treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

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VIEUX FARKA TOURE

der apfel fällt nicht weit vom stamm: der sohn von ali farka toure

Es ist schon kurios, dass Ali Farka seinen Sohn "Vieux", also "den Alten", genannt hat, aber der ist noch ziemlich jung, nämlich 30, ein echter Erneuerer und ein Mittler zwischen Tradition und Moderne. Von seinem Vater hat er den typischen Wüstenblues aus Mali von Kindesbeinen an gelernt, obwohl Vater Ali gar nicht wollte, dass sein Sohn Musiker wird: er wollte ihn lieber zum Militär schicken. Doch Vieux setzte sich glücklicherweise durch, seit fünf Jahren ist er jetzt solo unterwegs und hat seinen eigenen Stil gefunden, den er Koroboro genannt hat, und der auf der afrikanischen Grundlage Ausflüge in Jazz, Rock und Pop erlaubt.
Aber im Vordergrund steht das filigrane, ungeheuer groovende Gitarrenspiel, das so typisch für Mali ist. Mit seinem neuen Album "The Secret" ist Vieux noch viel internationaler und damit zugänglicher für Pophörer geworden. Er nahm nicht nur in Bamako, sondern auch in New York auf, und es gelang ihm, einige Prominente aus verschiedenen Stilen ins Studio zu locken. Der Jazzgitarrist John Scofield ist dabei, Ivan Neville aus New Orleans, oder der US-Star Dave Matthews, der beim wohl besten Stück "All the same" mitsingt. So entsteht eine mühelos und organisch klingende Verschmelzung von US- und Afrikablues. Ein posthumes Duett mit dem Vater Ali Farka Touré, der vor fünf Jahren starb, krönt das Album.

Der Lebensfaden wird weitergesponnen: Die Trauer um Ali Farka Touré, der im März 2006 verstarb, war groß, doch sie mündete nicht in eine schockhafte Starre. Viele malische Landsleute des Barden, Gitarristen und nicht zuletzt unermüdlichen Reisbauers in der Savanne singen immer noch sein Loblied, schöpfen nachhaltig aus seinen Errungenschaften und seinem Erbe. Einen der kräftigsten Impulse scheint er seinem eigenen Sohn mitgegeben zu haben: Vieux Farka Tourés Debütalbum erschien bereits kurz nach dem Tod des Vaters und zeigte schon Ansätze zu globalen, rockigen Perspektiven des Wüstenblues. Auf seinem zweiten Werk Fondo hat sich der Farka-Spross eindrucksvoll vom Stamm gelöst: Mit einem verblüffenden Shake-Hands zwischen Sahara-Sounds, Rock, Reggae und Dub öffnet er den Traditionen der Heimat hochenergetisch die Pforten.

Wäre es nach dem Vater gegangen, dann würde Vieux wohl eher beim Militär Karriere gemacht haben. Ali Farka, der neben der Musik immer an die pragmatischen Dinge im Leben gedacht hatte, akzeptierte erst ganz allmählich, dass die Familie auch in der nachrückenden Generation einen herausragenden Musiker beherbergen sollte. 2001 begann der Sohnemann am Institut National des Arts von Bamako seine Talente mit Feinschliff zu versehen, zunächst als Perkussionist, bald jedoch auch als Songwriter und mit der Gitarre, auf der er eine herausstechende Fingerfertigkeit offenbarte.

Da der Vater nun erkannte, dass die Vorlieben seines Jüngsten Gestalt annahmen, übernahm er es selbst, ihm einen Mentor von Renommée zu suchen: Kein geringerer als Kora-Eminenz Toumani Diabaté, Duo-Partner des Vaters, nahm den jungen Vieux unter seine Fittiche. Bei Diabaté gewann der Heißsporn tiefe Einsichten in die Tradition Malis. Mit diesem Rüstwerkzeug ausgestattet machte er sich 2006 an die Einspielung seines Debüts. Maßgebliche Inspirationen erhielt er für die Erstlingsscheibe auch durch seinen Studienkollegen Eric Herman, der als Produzent fungierte und mit dem er den schwarzafrikanischen Rock, den Koroboro in die Spur setzte. Und wie stolz muss er gewesen sein, als der anfänglich zaudernde Papa nun selbst einige der Aufnahmen bereicherte – diese gelten als die letzten Tracks, die Ali Farka Touré hinterlassen hat.

Fondo ist nun der zweite Wurf des vielversprechenden Nachwuchses aus dem Hause Farka Touré. Die stilistisch weitgefächerten Skizzen des Debüts weiten sich zu mächtigen Resonanzen. Vieux stattet dem Heavy Rock-Feeling genau wie dem entspannten Reggae fulminante Visiten ab, vertäut die Tradition der westlichen Sahara mit einem prächtigen Ankerwurf gen Bluesrock à la Allman Brothers oder Cream. Verantwortlich für etliche der Pult-Raffinessen ist Yossi Fine: Der Produzent und Musiker karibisch-israelischer Provenienz, der sowohl für David Bowie als auch für den Marokkaner Hassan Hakmoun an den Reglern saß, fügt swingende Basslinien und dubbige Grooves zu. Doch bei all diesen Exkursionen steht das Opus auf den festgrundierten Füßen der Sahel-Tradition: So begegnen wir Toumani Diabaté als Duo-Partner in einer bewegenden Final-Reminiszenz an Ali. Und dessen langjähriger Vokalpartner Afel Bocoum erhebt nun auch für den Nachkommen seine faszinierend erdige Stimme.


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Vieux Farka Touré verkörpert die moderne Interpretation der Seele des Blues in Afrika. Seine verschnörkelten, urbanen Melodien und virtuoses Gitarrenspiel haben ihm den Namen „Hendrix der Sahara“ eingebracht.

Es kann durchaus ein schweres Erbe sein, einen berühmten Vater zu haben. Aber Vieux Farka Touré steht als Sohn des erfolgreichen malischen Gitarristen Ali Farka Touré schon lange nicht mehr im Schatten seines Vaters. Auch er ist zu einem beeindruckenden Vertreter des afrikanischen Blues herangewachsen, hat das Rampenlicht für sich beansprucht und mit einer radikalen Idee für Aufsehen gesorgt:

Seine musikalischen Wurzeln, die stark von der Westsahara-Region beeinflusst sind, vermählt er gnadenlos mit Jam-Band-Sessions und jamaikanischem Dub. Eine innovative und faszinierende Kombination.

Seine Musik widerspiegelt das zeitgenössische Afrika: urban, ausgeklügelt, global vernetzt ohne dabei den Stolz auf das kulturelle Erbe zu vernachlässigen. Seine Musik ist modern und rockt, aber lässt trotzdem die Kamele gemächlich vor dem inneren Auge vorbeiziehen. Die einzigartige Mischung aus virtuosem Gitarrenspiel und den nordmalischen, traditionellen Klängen hat ihm den stolzen Namen „Hendrix der Sahara“ eingebracht.

Einen guten Eindruck des musikalischen Spektrums von Vieux erhält man, wenn man sich die beeindruckende Sequenz am Ende von Fondo anhört: „Diaraby Magni“ vereint die Diaspora beider Seiten des Atlantiks mit einem Reggae-Rhythmus, synkopierten Gitarren-Riffs, starken Perkussions-Beats und gefühlsbetonten Vocals sowie den inspirierenden Dub-Elementen des Gitarristen