners Alter Ego an den Tasten seit Anfang der 80er-Jahre, hat bei „Urban Life“ auch als Koproduzent mitgemischt und die Grooves mit seinen spacigen, 70er Fender Rhodes und Moog-Klängen angereichert. Mit von der Partie ist neben Scales und Lakatos auch der „Zappelbuden“-Rapper Tom Nicolas Jr., der den fetten Fusion-Grooves von „Urban Life“ mit seinen Rap-Soli einen ganz besonderen rhythmischen Kick verleiht. Haffner wäre nicht Haffner, wenn er mit „Urban Life“ nicht auch auf Tournee ginge. 22 Gigs stehen im Januar und Februar auf dem Programm des überzeugten Live-Spielers, der seine Unabhängigkeit niemals für einen gesicherten Job als Schlagzeug-Professor an den Nagel hängen würde.

Neben Budapest, Köln, Wien, Zürich und Berlin spielen Haffner und Band auch in zahlreichen „Provinz“-Clubs. Mit Magnum Coltrane Price, dem rappenden Bassisten von Nils Landgren, Tony Lakatos, Peter Tiehuis (Gitarre), Eddie Greene (Vocals) und Vladislav Sendecki (Keyboards) wird Haffner auch dort auftreten, wo in den 70er-Jahren alles angefangen hat: Im evangelischen Gemeindehaus von Wunsiedel (25. Januar), dort, wo sich Wolfgang Haffner, Sohn eines Kirchenmusikdirektors und Orgelbauers, auf dem gemeindeeigenen Instrument die ersten Rhythmen beibrachte. Der öffentliche Gig im eigenen Geburtshaus – das ist nur einer von vielen Aspekten, die Haffner so manch anderem Musiker voraus hat.



BIO

Wolfgang Haffner wurde 1965 in  Wunsiedel/Germany geboren. Im Alter von 6Jahren begann er Klavier und Schlagzeug zu spielen. Nach seinem Schulabschluß wurde er 1984 von Albert Mangelsdorff in das „Deutsch FranzösischesJazzensemble“ geholt, und spielte auf den Jazzfestivals in Paris und Berlin. Von 1989 – 2000 war Haffner der Schlagzeuger bei Klaus Doldingers „Passport“, undtourte in Europa und Südafrika. 1994 & 1995 spielte er in der Band von Chaka Khan. Seit 1994 ist er Mitglied in der US Fusion Superband METRO (Chuck Loeb, MitchForman and Anthony Jackson, Victor Bailey...). Zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Roberto Di Gioia  gründete Haffner 1997 die erfolgreiche Gruppe„Zappelbude. Haffner spielte mit vielen berühmten Jazzmusikern wie z.B. Pat Metheny, Michael &Randy Brecker, Bill Evans, Woody Shaw, Roy Hargrove, Johnny Griffin, Cassandra Wilson, Joe Pass, Bob James, Joe Lovano, Clark Terry, Eddie Daniels, Mc CoyTyner, Art Farmer, Pee Wee Ellis, Esbjörn Svensson, Joe Sample, Fred Wesley, Roy Ayers, Hiram Bullock, Will Lee, Robben Ford... ), aber auch mit unterschiedlichenKünstlern und Bands wie Jan Garbarek, Michael Franks, „Die Fantastischen Vier“, No Angels, Wolfgang Niedecken, Konstantin Wecker, DePhazz, Lalo Schifrin, WDRBig Band Köln. Haffner hat auf vielen bedeutenden Jazzfestivals gespielt, u.a.Montreux, Paris,Chicago, North Sea Jazzfestival, Los Angeles, Berlin, Vienna, San Diego, Geneva, Amsterdam, Nice, Stockholm, Madrid, Oslo, Zurich, London.Tourneen führten ihn in mehr als 50 Länder (Argentinien Brasilien, Venezuela, Nicaragua, Chile, Uruquay, Mexiko, Peru, Bolivien, Kolumbien, Portugal, Südafrika,USA, Indien, Ägypten, Libanon, Syrien Italien, Jordanien, Polen, Ungarn, Thailand, England, Spanien, Japan, Finnand, Dänemark, Schweden, Norwegen, Lettland ...) 2002 gründete Wolfgang Haffner seine eigene Band und tourte während der „UrbanLife“-Tour  durch mehrere europäische Länder. Neben seiner eigenen Band spielt er auch mit der Nils Landgren Funk Unit aus Schweden und mit dem deutschenTrompeter Till Brönner. Haffner hat bisher auf ca.  350 Alben getrommelt, davon 10 unter eigenem Namen.Im Frühjahr 2004 hat er das neue Album „Forward Motion“ der isländischen Superband “Mezzoforte“ produziert. “Zooming“ heißt das neue Album von  Wolfgang Haffner auf Skip Records. DasAlbum kombiniert akustische und elektronische Sounds. Gäste sind:u.a. Johannes Enders (Saxophone), Till Brönner (Flugelhorn), Rebekka Bakken (Vocals), Roberto DiGioia (Keys), Tim Lefebvre (Bass), Martina Koller (guitar) Nils Landgren (Trombone).