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SILLY WALKS

www.sillywalks.de

Silly Walks.
DUB-DANCEHALL-REGGAE
Die Anfänge von Silly Walks sind zugleich die Anfänge der Dancehall und Roots in Deutschland. Die beiden Hamburger sind seit 1991 als Silly Walks aktiv und erarbeiteten sich in dieser Zeit einen erstklassigen Ruf.

Nun steht es bald in den Regalen, das lang erwartete Silly Walks Album. Die erste Auskopplung "Forever" mit Tanya Stephens punktete bereits als höchster Neueinsteiger in den Deutschen Black Charts, von daher darf man auf weitere Kracher gespannt sein. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass Olli Schrader und David Meyer, die ja eigentlich als eines der ersten und wegweisenden Sound Systems auf unzähligen Parties hinter Plattenspielern und Mischpult zugange waren, den Weg ins Studio gefunden haben?

"Wir haben ja früher viel Remixe gemacht. Als wir dann aus unserem alten Studio rausgeflogen sind, haben wir uns überlegt, den Spieß doch mal umzudrehen und eigene Sachen zu machen. Das wurde zum Teil auch von außen an uns rangetragen, nämlich von unserem Freund Uli, der meinte, Jungs, wenn ihr produzieren wollt, dann macht selber ein Album, das macht Sinn. Er hat uns dann geholfen, einen Verlagsdeal abzuschließen, und dann war auch ein bisschen Geld da, so dass wir anfangen konnten zu produzieren."

Silly Walks Movement

Seit elf Jahren bereichert das Hamburger Soundsystem Silly Walks die Dancehall-Szene mit ihrem unverwechselbaren Reggaesound.
Nun bringen sie ein Produzentenalbum auf den Markt, das in Europa seinesgleichen sucht und den Vergleich mit jamaikanischen und englischen Produktionen nicht zu scheuen braucht. Internationale Dancehallstars wie CéCile, Buccaneer, Pam Hall und Tanya Stephens treffen auf nationale Größen wie Gentleman, Jan Delay oder Max vom Freundeskreis.
Oliver Schrader und David Meyer zeigen bei der Auswahl der Titel, Musiker und Interpreten das gleiche goldene Händchen, das man von ihnen beim Auflegen ihrer Platten gewohnt ist.
MK ZWO: Wie kommt man als Soundsystem auf die Idee, ein Album zu produzieren? Gefielen Euch die Tracks, die auf dem Markt sind, nicht mehr?
Olli: Nein, damit hat es gar nichts zu tun. Es gibt natürlich irre viel gutes Zeug, gerade im Rootsbereich, und der ist seit über einem Jahr wieder sehr stark im Vormarsch. Aber die Idee, als Soundsystem zu produzieren, gibt schon seit 1995. Wir haben damals im Sound Navigator Studio angefangen, Sachen auszuprobieren, aber zu der Zeit ließen die Sachen sich nicht so realisieren, wie wir uns das vorstellten. Wir haben angefangen, Remixe für verschiedene Künstler zu machen, das war ein gutes Training, um sich das Produktions-Handwerkszeug anzueignen.
Mit Errichten des neuen Studios fing es an, daß wir den Spieß umdrehten. Das heißt, nicht mehr für andere Artists zu remixen, sondern an eigenen Riddims zu schrauben, um Künstler darauf voicen zu lassen.
Wir haben dann ein paar Entwürfe verschiedenen Plattenfirmen angeboten und wirklich ein sehr gutes Feedback erhalten. Zum Glück, wie ich finde, haben wir uns letztendlich für Four Music entschieden und fühlen uns da sehr gut aufgehoben.
Die Zeit ist einfach reif dafür, daß Reggae den Schritt vom Partyunderground in die Radios macht ohne dabei extrem poppig zu sein.

