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Das Wunder von Mals. Bürgerwiderstand im Neoliberalismus

Für mich ist dies eine der schönsten Geschichten der vergangenen Jahre. Es ist die Geschichte eines demokratischen Dorfaufstandes dessen Tragweite noch gar nicht abgeschätzt werden kann. Das „Wunder von Mals“ erscheint mir bei näherem Hinsehen jene kleine, leichte und wunderschöne Schneeflocke zu sein, die schlussendlich eine gewaltige politische Lawine auslösen wird. Und davor zittern Südtiroler Politiker_innen, die mit ihnen packelnden medialen Jubelperser und jene Gierkonzerne, die im Land südlich des Brenners mit dem Verkauf von Agrargiften riesige Profite einstreichen. 

Giftwolken wabern vom Frühling bis in den Herbst durchs Vinschgau

Ihr könnt euch sicher noch an eine Meldung im Herbst 2014 erinnern. Im kleinen und pittoresken Dörfchen Mals im Oberen Vinschgau war damals eine Volksabstimmung abgehalten worden. Und die wurde zur Sensation: Das Stimmvolk der Gemeinde entschied sich nämlich mit einer riesigen Mehrheit GEGEN den Einsatz von Agrargiften auf ihrem Gemeindegebiet. Also gegen jeden Einsatz sehr giftiger, giftiger, gesundheitsschädlicher und umweltschädlicher chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel und Herbizide. Das Ergebnis bedeutet, dass die Gemeindeverfassung jeglichen Einsatz dieser Gifte verbietet, Mals also zur giftfreien Zone wird.

Massive Ablehnung der Giftchemie

Das Ergebnis in Zahlen: 70 Prozent der Malser Bevölkerung hat sich an der Abstimmung beteiligt und davon votierten 75 Prozent für ein Verbot der Giftchemie innerhalb der Gemeindegrenzen. Die Apfel-Industriellen und ihre Bauern sahen denn auch sofort den Untergang des Alpenlandes heraufdämmern.

David bietet Goliath noch immer die Stirn. Malser_innen gegen Gierkonzerne und Lobbyisten heißt der Kampf.

Die Geschichte dieser Volksbefragung ist die neuzeitliche Wiederauflage von David gegen Goliath. Mit dem Unterschied, dass David nur mit Argumenten ‚bewaffnet‘ ist. Diese Geschichte handelt von mutigen, umweltbewussten Menschen, deren Gegner machtvolle Politiker (mitsamt der verbündeten Jubel- und Beruhigungspresse) und gierige multinationale Konzerne sind.

Bis zu 30 mal im Jahr wabern solche Giftwolken aus den Apfel-Monokulturen. 


Die Menschen? Einfache Bürger_innen, die es satt haben, in permanenter Angst leben zu müssen. Die sich vor den Chemiewolken fürchten, die von den Apfelplantagen ausgehen. Die es verhindern wollen, dass ihre Kinder Krebs bekommen. Und die sich jetzt aktiv wehren gegen diese schleichende aber massive Vergiftung der Böden, des selbst gezogenen Gemüses und der Luft. Menschen, die aber auch die halblauen Beruhigungssprüche von Bauernkammer und Politiker_innen satt haben. Die ganz einfach keine vom Wind herangewehten tödlichen Giftwolken mehr dulden.

Und wer sind nun die ‚Giftler‘? Das ist ein unsäglicher Klüngel aus Südtiroler Politiker_innen, bezahlten Journalist_innen im Dienst sogenannter Medien, Gierkonzernen, Lobbyisten und Bauernvertreter_innen. Diese Meute setzt alle Hebel in Bewegung, die demokratische Bürger-Bewegung zu verunglimpfen und aufzuhalten.

Johannes Fragner-Unterpertinger (links), Apotheker und Triebfeder des Wunders von Mals mit Alexander Schiebel, Filmemacher und Buchautor.

Man möchte sich das Bombengeschäft mit den Äpfeln nicht von ein paar dahergelaufenen Umweltschützern kaputt machen lassen. Geht es doch um den riesigen Südtiroler Absatzmarkt für Pestizide, Fungizide und Herbizide, die jährlich bis zu 30mal (!) auf den Südtiroler Apfel-Monokulturen versprüht werden. Und da wollen die neoliberalen Raubritter so lang wie möglich abkassieren. Ob Gift oder nicht – wurscht!

