treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

JENSEITS VOM CHRISTKINDLMARKT // DER neue TREIBHAUS-PASS // & MORE.

Den Treibhaus-Konzert-Paß (gilt bis 30.6.'20) oder Eintrittskarten als erlesene Genschenks-Papiere: das Winter & Frühjahr bereits im Vorverkauf. Von Rebekka Bakken bis John Scofield bis Lola Marsh, von Mascheks Jahresrückblick bis Manuel Rubey. Den Paß gibts endlich online - mit dem Link d(r)oben im Menu!

ROSENGEWITTER

DAS HOHe LIeD SALOMOS. eine bibelversuchung

Nach dem großen Erfolg der Rilke - Unternehmung nun eine Bibelversuchung: Das Theaterensemble Rosengewitter gastiert mit seiner sinnlich – provokanten Produktion „Das Hohelied Salomos“. Ein intensives Turm–Erlebnis ist auch bei diesem Abend garantiert. Rosengewitter wirbelt den Staub auf zwischen den Bibelseiten und nimmt das Publikum mit in einen der schönsten Texte über die Liebe. Dabei werden Nacktheit und Verhüllung, Berührung, Verletzung, die Pornographie des Blicks und territoriale Anmaßung unwillkürlich zum Thema. Wer sind die "Töchter Jerusalems"?
Wie schon bei Rilkes "Duineser Elegien" begegnen einander Sprache, Stimmen und Instrumente auf die für Rosengewitter unverwechselbare Weise.

Rosengewitter wieder in Innsbruck!

Nach dem großen Erfolg der Rilke - Unternehmung im Februar nun eine Bibelversuchung: Das Theaterensemble Rosengewitter gastiert mit seiner sinnlich – provokanten Produktion „Das Hohelied Salomos“ im Treibhaus. Ein intensives Turm–Erlebnis ist auch bei diesem Abend garantiert.

Am 12., 14., und 15.  Jänner wirbelt  wirbelt Rosengewitter den Staub zwischen den Bibelseiten auf und nimmt das mit in einen der schönsten Texte über die Liebe. Dabei werden Nacktheit und Verhüllung, Berührung, Verletzung, die Pornographie des Blicks und Publikum territoriale Anmaßung unwillkürlich zum Thema. Wer sind die "Töchter Jerusalems"?

Wie auch schon bei Rilkes „Duineser Elegien“ begegnen einander Sprache, Stimmen und Instrumente auf die für Rosengewitter unverwechselbare Weise.

Rosengewitter freut sich, mit der wunderbaren Sängerin Gina Duenas Silverio eine Innsbrucker Künstlerin in den Abend zu integrieren. - Eine besondere Begegnung, die auch etwas über Wanderung und das Ankommen in der Fremde vermittelt.

Noemi Fischer bringt vom 16. - 17.Jänner  in einem Wochenendworkshop die Zusammenhänge von Atem, Stimme und Körper näher. - Ein Blick hinter die Trainingskulissen von Rosengewitter.



Rosengewitter
Das Hohelied Salomos. Eine Bibelversuchung


Regie: Noemi Fischer

Spiel:
Noemi Fischer
Marie-Theres Preitschopf
Linda Sykora

Musik:
Kaoru Asayama - Geige
Ruei-Ran Wu - Bandoneon, Klavier
Markus Maurer - Saxophon, Trompete

