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KiNKY FRiEDMAN

Der Cowboy Jew aus Texas: Singer Songwriter, Krimi-Bestseller-Autor, Präsidentschaftskandiat.

Richard "Kinky" Friedman ist Krimi-Bestsellerautor und Country-Sänger, Zigarren- & Tequillaproduzent, wie alle guten Menschen Katzenliebhaber,  hat als Gouverneur von Texas kandidiert und war mit Bob Dylan auf Tour. Zu seinen bekennenden Fans zähl(t)en unter anderem auch Nelson Mandela und Bill Clinton. Der mittlerweile 69-Jährige macht seinen Namen zum Programm, „kinky“ steht für schräg und überdreht, und genau so gibt sich Friedman auch auf der Bühne.
Stets präsent ist auch sein jüdischer Background, den er in Songs wie „They Ain’t Making Jews Like Jesus Anymore“ humorvoll und offensiv vertritt. Fast ein wenig derb, jedenfalls aber durchwegs provokant sind seine Live-Shows, Friedman unterhält das Publikum mit Erzählungen und Anekdoten, aber auch seine Musik mit vielen zeitlosen Klassikern kommt nicht zu kurz.

Der Cowboy Jew aus Texas
Er will noch immer US-Gouverneur werden: Der Entertainer Kinky Friedman ist auf politisch unkorrekter Welttour.
Scheitern ist sein Programm:

DIE ZEIT.


Da steht ein Cowboy auf der Bühne. Er leiht sich einen Witz von Woody Allen: "Warum sind die Deutschen so humorlos? Weil sie all ihre Komödianten gekillt haben." Gelächter im Saal. "Ich glaube, das stimmt nicht. Ihr seid der Gegenbeweis", sagt der Cowboy, grinst und zwinkert. "Die Nazis wollten alle Zigeuner ermorden. Jetzt sind ihre Kinder und Enkel selbst Zigeuner."

Richard "Kinky" Friedman ist Bestseller-Autor und Country-Sänger, Fast-Gouverneur von Texas und Jude. Der 68-Jährige war auf Tour mit Bob Dylan, ist mit der Country-Legende Willie Nelson befreundet, zu seinen Fans zählen Bill Clinton und Nelson Mandela. Mit Songs wie Ride 'em, Jewboy und They ain't making Jews like Jesus anymore vertritt er ein humorvolles und offensives Judentum. Zur Eröffnung des Jüdischen Kulturfestivals Hip im Exil in Mainz spielte Friedman am Donnerstag im Frankfurter Hof.


Etwas rätselhaft ist es schon, dass Friedman nach mehr als zehn Jahren wieder in Deutschland auf der Bühne steht. Zumal ihm der Klang der menschlichen Singstimme nach eigenen Angaben verhasst ist, seitdem er im New Yorker Drogensumpf der achtziger Jahre Auftritt um Auftritt herunterriss. Und die Deutschen kann er eigentlich nicht leiden. In seinen Büchern kommen sie selten gut weg, sind mehr Maschinen als Menschen.

Mit seinen Posen hat er sich eingerichtet

"Die Deutschen sind mein zweitliebstes Volk. Mein liebstes sind alle anderen", sagt er, und wieder freut sich das Publikum. Ein Witz, den er oft erzählt. Mit seinen Posen hat er sich eingerichtet, mit einer Persona, die einzigartig ist und leicht wiedererkennbar. Mit Witzen und Sprüchen, die er seit Jahrzehnten bringt – und für die ihn seine Fans lieben. Sie jubeln, wenn er Geschichten einleitet mit "Damals war ich so high, dass ich eine Trittleiter gebraucht habe, um mich am Hintern zu kratzen". Oder vom Tequila-Trinken im Cowboy-Style erzählt: "Wir schnupfen 'ne Prise Salz, drücken uns den Zitronensaft ins Auge – und dann killen wir den Shot."

"Kinky" kann man mit "schräg" oder "verdreht" übersetzen. Und so gibt er sich gern. Wenn er vom alten Lukas singt, der in der Nase popelt, strahlt er eine diebische Freude aus. Seine Witze sind derb, provokant und entwaffnend mit kindlichem Charme. 1974 bekam er für seinen Song Put Your Biscuits in the Oven and Your Buns in the Bed den Titel "Male Chauvinist Pig of The Year" verliehen – er nahm die zweifelhafte Ehrung an mit den Worten "Yes, I'm the sexiest!" Fast vierzig Jahre später ist das ein Song, der beim Publikum richtig zieht, auch die Frauen in Mainz lächeln verklärt.

