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DAS KINO UNTER *STERNEN*IM ZEUGHAUS: WEIL WIR TRÄUME BRAUCHEN UND GUTE*NACHT*GESCHICHTEN - darum machen wirs, allen widrigkeiten zum trotz, koste es, was es wolle, fröhlich und lebendig wie noch nie fahren wir nach Italien und wundern uns jetzt schon, was alles möglich werden wird. Drum helft mit - ein Kino unter Sternen braucht viele Sterne, damits ein Firmament wird // BANK -- IBAN: AT75 20503 03352791960 //

BOUBACAR TRAORE

KAR KAR - der Vater des Mali Blues & habib koites spiritueller GroßVater

In den sechziger Jahren galt der afrikanische Blues-Sänger und Gitarrist Boubacar Traoré genannt KarKar, als der Chuck Berry oder Elvis Presley von Mali. Jeden Morgen weckte seine Stimme die HörerInnen des malinesischen Radio. Kayes, die Haupstadt des ehemaligen Kolonialreiches, hörte seine musikalischen Botschaften für die Unabhängigkeit und tanzte seinen berühmt gewordenen "Mali-Twist" auf der Straße. Seinen Spitznamen KarKar erhielt er als wendiger "Dribbler" in Fußballschuhen. In der malinesischen Sprache Bambara bedeutet KarKar nämlich Dribbler.
KarKar spielte bereits vor 30 Jahren malinesischen Blues, intoniert auf der Akkustik-Gitarre und unterlegt mit den unverkennbaren Kassonke-Rhythmen seiner Heimat. Spürbar sind zudem arabische Einflüsse, amerikanische Blues- und europäische Folkelemente. Nach zwanzigjähriger Bühnenabstinenz begeistert KarKar heute ein internationales Publikum mit dem dribbelnden Blues seiner Gitarre und seinem melancholischen Gesang.
"Ein Leben gekennzeichnet durch Vergeßlichkeit und Auferstehung,
Hoffnungslosigkeit und Trost, der Malier Boubacar Traoré hat das Konzentrat eines von wohltuender Traurigkeit ergreifenden Blues herausdestilisiert." schrieb Gilles Tordjman im französischen Magazin Les Inrockuptibles. Laut dem deutschen Rolling Stone "macht KarKar definitiv klar, daß der Blues aus Afrika kommt" und der Spiegel sieht in Ihm den "Missing Link zwischen Niger und Mississippi."

Boubacar Traore a.k.a. Kar Kar ist ein harmonischer Widerspruch, ein Musiker, dessen Kunst und Biografie weniger durch Balance, als vielmehr durch Extreme auffallen. In den sechziger Jahren ein Idol für die ganze afrikanische Westküste, in den siebzigern vergessen, in den achtzigern wiederentdeckt und in den neunziger Jahren auf ausgedehnten Tourneen durch Europa und Amerika, dies die groben Daten seiner Karriere. Er wurde mit vielen Popgrössen verglichen. Elvis Presley musste als Vergleich ebenso herhalten wie Robert Johnson, Johnny Hallyday oder Chuck Berry. Und man betitelt seine Musik als Blues - alles Vergleiche, die andeuten, dass es beinahe ein Ding der Unmöglichkeit ist, die Lieder von Kar Kar zu definieren. Solche Vergleiche dienen vor allem uns Europäern oder Amerikanern, um einen Künstler be-greifbar zu machen, der eine musikalische Welt für sich ist.

Hören wir in den westlichen Industriestaaten den Begriff "Blues", hören wir auch gleich hunderte von Beispielen in unserer Erinnerung durcheinandertönen - aber solche Musik macht Kar Kar nicht. Er ist auch nicht funky wie der Godfather of Soul James Brown, mit dem er auch hin und wieder verglichen wird. Dies sind alles nur Statusangaben, welche zeigen, in welchem Masse er zuhause in Mali von Musikerkollegen und Landsleuten verehrt wird. Seine Musik tönt ganz anders. Nimmt man "Blues" nicht als Musikform, sondern als Gefühlsbeschreibung, kommt man der Sache schon einiges näher.

Kar Kar macht das, was er schon immer wollte: Musik. Für ihn sind es Melodien, Lieder, zu denen sein Instrument die zweite Stimme singt. "Die Gitarre hat mich magisch angezogen", versucht er die Beziehung zu seinem Instrument zu beschreiben. Er hört aus der Gitarre nicht die Bluesakkorde seiner musikalischen Geistesverwandten in den Südstaaten heraus, nein, seine Gitarre perlt wie eine Kora. Zudem hat der Blues aus Mali keine Strukturen, wie wir sie von der amerikanischen Version her kennen. Blues dient als Grossbegriff zu unserer Erklärung, weil Kassonke - in dieser Musiktradition ist er aufgewachsen - kaum als verständliche Beschreibung dienen würde.

Da hört man seine Herkunft aus dem Westen von Mali: Kayes, Heimat und Sehnsucht gleichermassen. Die Liebe zu dieser Heimat und seinen Bewohnern ist gross, auch wenn er deren Verwalter oder seine Landsleute ab und zu mit harten Worten kritisiert. Vierzig harte und entbehrungsreiche Lebensjahre sind in die ruhigen Geschichten seiner Lieder verwoben, doch die Wärme, die Liebe macht den Grundton aus.

Kar Kar ist ein Geschichtenerzähler und seine Weigerung, diese Geschichten zu erklären, zu deuten, macht es uns Bilder-Hungrigen nicht einfach, deren Sinn oder Hintergrund zu begreifen. Er erzählt von afrikanischen Traditionen, die den Weissen in ihrer Symbolik und Exotik oft verschlossen bleiben. Er besingt die Liebe mit all ihren menschlichen und tragischen Schattierungen, die Liebe zu seiner verstorbenen ersten Frau, zu seinen Kindern, ohne dass der Schmerz über das tragische Schicksal dieser Liebe seine Songs schwer oder leidend macht.

Boubacar Traore ist kein Musiker, dessen Lieder man erklären kann, dessen Bilder und Stimmungen man analysieren muss, man muss sich ihnen aussetzen. Dann erlebt man vielleicht ein Afrika jenseits von Klischees und Vorurteilen.