Licht & Ton: Gordana Crnko

Dramaturgie: Hagnot Elischka
Musikdramaturgie: Ruei-Ran Wu

Produktion: Andreas Payer



ZU: ROSENGEWITTER UNTERNIMMT RILKE

Bejubelt von Wien bis Berlin -  Rosengewitter tourt mit seiner poetischen Bearbeitung von Rilkes Elegien durch den deutsch-sprachigen Raum. Das Wiener Theaterensemble bietet seinem Publikum ein szenisch und musikalisch dichtes Raumerlebnis. Stimmen, Instrumente und Bilder verschmelzen in der für Rosengewitter unverwechselbaren Weise.
Der Abend dauert nicht ganz 3 Stunden. Zwei Pausen, in denen die anwesenden Menschen versorgt und überrascht werden, sind Teil der intensiven Reise durch die conditio humana.
Bei Rosengewitter kann man Denken spüren.  
„Rilkes Verse werden in wunderbaren (Klang-)Bildern verdoppelt und es wird ihnen so eine prickelnde Greifbarkeit verliehen. … Dank Rosengewitter lernt man Rilkes Elegien nicht nur zu hören, sondern auch zu spüren“, Steirerkrone, 10.10.08
„wild überschäumende Polyphonie“, Ö1 Leporello, Dez. 07


"Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? Und gesetzt selbst, es nähme einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich."
R.M.Rilke,1.Elegie

1912 auf Schloss Duino bei Triest begonnen, Unterbrechung: 1.Weltkrieg, 1922 auf Schloss Muzot fertig gestellt - die „Duineser Elegien“ sind kein Wurf, sondern das Ergebnis einer langen Auseinandersetzung des Dichters mit existentiellen Fragen vor dem Hintergrund einer Zeitenwende und des ersten „modern“ geführten Krieges globalen Ausmaßes.
Sie sind inhomogen und schwer zugänglich, berauschend und verstörend, schön und sperrig. Ein Steinbruch, in dem wir das Rohmaterial für überraschende Verknüpfungen finden.

Bei dem Versuch, diesen über die Konsumierbarkeit hinaus gedichteten Zyklus zu erschließen, überprüfen und entwickeln wir auch unsere Mittel, unser Verhältnis zu Sprache und Sprachperfektion, zu Klang, Musik und Begriff, zu Mythos und Abstraktion. - Eine Tour de force durch die Rezeptionsklischees des 19.Jahrhunderts. Eine historische Übung.

Dieser große Text führt uns an die Anfänge des Immer-fremder-Werdens. Wir schauen am Beginn des 21. Jahrhunderts zurück an den Beginn jenes Jahrhunderts, das uns immer nur eingeholt hat, ohne uns die Chance zu geben, in ihm anzukommen.
Die „Elegien“ sind zugleich ein Meisterstück der „hohen Form“ und ihrer Fragmentierung. Der Text funktioniert, wenn man so will, digital. Es ist sehr spannend, ihn aus seiner Struktur heraus zu arbeiten, ihm unsere mediale und digitale Wahrnehmungsweise zur Verfügung zu stellen und ihn so ein Stück zu sich zurück zu führen, hinaus aus dem Schönklang der Rezitation, der unerbittlich in unseren  Köpfen nachhallt und die potentielle Aussage dieses Meisterwerks im historischen Sentiment verhüllt.
Was uns das bringt? Herkunft, Identität und Test.

Warum für die Bühne?
Damit wir sie hörend sehen können, all diese Stimmen, die hier den Diskurs führen, in Bilder kippen, Visionen haben und Zusammenhänge sprengen, um sie an andere Stelle neu zusammenzufügen. Ihren Zusammenklang, ihren Widerspruch, ihre Körper.

Die „Elegien“ fordern unserem Sprachdenken, unserer Konzentration und unseren Stimmen alles ab. Sie fordern, dass wir in Beziehung gehen. Gut so!