Was dem Fass den Boden ausschlägt: Die Giftkritiker_innen werden dafür verantwortlich gemacht, etwas anzuprangern, was nicht laut gesagt werden sollte. So erfahren die Konsumenten in ganz Europa, wie und mit welchen Giften die Südtiroler Äpfel behandelt werden. Eine nahezu idealtypische Täter-Opfer-Umkehr also.

Die Geschichte handelt natürlich auch davon, wie Politik und Geld bereits in die Köpfe der Menschen hineinregieren. Wie Apfelbauern auf Umweltschützer gehetzt werden, wie Großkonzerne, Politik, Bauernbund und Geld ein Dorf entzweien. Aber: Die absolute Mehrheit der Malser_innen hatten und haben genug von Gift und neoliberaler Gehirnwäsche und wehren sich. Mit dem überraschenden und vor allem positiven Ausgang.

Die Südtiroler Politik geht den Gierkonzernen zur Hand

Nicht weiter verwunderlich ist, dass die Politik und die mit ihnen unter einer Decke steckenden Medien samt den sattsam bekannten Gierkonzernen ganz und gar nix von einem fairem, demokratischen Kampf halten. Also wird mit allen vorstellbaren und unsauberen Mitteln gekämpft. Denn auch in Südtirol gibt es Möglichkeiten, eindeutig demokratische Entscheidungen ins pure Gegenteil zu verkehren. Da reicht es, wenn die Malser Gemeindevertreter_innen den Volksentscheid ganz einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Konkret: Obwohl das Ergebnis der Volksabstimmung für die Gemeinde Mals bindend ist, lehnten es die Gemeindevertreter am 7. Jänner 2017 ganz einfach ab, dem Abstimmungsergebnis Rechnung zu tragen und folgende Passage in die Gemeindesatzung – einer Art Gemeindeverfassung – einzufügen:

„Das Vorsorgeprinzip zum Schutz der Gesundheit besagt, dass sämtliche Maßnahmen getroffen werden, die eine Gefährdung der Gesundheit von Mensch und Tier vermeiden helfen. Als besondere Zielsetzung der Gemeinde Mals wird deshalb der vorsorgliche Schutz der Gesundheit von Gemeindebürgern und Gästen, ein nachhaltiger Umgang mit Natur und Gewässern, sowie die gleichberechtigte, unbeschadete Ausübung verschiedener Wirtschaftsformen auf dem Gemeindegebiet verfolgt. Um dies zu gewährleisten, wird auf dem Malser Gemeindegebiet der Einsatz biologisch abbaubarer Pflanzenschutzmittel gefördert. Mit nachfolgender Verordnung wird diese Bestimmung im Detail umgesetzt. Unabhängig von dieser ist der Einsatz sehr giftiger, giftiger, gesundheitsschädlicher und umweltschädlicher chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel und Herbizide auf dem Gemeindegebiet nicht zugelassen. Für die Umsetzung und Einhaltung des Volksentscheides sorgt die Gemeindeverwaltung.“

Die Gemeindevertreter_innen gehören offenbar zu jenen Fußtruppen, die von den ‚Giftlern‘ rekurtiert wurden um den Volksentscheid ins Gegenteil zu verkehren. An vorderster Front sind die konventionellen Landwirte,  angeführt von der Plattform bäuerliche Zukunft (!). Sie torpedieren mit tatkräftiger Unterstützung des ehemaligen Malser Bürgermeisters und nunmehrigen Landtagsabgeordneten und Obstbauern Sepp Noggler das giftfreie Pilotprojekt.

Denn in der Auwahl der Mittel dieses Abwehrkampfes ist man in Südtirol ganz und gar nicht zimperlich. Der Garten von Johannes Fragner-Unterpertinger, dem Sprecher des Promotoren-Kommittees wurde verwüstet, er selbst wurde verbal von einem Obstbauern attackiert: „Wenn ich dich erwische, fahre ich mit dem Traktor über dich drüber, bis die Gedärme rausspritzen!“ (Zitiert nach https://www.startnext.com/wundervonmals).

Doch Johannes Unterpertinger kontert mit Berthold Brecht: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, der hat schon verloren.“ Sollte der Malser Gemeinderat das Ergebnis der bindenden Volksabstimmung nicht umsetzen, würden die Promotoren es eben juridisch ausfechten, kündigt Johannes Fragner-Unterpertinger an. „Entweder das Thema kommt auf den Tisch oder es kommt vor Gericht.“

 

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