treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

DAS TREIBHAUS HAT GESCHLOSSEN. DAMITS BALD WIEDER AUFSPERREN KANN

TROST & ERMUTiGUNG: LiEBE iN ZEITEN DER CHOLERA *** täglich gibts auf dieser seite ein neues trostpflaster aus der treibhaus-suppenküche * verbandwechsel ist jeden tag um 6nach6 * zum nachschauen gibts den link oben (radio / tv) - die coronathek * heute ab 18:06 : APRESSKITIROL. von der schatzibar bis ins kitzloch. ein gedicht. geschrieben hats das land tirol. die musik ist von bert breit, gelesen hats rainer egger.

SOLVEIG SLETTAHJELL

Jeder Takt ein Gemälde:  Der Triumph Der Langsamkeit

Bei ihr schmeckt Jazz nach Erde,Pop duftet nach frisch geschlagenemH olz, und das, was SolveigSlettahjell Country nennt, leuchtet
wie reife Beeren in der S onne.Kurz: E s liegt ein geheimnisvoller Zauber übe die stille, tiefgründige Musik
der fabelhaften norwegischen Sängerin.
Solveig Slettahjell versteht es, Langsamkeit zu zelebrieren. Spätestens seit Sten Nadolny’s Welterfolg “Die Entdeckung der Langsamkeit“ weiß man: Langsamkeit wirkt wie ein Vergrößerungsglas, der Blick schärft sich, der Langsame sieht mehr – Solveig Slettahjell lehrt uns, dass der Langsame auch mehr hört bzw. zu Gehör bringt. Ihr Slow Motion Quintet stellt  eindrücklich unter Beweis, wie suggestiv und sinnlich, wie facettenreich und überraschend neu Töne und Texte erklingen können, wenn sie aus einer bewussten musikalischen Gelassenheit und Ruhe heraus entstehen: Lider, die ins Herz treffen

Lieder, die ins Herz treffen

Solveig Slettahjell: vocals, piano
Sjur Miljeteig: trumpet
Andreas Ulvo Langnes: piano
Jo Berger Myhre: bass
Per Oddvar Johansen: drums

"Solveig Slettahjell hat für den Jazz das geleistet, was James Joyce für den Entwicklungsroman tat; sie hat die Form völlig auseinander genommen und noch einmal neu angefangen." (Stuart Nicholson, Observer, November 2005 Music Monthly )
Das Slow Motion Quintet zelebriert die hohe Kunst der Ellipse, der Betonung durch Aussparung von Strukturelementen, die sich aus dem Sinnzusammenhang ergeben. Wie zum Beispiel der Beat, den ohnehin jeder spürt.


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Solveig Slettahjell ist keine von den Sängerinnen, die sich schick auf Jazz schminken und dann eine Horde von namenlosen Musikern eine stilsicher unauffällig swingende Begleitung spielen lassen. Nein, Solveig Slettahjell ist eine von den musikalischen Sängerinnen, für die Gesang mehr bedeutet als das Absingen von Songs: mehr Körper, mehr Dringlichkeit, mehr Musik.
Als Musikerin hat sie ihr Slow Motion Quintet: Bass, Schlagzeug, Keyboards, Trompete und Gesang. Das erhöht natürlich den Standard: denn als fünftes Instrument muss sich ihr Gesang an den professionellen Maßstäben der Instrumentalisten messen lassen: sie muss treffsicher sein in Intonation und Phrasierung, voll und wandlungsfähig im Ton, abwechslungsreich und phantasievoll. Und die Instrumentalisten messen sich wiederum an der Wärme und emotionalen Dichte, die die Sängerin auf die Bühne zaubert.
Slow Motion, das ist natürlich Programm: Zeitlupe, Lupe. Damit man genauer hören kann. Das klappt im Zusammenspiel mit uns Zuhörern in der Fabrik ganz fabelhaft: wenn die Band alle Dynamik nach unten fährt, das Tempo drosselt, bis kaum noch etwas zu hören ist, außer der Schlieren, in denen sich die Harmonien fortbewegen, vielleicht einiger zarter Wellen, in denen die Trompete eine Melodielinie umschmeichelt und des ganz leichten Luftzuges, zu dem sich die Stimme der Sängerin verdichtet hat.
Das Slow Motion Quintet zelebriert die hohe Kunst der Ellipse, der Betonung durch Aussparung von Strukturelementen, die sich aus dem Sinnzusammenhang ergeben. Wie zum Beispiel der Beat, den hier ohnehin jeder spürt. Und je leiser sie wird, je zarter sich die Pastelltöne der Songs abzeichnen, desto ruhiger und freier wird der Raum. Alles räumen wir zur Seite, um diesen Rest von Stimme in aller Ruhe und durch die Lupe ganz genau hören zu können. Und dann legt sie plötzlich los, plötzlich rockt diese Stimme, diese Band: Nina Simones \"Nobody\'s Fault But Mine\" verwandelt sie in einen wüsten Bluessongs, in dem sich alle Stimmen bis an den Rand der Erschöpfung überschlagen. (Stefan Hentz)



