treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

JENSEITS VOM CHRISTKINDLMARKT // DER neue TREIBHAUS-PASS // & MORE.

Den Treibhaus-Konzert-Paß (gilt bis 30.6.'20) oder Eintrittskarten als erlesene Genschenks-Papiere: das Winter & Frühjahr bereits im Vorverkauf. Von Rebekka Bakken bis John Scofield bis Lola Marsh, von Mascheks Jahresrückblick bis Manuel Rubey. Den Paß gibts endlich online - mit dem Link d(r)oben im Menu!

GREGOR SEBERG

in der Tradition eines Herrn Karl: Sebergs Mayer, ein Heißläufer und erfolgloser Opportunist, macht einem Angst.

Gregor Seberg - ja, er ist auch der Nowak aus der SOKO DONAU - ist als Kabarettist in Höchstform: er schimpft über große und kleine Missstände, schlüpft in verschiedene Figuren und natürlich improvisiert er wieder, es gibt zuviel Aktuelles, das man einfach besprechen muss.  In seinem mobilen Wohnzimmer treffen wir Mayer, der Zeitung liest, fernsieht und uns erklärt, wie es so läuft in der Welt. Hast Angst, Mayer?
Klimaerwärmung, Gscheidweidlinge, Handystrahlung, Bespitzelung, Gentechnik und Mitmenschen mit den immer gleichen schwarzen Brillen machen Mayer keine Angst. Denn Mayer blickt voll durch. – Und es ist alles halb so schlimm. Das meiste behaupten doch nur die Medien. Oder die Politik. Oder beide. Da könnte Ihnen Mayer Geschichten erzählen ...
"....  steht in der Tradition eines Herrn Karl: Sebergs Mayer, ein Heißläufer und erfolgloser Opportunist, macht einem Angst. (...) Das Lachen bleibt einem im Hals stecken."  Thomas Trenkler,  Standard

Mit 13 Jahren kam Seberg nach Wien. Nach der Matura studierte er einige Semester Germanistik und Theaterwissenschaft und wechselte dann auf das Konservatorium der Stadt Wien, Abteilung Schauspiel. Anschließend arbeitete er als freier Schauspieler, Regisseur und Autor. Zwei Jahre lang moderierte er die Sendung Talk Radio auf Ö3. Seberg ist Mitbegründer der Theatergruppe „Ateatta“, er spielte den Alex in der Bühnenfassung von „A Clockwork Orange“. Außerdem spielte er in den Solostücken Sex, Drugs, Rock&Roll, Richard III., Onkel Wanja, Der Widerspenstigen Zähmung (Petrucchio), Die Drei von der Tankstelle (Kurt), Entführung aus dem Serail (Bassa Selim), Weh’ dem, der lügt (Leon) und Cyrano de Bergerac (Titelrolle).

Seit 2006 verkörpert er in der Fernsehserie SOKO Donau (SOKO Wien) den Oberstleutnant Helmuth Nowak.


HAST ANGST MAYER ?

KRITIKEN


"(...) Mit der Kunstfigur Mayer hält Kabarettist Gregor Seberg Österreich auf grandiose Weise den Spiegel vor. (...) das Resultat ein Abend, dem man mit schmerzendem Zwerchfell und einem flauen Gefühl im Magen verlässt. (...) Doch versteckt hinter grandioser und flinker Improvisationskunst, nimmt er sich der brisanten Themen des gegenwärtigen Österreichs an und geht dabei dorthin, wo es nicht nur seiner Kunstfigur richtig weht tut. Mayer funktooniert als Spiegel, der das Publikum zwischen Lachsalven immer wieder die Bedeutung der eigenen Ängste abfragen lässt."
Christoph Hartner, Kronenzeitung

"Ein sympathischer, großartiger Schauspieler. Umgänglich und gewinnend."
Eli Spitz, Kleine Zeitung

Sebergs kabarettistische Unverfrorenheit, seine Situationskomik, seine österreichische Sprachmelodie weiten Hirn und Herz. Seberg lästert, was das Zeug hält.“
Stuttgarter Nachrichten

"Sebergs Stärke ist die Interaktion mit den Zuschauern, er hänselt, höhnt und lobt sie. (...) So beginnt eine Reise durch die neun Bundesländer, (...). Die Klischees bringt er so sehr auf den Punkt, dass sich anwesende „Provinzler“ bei der Darstellung ihres Landes ertappt fühlen und bei der anderer Länder dafür besonders laut lachen. (...) Kein Programm für naive Patrioten."
Schmidt Veronika, Die Presse

"Und so stellt er sich hinauf auf die Bretter, die die Welt der Kleinkunst bedeuten, und schreit seine Kritik lautstark hinaus. (...) Es ist ein bisschen wie Kasperl für Große (...), nur dass der Kasperl meistens lustig ist. Bei Seberg hingegen ist einem weniger zum Lachen. Dazu ist er zu bissig und ernst."
Ziegler Mathias, Wiener Zeitung

"(...) funktioniert deshalb ganz gut, weil der Schauspieler wie eine Granate durch den pointenreichen Abend wirbelt. Witzig. Nicht nur für Machoärsche."
Christoph Wurmdobler, Falter