Mit
Hagnot Elischka
Noemi Fischer
Barbara Lehner
M.T. Preitschopf
Linda Sykora

Musik
Bandoneon & Klavier Ruei-Ran Wu
Geige Kaoru Asayama
Saxophon & Trompete Markus Maurer
Licht & Ton Gordana Crnko
Visuals Bernhard Hochreiner, Querschuss
Dramaturgie Hagnot Elischka, Noemi Fischer, Ruei-Ran Wu
Regieassistenz Jan Jedenak
Produktionsassistenz Lisa Benischek

Regie Noemi Fischer
Produktion Rosengewitter

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über ROSENGEWITTER UND das RILKE-UNTERNEHMEN


Aus dem Dunkel lösen sich Urlaute, ein tiefes Brummen, ein Summen, das erst nach und nach als menschliche Stimme erkennbar wird. Ein langsam anschwellendes Wehklagen, aus dem sich schließlich der erste Satz formt: „Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen.“

Noemi Fischer unternimmt den beeindruckenden Versuch, Rilkes „Duineser Elegien“, an denen selbst große Rezitatoren wie Oskar Werner würdevoll gescheitert sind, als sinnlich-meditatives Theatererlebnis aufzubereiten. Klar und unpathetisch, manchmal auch leicht lasziv, witzig oder frech, werden Rilkes Verse von Noemi Fischer und Hagnot Elischka als Zwiegespräch, als Beziehungsdialog zwischen Mann und Frau, als Abgesang auf eine Liebe, vorgetragen. Eine ganz neue Form der Lyrikvermittlung, die sich doch auch ganz alter Mittel bedient. Ein Sprechchor begleitet die Handlung, musikalische Improvisationen (Violine, Saxofon, Bandoneon) helfen, die unterschiedlichen Stimmungen zu erspüren und das Unfassbare von Rilkes Worten fassbar zu machen.

Doris Glaser, Ö1

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Danke… für diese wunderbare Reise durch so viele Bilder, Räume, Überraschungen, Phantasien, Gedanken, Erinnerungen, Anregungen! Wir haben es sehr genossen und noch viel darüber diskutiert. Ich hab die Elegien nie alle auf einmal gelesen oder gehört, geschweige denn dargestellt gesehen, und die Dichte wirkt ganz anders, als ich es erwartet hatte. Allein die dramaturgische Aufteilung war unglaublich spannend, und energetisch ist es von euch allen eine Riesenleistung.

Ich hab in der Drachengasse noch nie eine derartige Epik erlebt. In der Zehnten Elegie hatte ich sogar das Gefühl, wir alle sind eine Reisegruppe, die zusammen einen langen Weg zurückgelegt hat und nun einträchtig – egal ob Spielender oder Zuschauer-Mitspieler – zu lesen beginnt. So wie ihr haben auch wir Lust gehabt, die Texte aufzuschlagen, und es hätte mich nicht gewundert, wenn jeder ein paar Zeilen von sich gegeben hätte… Eine ganz eigene Stimmung. Wenn man in die Drachengasse geht, ist es ja meistens gemütlich und kurz, oft heiter und man ist nie in so vielen Räumen dort! Was du aus den paar Quadratmetern zu machen verstehst ist gigantisch. Meine allergrößte Hochachtung, auch vor deinem Team, das fast zur Gänze bis ins Detail ideal ist. Allein, wie ihr mit euren Instrumenten arbeitet, ist so vielseitig, wie es ein 100-Menschen-Orchester nicht sein könnte. Dass dein kleiner Körper so gewaltige Laute ausströmen kann, hab ich zuerst nicht glauben können. Ich hab mich echt bedroht gefühlt am Anfang. Und einen Lautsprecher gesucht oder ein Alphorn oder eine Posaune im Finstern. Bis dann bei dem genialen Übergang in gesprochene Sprache klar war, dass das wirklich nur du warst. Die Pausen-Maus (Tschuldigung) hat mich immer wieder überrascht - sobald ich ihren Charakter eingeordnet hatte, hat sie sich wieder gewandelt…

Es war so kraftvoll, dass ich noch jetzt dort bin, Stunden später und nach einem Abendessen, einer Nacht, einem Einkauf und einem beruflichen Termin… Jetzt hör ich auf zu schwärmen, sonst arbeit ich heut nix mehr.