MK ZWO: Wie läuft bei Euch so eine Produktion ab?
Olli: Also, die meisten Titel haben wir über das Schlagzeug aufgebaut. Das heißt, wir haben die Drums live aufgenommen und die besten Teile im Computer editiert und dann neu zusammengesetzt. Dann wurde mit den nachfolgenden Instrumenten dasselbe gemacht. Die Reihenfolge war fast immer Schlagzeug, Baß, Gitarre, Keyboards und Percussion, am Schluß die Bläser. Das Prinzip war dasselbe wie beim Schlagzeug, aufnehmen, editieren und die besten Parts verwenden.
An dieser Stelle müssen wir natürlich auch ein riesiges Kompliment an die Musiker weitergeben, ohne die das Ganze in dieser Form gar nicht möglich gewesen wäre.
Die Musiker haben wirklich genau das umgesetzt, was wir uns vorgestellt haben.
Man muß hier besonders den Schlagzeuger Granville hervorheben. Ein super Drummer, besonders vom Sound her. Diesen Sound, den er spielt, gibt es wirklich nur einmal, das ist schon geil.
Oder auch Kieth, der Bassist, ich meine, eigentlich müßte ich alle aufzählen, die am Projekt mitgewirkt haben. Na ja, so haben wir den größten Teil unserer Riddims fertiggestellt.
Als nächstes wurde überlegt, welche Künstler wir generell auf der Platte haben wollen. Die deutschen Artists waren schnell ausgesucht, das Angebot ist ja auch sehr überschaubar. Außerdem wollten wir den Anteil an deutschen Songs nicht überrepräsentiert wissen. Die meisten guten Reggae-Künstler sind nun mal nicht deutsch.

MK ZWO: Die Riddims habt Ihr soviel ich weiß komplett in Hamburg produziert, die meisten Artists aber in Jamaika aufgenommen. Wie lief das ab?
Olli: Wir haben in den jamaikanischen Studios angerufen und uns Termine zum Aufnehmen geben lassen. Dann haben wir Roughmixes auf Stereospuren gezogen und alles so gut es ging für die Aufnahmen vorbereitet. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt nur wenig Kontakte zu den Künstlern, allerdings gab es eine lange Wunschliste. In Hamburg hatten wir bereits mit Tanya Stephens und Taffari aufgenommen, und Tanya hat uns Links zu einigen unserer Wunschartists verschafft. Taffari hat uns die ganze Zeit betreut, die wir auf Jamaika waren.
Sehr geholfen hat uns auch unser guter Freund Panzer vom Berliner Soundsystem Supersonic, der in Kingston sehr viele gute Kontakte hat.
Wir hatten ja leider auch nur zweieinhalb Wochen Zeit, um die Aufnahmen in den Kasten zu bekommen.
Es war sehr großes Glück, daß wir die richtigen Künstler zur richtigen Zeit getroffen haben und so effektiv arbeiten konnten. Allerdings ist es nicht immer leicht gewesen, sich in Jamaika mit Leuten zu verabreden. Im Grunde haben wir die meiste Zeit damit verbracht, auf Künstler zu warten. Wir hatten ein paar Tage so starken Regen, daß du kaum vor die Tür gehen konntest, und Artists kriegst du bei so einem Wetter schon gar nicht dazu, ihre Häuser zu verlassen.
Es grenzte teilweise schon an ein Wunder, daß wir in so kurzer Zeit soviel aufgenommen haben.

MK ZWO: Gemischt habt Ihr aber nicht in Jamaika sondern in Deutschland. Warum?
Olli: Wir haben uns mit Sven Kohlwage einen sehr erfahrenen Toningenieur ins Boot geholt und sowieso sehr genaue Vorstellungen gehabt, wie das Album klingen soll. Deshalb war es eigentlich kein Problem für Sven und David, die Sachen in Hamburg zu mischen.

MK ZWO: Wie wird es jetzt weiter gehen? Werdet Ihr eine Band zusammenstellen und mit den Künstlern touren?
David: Also, eine Band wird es in den nächsten Jahren sicher nicht geben. Aber wir werden als Soundsystem mit einigen Künstlern touren. Das steht auf jeden Fall an, wir müssen den Stuff ja unters Volk bringen. Es gibt auch schon Ideen für ein weiteres Album, aber erstmal sehen, wie es jetzt so weiter läuft.