Er ist gerne Außenseiter. Und so versteht er auch die historische Rolle der Juden. "Wie Columbo mit seiner Schludrigkeit und dem alten Mantel. Der steht vor dem Country-Club, und die würden ihn niemals reinlassen. Aber von draußen sieht er mehr als von drinnen." Für Künstler sei das der beste Platz, und er würde ihn nie tauschen wollen. Friedman betätigt sich auch schriftstellerisch. Seine kauzigen Krimis drehen sich um absurde Fälle, die ein gewisser Kinky Friedman löst. Ein ehemaliger Country-Sänger, der – wie das Original – im New Yorker Greenwich Village lebt. Die Mordfälle sind eher Gerüste, an denen der Autor seine philosophischen Betrachtungen aufhängt.

Drei Akkorde in zwei Minuten

Mit der Musik hält er es schlicht, und selten sind seine Songs länger als zwei Minuten. Drei Akkorde und bisschen Gesang dazu. Er rockt die Sache runter, es ist immerhin der 33. Auftritt seiner Bipolar-World-Tour. Am Ende der zweistündigen Show, die er im Stehen absolviert, entschuldigt er sich für das nicht immer perfekte Spiel, indem er Willie Nelson zitiert: "Kinky Friedman denkt, er könne Gitarre spielen. Aber Kinky kann nicht wirklich Gitarrespielen."

Erzählen, das kann er. Friedman nimmt sich die Zeit, die er braucht, und zieht das Publikum mit. Sein breites Texanisch ist nicht leicht zu verstehen, aber wenn der Witz ankommt, dann richtig. Für Pointen, für Rhythmus und Timing hat er ein Gespür, in seinen Büchern nennt er das manchmal "mit jüdischem Radar fliegen". Dabei verströmt er eine Magie, die so schwer zu fassen ist wie die Essenz dieses Mannes, der gleichzeitig alles ist und nichts: Schriftsteller, Musiker und Politiker. Bei den letzten Gouverneurwahlen 2006 in seinem Heimatland Texas holte er 13 Prozent der Stimmen. Für die Homo-Ehe warb er mit dem Slogan: "Warum sollen die es besser als der Rest von uns haben?"

Sobald er zurück in Texas ist, beginnt der Wahlkampf für 2014. Sein politisches Programm: Cannabis und Glücksspiel legalisieren und besteuern. "Das wird 70.000 Gefängniszellen frei räumen, die Bandenkriege eindämmen und meinen Freund Willie Nelson freuen." Die Einnahmen daraus will er in Schulen investieren. Deshalb habe er auch keine Zeit, noch einen Krimi zu schreiben – auch wenn er gern würde. "Meine Verleger hätten allerdings gern ein politisches Buch: Kinky Friedman – das erste Jahr im Amt, oder so. Mal schauen, vielleicht engagiere ich einen Ghostwriter. J.K. Rowling? Nein, die hat zu viel Talent, vielleicht Dan Brown", sagt er während des Interviews vor dem Konzert und wischt sich die Tabakkrümel seiner zerkauten Zigarre vom Mund.

Später auf der Bühne greift er zum Wasserglas, gefüllt mit Tequila. Er schaut es an, sinniert, und stellt es wieder auf den Tisch, neben die Zigarre, die er nicht anzündet, aber immer wieder in die Hand oder den Mund nimmt. "Kann mir irgendwer sagen, wie lange ich schon auf der Bühne stehe? Mir kommt's vor wie eine Ewigkeit." Gelächter.

Das mit dem Mitsingen klappt hingegen nicht so richtig. Das Publikum ist im Schnitt etwas angegraut, so wie der Kinkster selber. Nur I'm Proud to be an Asshole from El Paso bringt die Besucher zum Schunkeln. Ansonsten schallen vereinzelte Refrains von den Sitzplätzen. Friedman nimmt's gelassen und ermuntert seine Gäste: "Jetzt alle zusammen im Geiste mitsingen!"

Trotz aller Präsenz wirkt die Bühne ein bisschen zu groß für ihn. Im Saal sitzen 200 Besucher, die letzten drei Reihen bleiben leer. Für den ersten Solo-Auftritt in Deutschland seit 1999 ist das nicht viel. Für einen Mann, der in Deutschland nicht sehr bekannt ist, vielleicht schon.

Auch dazu hat Friedman einen Spruch parat: "Ich glaube, wenn man mit etwas lange genug scheitert, wird man eine Legende. Ich bin lange genug gescheitert beim Bücherschreiben und Musikmachen." Da kann man nur hoffen, dass der Wahlkampf 2014 richtig mies läuft.