Großes Kompliment!
Verena Kalenda, ORF

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Wenn Sprache Texte erfahrbar und darstellende Kunst Situationen erlebbar macht, dann entsteht für uns Publikum ein sinnlicher Mehrwert, der eben über Text und Situation hinausgeht. Noch selten habe ich diesen Mehrwert so großzügig angeboten bekommen wie bei Rosengewitter.

Ohne Verkleidung und ungefährdet, einer eventhaften oder modisch-trashigen Versuchung ausgesetzt zu sein, erzeugt Rosengewitter eine Bilder- und Sprachflut, die ihre Wurzeln ebenso im Theater wie im Tanz oder in der Performance der bildenden Kunst hat. Bei ihren Arbeiten entsteht eine sinnliche, manchmal fast brachiale Kraft, die ich eher von skulpturalen Installationen kenne, die aber durch das gesprochene Wort einen zeitlichen Bogen spannt, die immer stringent am zugrundeliegenden Text bleibt und dadurch das theatral Erlebte zu einem klaren Gedanken verdichtet. Bei Rosengewitter kann man Denken spüren.

Dunkelheit, Licht, Klänge, Worte, Stimme, Kälte, Wärme, Außen und Innen werden zu Vokabeln in einer Sprache, die einen Text nicht nur sagt, sondern auch meint.

Sinnlich starke und mutig gedachte Performance-Kunst.
Charly Fehringer, Raumkonzepte und Ausstattung

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Noemi Fischer und ihre Kompanie "Rosengewitter" stehen für mich für eine einzigartig interessante Kombination von moderner Textauffassung, konzentrierter Körperarbeit, sowie ihrer stimmlichen Übersetzung in den Raum.

Tom Feichtinger, Schauspiel

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Im Oktober 2007 arbeitete ich als Regieassistent das erste Mal mit Rosengewitter für Rilkes Duineser Elegien zusammen.

Aufmerksam geworden auf dieses außergewöhnliche Ensemble bin ich durch einen Atem-, Stimm und Körperworkshop. Mich interessierte, wie Rosengewitter seinen speziellen Umgang mit Atem, Stimme und Körper auf die theatrale Praxis anwendet.

Bei der gemeinsamen Arbeit an den Elegien lernte ich mir bis dahin unbekannte Arbeits- und Spielformen kennen, die das Ensemble mit großer Professionalität entwickelt hatte. Und die sich von jeglicher Spielkonvention absetzen. Die anfängliche Skepsis, Lyrik in einen szenischen Prozess einzubinden, wich der Anerkennung für das Rosengewitter: sie haben einen Zugang gefunden, mit den Stimmen, dem Körper und der Musik Lyrik zu beleben und sinnlich wahrnehmbar zu machen.

Das Ensemble ist in der Lage, einen Text, welcher Art auch immer, in einem Raum so präsent und greifbar zu machen, dass regelrechte Wort- und Klangwelten entstehen. Viele Sinne werden dabei geweckt und angesprochen.

Die zweite Zusammenarbeit kam im Mai 2008 zustande, für „Das Hohelied Salomos. Eine Bibelversuchung“. Hier ließ sich schnell erkennen, was das Ensemble seit dem Jahr 2007 getan hatte: weiterhin stark an sich gearbeitet. Alles war aufs Feinste aufeinander abgestimmt. Sie haben ihren Zugang zu theatralen Prozessen weiter ausgebaut und professionalisiert und ihre eigene Ausdrucksform, die viele Menschen anspricht und berührt, gefestigt. Auch lassen sich zunehmend Tendenzen von Tanz- und Körpertheater entdecken, was die Arbeit zusätzlich bereichert und zeigt, wie umfassend das Ensemble ausgebildet ist.

Damit hat sich Rosengewitter einen Platz geschaffen, der einzigartig ist und eine interessante Facette im Theater- und Performancebereich bietet - Rosengewitter bereichert die Kulturlandschaft Wiens.

Jan Jedenak, Regieassistenz