Nun galt es, eine den Wünschen und Vorstellungen angemessene Plattenfirma zu finden, die zum einen die nötigen Mittel und zum anderen die künstlerische Freiheit bot, um den Traum vom eigenen Album zu verwirklichen: "Wir haben also ein Plattenfirmademo gemacht, mit dem wir uns vorgestellt haben. Letztendlich sind wir zu Four gegangen, weil uns deren Konzept am schlüssigsten erschien. Ich glaube, die hatten auch die realistischsten Erwartungen an uns. Wir haben seinerzeit auch Gentleman geraten, zu Four zu gehen, weil es halt ein netter, überschaubarer Laden ist und die auch wirklich hinter der Musik stehen und versuchen, mit guter Musik Business zu machen und nicht mit allen Mitteln, wie es bei den meisten anderen der Fall ist. Aber wir sind auch zu den großen Firmen gegangen und haben uns deren Angebote angehört. Interessant ist, dass bei diesen großen Firmen mittlerweile keiner der betreffenden A&Rs mehr an seinem Platz sitzt. Das gibt’s bei Four halt nicht, und das ist uns auch sehr wichtig."

"Wir haben uns zu jedem Artist überlegt, in welcher Schaffensphase die gerade stecken und was man von denen erwarten kann. Anthony B. zum Beispiel ist einer meiner Lieblingsartists, aber die momentane Quote an Treffertunes ist zu niedrig, um ihn ganz oben auf unsere Liste zu setzen. Die Angst, so nen Typen für viel Geld zu voicen und dann einen halbgaren Tune zu kriegen, war einfach da. Junior Kelly hätten wir sehr gerne gemacht, der hatte aber seinen Song nicht rechtzeitig am Start und hat dann die Insel verlassen, bevor wir was machen konnten. Aus der Bobo-Liga haben wir dann Jah Mason genommen. Und Turbulence ist halt gerade eines der Toptalente auf der Insel, der sprüht nur so vor Ideen und war ganz heiß zu voicen. Natural Black ist von der Stimme her einfach jemand, den ich ganz groß finde. Wir haben uns halt anhand der letzten Veröffentlichungen überlegt, wie hoch die Chance ist, von wem einen guten Tune zu bekommen. Taffari und Tanya Stephens haben wir hier in Deutschland aufgenommen, als die vor Ort waren. Für die restlichen Artists sind wir dann mit unseren Riddims im Gepäck nach Jamaika geflogen und haben mit dem Budget, das wir hatten, auch alle Sachen für das Album aufnehmen können. Wir hatten eigentlich den Plan, noch weitere Künstler für die Singleserien, und um die Livepräsentation ausschmücken zu können, aufzunehmen, das hat dann aber vor Ort nicht hingehauen, und wir sind auch irgendwann an eine Geldgrenze gestoßen. Wir hatten eine längere Wunschliste von potentiellen Kandidaten, die in verschiedene Stile gegliedert waren wie klassischer Rootssänger, weibliche Dancehallsängerin oder Deejay. Mit Abijah oder Uton Green hätten wir auch gerne was gemacht, aber die waren nicht verfügbar. Warrior King war in ein festes Projekt eingebunden und hatte keine Zeit. Ginja wurde von seinem Ziehvater Beres Hammond abgesegnet, der auch beim Voicen dabei war. Wir mussten ihm (Ginja) viermal erzählen, dass wir jetzt aufnehmen können, der wollte das erst gar nicht glauben, weil Beres sonst sehr strikt ist, was alles außerhalb von Harmony House (das hauseigene Label) angeht. Beres hat uns zugesagt, was zu machen, will aber in Ruhe seinen Song schreiben, und so ist das in der kurzen Zeit, die wir unten waren, nichts geworden."

Somit stehen schon genügend neue Pläne ins Haus, die die beiden auf Trab halten werden. Als nächstes kommen jetzt erst einmal die weiteren Stücke zu den auf dem Album vertretenen Riddims nach und nach auf Single raus (das Artwork für diese ziert auch das Albumcover): "Die Selections für die 7" Releases stehen, und wir wünschen uns, dass das eine Sache wird, die sich selber trägt, also dass wir von den Verkäufen nicht nur die nächsten Pressungen, sondern auch die Künstler bezahlen und auf dieser Grundlage weiter arbeiten können." Das bleibt abzuwarten, doch auf ein besseres Fundament, als Olli und David es sich mit dem entgegen vieler Vermutungen namenlosen Erstlingswerk geschaffen haben, könnten die beiden nicht bauen.