"Gregor Seberg (...) persifliert Chauvinisten-Typen und bringt das als typisch geltende weibliche und männliche Verhaltensrepertoire auf den Punkt. Am Ende hat man viel gelacht, (...). Es gibt zwei Arten von Menschen: Männer und die, die keiner Männer sind. Beide sollten das Stück nicht verpassen."
Werner Rosenberger
Kurier-Wertung: ****





Ein Stück Fleisch mit Verfolgungswahn
THOMAS TRENKLER
DER STANDARD, 4.4.2014
Gregor Seberg interagiert in "Hast Angst, Mayer?" mit seinem Publikum
Wien - In seinem neuen Soloprogramm verkörpert Gregor Seberg, der Oberstleutnant Nowak in der Fernsehserie Soko Donau, einen gewissen Mayer, einen "No Name" also. Arbeitslos und geschieden lebt dieser Mayer, ein Verlierer des Turbokapitalismus, in einem alten VW-Campingbus. Er hat panische Angst - und viel, viel zu viel Zeit zum Nachdenken.
Sebergs Figur hat gewisse Ähnlichkeiten mit den gemeingefährlichen Antihelden seines Kollegen Martin Puntigam, ebenfalls in Graz geboren. Und sie steht auch in der Tradition eines Herrn Karl: Sebergs Mayer, ein Heißläufer und erfolgloser Opportunist, macht einem Angst. Er mag die EU nicht, denn seit es die EU gibt, gebe es die Ausländer. Er wählt Strache - und hat eine Mission. Das ist eine gefährliche Mischung.
Zu Beginn betritt Gregor Seberg mit mehreren Stangen Dynamit die Bühne. Er will, sagt der "schasaugerte" Mann mit der Krankenkassabrille, die Menschen aufwecken. Doch die Bombe explodiert nicht. Und so muss Mayer eben reden. Er spricht das Publikum von Anfang an direkt an: "Kennen Sie das Gefühl, nur ein Stück Fleisch zu sein, das die Erde schwerer macht?"
Aus seinen Defekten macht Mayer, der einen veritablen Verfolgungswahn entwickelt hat, kein Hehl. Er befinde sich auf Beobachtungsposten, sagt er: "Ich beobachte zurück!" Mayer hängt sich eine Kamera um und schießt Fotos - scheinbar wahllos. Er macht "Selfies", fotografiert sich zusammen mit Zuschauern, die er anherrscht: "Mach a G'sicht!" Er beleidigt, er kommandiert herum, er gibt Menschen der Lächerlichkeit preis. "Bist du beim Turnen als Letzter gewählt worden?", fragt Seberg zum Beispiel. Das Stimmvieh lässt alles geduldig mit sich machen. Zunächst will kaum einer zugeben, katholisch zu sein - und dann singen die meisten im Chor Großer Gott, wir loben dich. Beweisführung geglückt, könnte man sagen. Bei der Wien-Premiere von Hast Angst, Mayer? in der Kulisse verlor Seberg bis zur Pause ein wenig das Zeitgefühl: Das Interagieren zog sich zu lange hin. Aber der zweite Teil ist äußerst dicht. Und hoch explosiv. Das Lachen bleibt einem im Halse stecken.


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"Hast Angst, Mayer?" hat am 1. April in der Wiener Kulisse Premiere. Als Mayer verkörpert er den typischen Österreicher. "Er sagt, er fürchtet sich nicht, weil eh alles super ist. Er hat zwar keinen Job, kriegt auch keinen mehr, seine Frau ist ihm weggerannt, aber er muss keine Angst haben. Er entwickelt sich zu einem Strache-Wähler", erzählt der Steirer, der mit 13 Jahren von Graz nach Wien übersiedelte und bei der geliebten "Schatzibinki"-Oma – mit Schwester und Uropa auf 30 – aufwuchs. Nein, Wutbürger wie Roland Düringer sei er nicht. "Dazu bin ich prinzipiell zu gut aufgelegt." Ihn regt nur die Dummheit der Leute auf. "Warum sind wir so unfreundliche, kleinkarierte Deppen?", fragt er.
"Ich arbeite sehr viel, bin aber eigentlich eine faule Sau", beschreibt Seberg die Ähnlichkeiten mit seiner Rolle als Nowak und macht seine typische Handbewegung: Die langen grauen Haare werden mit der Brille zurückgeschoben. Naturforscher wäre der Besitzer von drei Katzen am liebsten geworden. Und von einer unbekannten Tante aus Amerika hätte er gerne ein paar Millionen geerbt. "Ja, der Nowak, das Humorvolle, das wienerische Wart-ma-a-bissl, der Mörder wird schon vorbeikommen", entspricht seinem Naturell.
Einen Sturschädel und Sinn für Gerechtigkeit hatte er schon in seiner Jugend. "Ich bin ein rebellisches Kerlchen." Noch heute erinnern sich Schulkollegen an den goscherten Klassensprecher, der mit 17 das Gymnasium verließ, weil er sich mit 16 in seine um 17 Jahre ältere Deutschlehrerin verliebte. Eine große Liebe, die sechs Jahre lang währte.
In einer Maturaschule holte er in ein paar Monaten den Schulabschluss nach, bevor er Germanistik und Theaterwissenschaft studierte. "Aber das war furchtbar fad." Die Schauspielerei ist seine Berufung und sein Beruf.