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Jazzzeitung: Warum bevorzugen Sie dieses zerdehnte, sehr langsame Tempo für Ihren Gesang und die Band? Was steckt hinter der Idee Ihres Slow Motion Quintet?
Solveig Slettahjell: Das geschieht vor allem, weil mir die Langsamkeit ganz natürlich erscheint. Nicht etwa aus einer Protesthaltung heraus gegen die allgegenwärtige Beschleunigung unseres Lebens. Als ich ein Kind war, hab ich dasselbe bereits mit anderen Liedern gemacht. Das ist ein sehr alter Zugangsweg für mich. Der Name der Band kommt ja ursprünglich aus dem Sprachgebrauch des Films – Slow Motion heißt Zeitlupe. Und sie wird normalerweise benutzt, um Details zu klären. Zum Beispiel, wer zuerst die Spielfeld-Linie überquert hat – bei Sport-Events.

Jazzzeitung: Und sie wirkt pathetisch – die Zeitlupe überhöht das Geschehen…
Slettahjell: Absolut! Es geht um die Balance zwischen beidem. Wenn man das Tempo verringert, kristallisieren sich die Details erst heraus, alles wird offener, luftiger: Der Raum wird vertieft, in dem man hört.

Jazzzeitung: Ihr Gesang erinnert entfernt an die englische Punk- und Popsängerin PJ Harvey – ein Zufall?
Slettahjell: (lacht) Nein – ich habe tatsächlich ziemlich viel Punk gesungen in der Vergangenheit. Ich hatte eine entsprechende Band – in den 90ern haben wir uns mit PJ Harvey befasst.
Es gibt aber auch andere Sängerinnen, die mich sehr inspiriert haben. Aretha Franklin, Billie Holiday, Peggy Lee, Sidsel Endresen; außerdem der Cool- Jazz-Trompeter Chet Baker – da kommt alles Mögliche zusammen.

Jazzzeitung: Warum haben Sie die romantische Ballade „Moonriver“ für Ihr Album „Silver“ ausgewählt? Sie wurde einst mit Hollywoodschauspielerin Audrey Hepburn als Holly Golightly weltberühmt – 1961 in der Truman-Capote-Verfilmung „Frühstück bei Tiffany“…
Slettahjell: Ich finde, das ist ein wunderschöner und sehr hoffnungsvoller Song. Ganz im Gegensatz zur Situation der Filmfigur, die ja inmitten ihrer oberflächlichen Betriebsamkeit ziemlich hoffnungslos und einsam erscheint. Ich mag solche Stoffe, die ein Paradox beinhalten. Und ich habe auch eine wunderbare persönliche Erinnerung an dieses Lied, das sich nämlich mein Bruder für seine Hochzeit ausgesucht hatte – für das Eheversprechen und das war dann einfach so schön, dass ich prompt in Tränen ausgebrochen bin – während des ganzen Lieds musste ich also weinen… Das war allerdings die Frank-Sinatra-Version (lacht). Wissen Sie, so ist das eigentlich mit jedem Song, den ich mir als Interpretin aussuche. Er muss seinen Weg finden durch meine Weltanschauung hindurch und mich im Herz treffen, damit ich wirklich etwas mitteilen kann. Das ist der wichtigste Code. Es gibt ja vieles, das ich mehr mag als irgendetwas anderes, doch ich bin sehr fasziniert von Stoffen, in denen eine Art von Klischee steckt. Man kann einen ganz anderen Zugang zu ihnen entdecken und dann öffnet sich das Klischee plötzlich und macht etwas Neues möglich, gerade weil es ein Klischee ist. Es ist genau diese Begrenzung, die dabei neue Möglichkeiten eröffnet.

Jazzzeitung: Sie denken da an eine Spiegelwelt für eigene Gefühle?
Slettahjell: Ja – und gerade weil die Menschen bereits so vorhersehbare Erwartungen mitbringen, wie dieser Song klingen sollte, entsteht die Spannung für eine völlig neue Form von Interpretation.

Jazzzeitung: Ihr Album „Silver“ beginnt mit einem Abschiedslied von Tom Waits und endet mit Jerome Kerns „Looking for the silver lining“, wo es dann heißt: Versuch die Sonnenseite des Lebens zu finden. Wollten Sie damit eine bestimmte Aufbruchsstimmung darstellen?
Slettahjell: Nun – so ist das Leben ganz einfach. Traurig und ermüdend – aber es gibt immer die Wahl, das Beste daraus zu machen. Jeder hat diese Erfahrung schon mal gemacht. Menschen gehen fort – neue Erfahrungen kommen.



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Solveig Slettahjell (sprich: Sulwej Schlettajell) wurde 1971 in Bærum nahe Oslo geboren und wuchs in der kleinen Stadt Orkanger bei Trondheim auf. Da ihr Vater Pastor war, verbrachte sie ihre Kindheit sozusagen in der Kirche. Mit sieben Jahren begann sie im Chor zu singen und begleitete verschiedene Jugend- und Gospelchöre auf dem Piano, seitdem sie 13 war. Sie sang und spielte ihre eigenen Adaptionen von Hymnen, Spirituals und  norwegischen Folksongs ebenso wie erste eigene Kompositionen.

Studium.
Solveig erhielt klassischen Gesangs- und Klavierunterricht am musischen Gymnasium von Trondheim,  bevor sie ab 1992 an der Norwegischen Musikakademie Jazz studierte. Hier traf sie Sidsel Endresen, die sie zwischen 1993 und 2000 ausbildete. Ihr Abschlussexamen bestand in einer Arbeit über die rhythmischen Aspekte der Phrasierung und einem Konzert, das den Grundstein für das Slow Motion Konzept legte.

Projekte.
An der Norwegischen Musikakademie stieß Solveig auf den Pianisten Håkon Hartberg, mit dem sie das Slettahjell/Hartberg Duo formierte. Ihr Repertoire bestand aus eigenen Versionen von Country-Songs, Jazz Standards, norwegischen Folksongs, Kinderliedern sowie Musik von Prince, Tom Waits oder anderen Popgrößen. Das Slettahjell/Hartberg Duo sollte Solveigs wichtigstes musikalisches Projekt bis 1996 bleiben.

1995 schloss sich Solveig der Band Squid an, die auf der Basis von Soul, Acid-Jazz und Funk eigene Kompositionen spielten. Bis zur Auflösung der Band im Jahre 1999 gaben sie zahlreiche Konzerte und nahmen 1998 das Album "Super" auf.1997 wurde sie neben den Jazzsängerinnen Eldbjørg Raknes, Kristin Asbjørnsen, und Tone Aase Mitglied des experimentellen norwegischen Vokal-Quartetts Kvitretten. Das Repertoire bestand teils aus Eigenkompositionen der Vokalistinnen, teils aus Stücken zeitgenössischer norwegischer Jazzmusiker. Das Quartett tourte durch Finnland, Deutschland, Schweden und Norwegen und arbeitete mit vielen Musikern, Vokalgruppen und Dichtern zusammen, bevor es sich 2002 auflöste. Solveig nahm zwei Alben mit Kvitretten auf: "Everything turns" (1999) und "Kloden er en snurrebass som snurrer oss" (2002) mit dem norwegischen Dichter Torgeir Rebbolledo Pedersen.

Vokalensembles spielten schon immer eine wichtige Rolle für Solveig Slettahjell. So arbeitete sie über drei Jahre im Trio vonDrei. Dieses Trio konzentrierte sich auf klassische zeitgenössische Musik und den Crossover zu improvisierter Musik. Solveig war darüber hinaus auch Mitglied der Trondheim Voices, einem größeren Vokalensemble, zu dem auch Eldbjørg Raknes and Live Maria Roggen (von Come Shine) gehörten.2002 wirkte Solveig in Sidsel Endresens Projekt Living Rooms mit, das für das norwegische Jazzfestival Nattjazz entstanden war. Im Dezember 2005 wird sie erneut mit Sidsel Endresen zusammenarbeiten, diesmal an ihrem Stück für vier Sänger, das für das "Norwegian Voices" Konzert in London geschrieben wurde.

Solveig Slettahjell ist darüber hinaus als Gast auf einigen Platteneinspielungen zu hören, so u.a. auf Jon Balkes "Batagraf" oder auch neben Trompeter Sjur Miljeteig, (Mitglied des Slow Motion Quintet) und dem Schlagzeuger Peder Kjellsby (der sechs Songs für Solveigs Album "Pixiedust" schrieb) auf dem Album "Burglar Ballads" von Friko.

Auszeichnungen.
Solveig Slettahjells Slow Motion Quintet erhielt im Februar 2005 den "Spellemannsprisen", den norwegischen Grammy, für das Album "Silver". Im Juli 2005 wurde sie auf dem Kongsberg Jazzfestival mit dem "Vital-price", und eine Woche später auf dem Internationalen Jazzfestival Molde mit dem "Radka Toneff`s Memory Award" ausgezeichnet.

Lehrtätigkeit.
Solveig Slettahjell ist seit zehn Jahren als Dozentin für Jazzgesang tätig. Seit 1997 unterrichtet sie am Agder University College und seit 2000 auch an der Norwegischen Musikakademie.