treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

JENSEITS VOM CHRISTKINDLMARKT // DER neue TREIBHAUS-PASS // & MORE.

Den Treibhaus-Konzert-Paß (gilt bis 30.6.'20) oder Eintrittskarten als erlesene Genschenks-Papiere: das Winter & Frühjahr bereits im Vorverkauf. Von Rebekka Bakken bis John Scofield bis Lola Marsh, von Mascheks Jahresrückblick bis Manuel Rubey. Den Paß gibts endlich online - mit dem Link d(r)oben im Menu!

ADAM BALDYCH

THE NEW TRADITION: zwei Genies am werk: ADAM BALDCH violine - polen  / YARON HERMAN piano - israel

Der junge Pole mischt die europäische Jazzszene mit seiner Musik mächtig auf. In Deutschland erhielt er 2013 den ECHO Jazz, der Musikmarkt nennt Bałdych einen „göttlichen Teufelsgeiger“.
Sein Duo-Partner auf „The New Tradition“ ist nicht weniger prominent: Der israelische, in Frankreich lebende Pianist Yaron Herman gehört längst zur Speerspitze des europäischen Jazz und ist „einer der kreativsten Köpfe der Jazzwelt“ (Kulturnews).
Zwei musikalische Seelenverwandte gehen nun einen gemeinsamen Weg, der „The New Tradition“ heißt: Eine Expedition, die von bekannten Pfaden ausgehend neue Spuren hinterlässt. Ganz aufeinander vertrauend, setzen Bałdych und Herman Maßstäbe im zeitgenössischen Jazz. Ein intensiveres und selbstverständlicheres Zusammenspiel hat man selten gehört. Kein Kräftemessen, sondern virtuos und hochemotional, voller Tiefe und Seele, machen Bałdych und Herman einfach nur Musik. Stile werden überschätzt, in ihrem Zusammenspiel geht es einfach nur darum, die Zuhörer zu berühren.

Adam Baldych gehört sicher zu den grossen Talenten des europäischen Jazz. Ein erstes Zeichen dafür setzte die Jury des deutschen ECHO Jazz Awards, die ihn dieses Jahr in seiner Kategorie für sein ACT-Album «Imaginary Room» auszeichnete.
Baldych galt schon früh als Wunderkind. Und schon früh wandte er sich neben der klassischen Ausbildung dem Jazz zu, der ihm die Freiheit gab, sich musikalisch auszudrücken.
Der in New York lebende, erst 26-jährige Musiker ist in diesem musikalischen Schmelztiegel jedoch gezwungen, die Ausrichtung seines Instrumentes zu hinterfragen. Er transponiert seine Geige in den Gegenwartsjazz, verbindet seinen Sound auch mit Elementen aus der klassischen Musik und spielt in diesem Spektrum, ohne ins Avantgardistische zu verfallen, einen gekonnt eigenen Stil, gekonnt wie kaum ein Vertreter dieses Instrumentes je zuvor, polnische Landsleute wie zum Beispiel Michael Urbaniak mal ausgenommen.
Nun paart er sich mit einem anderen Ausnahmekönner, dem gut 30-jährigen israelischen Ausnahme-Pianisten Yaron Herman, der – obwohl er erst mit 16 das Piano zu spielen begann – sich schon jetzt in die Galerie der Grossen wie Monty Alexander, Jacky Terrasson einreihen kann. Herman, im Februar 2011 schon mal zu Gast im Kulturschuppen, spielt mit unglaublicher Intensität und hinreissender Musikalität, verbindet ohne Scheu Disney-Melodien, israelische Folklore, Jazz und europäische Klassik zu einzigartigen, als Pop-Standards angelegten Stücken voller Originalität, Authentizität und Emotionen.
So treffen sich zwei Expemplare junger Musiker, die in aller Frische immer neue Wege zu ihrer musikalischen Identität suchen und sie im Dialog ihrer Instrumente auf einzigartig spannende Weise finden und in ihren Konzerten virtuos zum Besten geben.



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ADAM BALDYCH

„Zweifellos der größte lebende Geigentechniker des Jazz. Von ihm kann man alles erwarten“, schrieb die FAZ nach dem umjubelten Auftritt des erst 26-jährigen polnischen Geigers Adam Bałdych beim Jazzfest Berlin 2011. Auf „Imaginary Room“, seinem ersten Album für das Label ACT, erlebt man einen Jazzgeiger, wie man ihn noch nie gehört hat: Hier klagt und schluchzt nichts, eher erinnern Bałdychs technisch atemberaubende Linien an die eines Bläsers, und mehrstimmige Passagen an das Akkordspiel eines Pianisten, immer unterlegt von einem leicht rauhen, bluesigen Unterton. Zuletzt sorgte er auf der JazzBaltica 2012 und dem Montreux Jazz Festival für Furore und macht klar: Europa hat einen neuen Jazz Star!

Seit Zbigniew Seifert, der das Spiel auf der Jazz-Violine ähnlich revolutionierte wie John Coltrane das Tenorsaxofon oder Jimi Hendrix die elektrische Gitarre, zieht sich durch den polnischen Jazz eine einzigartige Linie großer Geiger von Michal Urbaniak über Krzesimir Debski bis Henryk Gembalski. Letztes Jahr veröffentlichte Seiferts Gitarrist und Weggefährte Jarek Smietana sein Album Tribute to Zbigniew Seifert, auf dem neben Jerry Goodman und Didier Lockwood auch der junge polnische Geiger Adam Baldych zu hören ist.

Nicht nur in seinem Ton, sondern auch in seinem ganzen Verständnis für Klang, Energie und musikalische Logik scheint Seifert 30 Jahre nach seinem Tod in der Person Baldychs Auferstehung zu feiern. Seine CD Magical Theatre gehört zu den spannendsten Geigenplatten seit Jahren.


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Es gibt musikalische Geschichten, die nur der Jazz schreiben kann: Ein polnischer Teufelsgeiger trifft einen italienischen Akkordeon-Weltmeister. Sie nehmen einen algerischen Bassisten und einen französischen Schlagzeuger hinzu. Und fertig ist ihr neues Quartett. Nur: Die vier Musiker werden sich im März erst am Tag vor ihrem ersten Konzert zum ersten Mal sehen und proben dann ihr neues Konzertprogramm.

Möglich macht das der Jazz als universale Sprache. Und möglich macht das auch die Neugier der Musiker, mit ihnen noch unbekannten Kollegen zusammen zu kommen und kreatives Neuland zu betreten. Spannend wird dies bei diesem Quartett insbesondere, als alle vier Mitglieder aus unterschiedlichen kulturellen Kreisen mit grosser musikalischer Geschichte stammen, die jeweils das Spiel des betreffenden Musikers beeinflusst. So ist bei Luciano Biondini nicht nur die gesamte italienische Klassik herauszuhören, sondern auch die lebendige mediterrane Folklore. Und bei Baldych als jüngstem Bandmitglied scheint sowohl die polnische Klassik durch als auch die moderne Popkultur. Die meisten von ihnen haben zudem eine grundlegende klassische Ausbildung, die sich nicht nur in der virtuosen Beherrschung des Instruments niederschlägt, sondern auch in den Einflüssen auf die Musik ausdrücken wird.

Mit solchen Geschichten sorgt der Jazz immer wieder für spannende Momente und neue musikalische Offenbarungen. Auch beim Baldych / Biondini Quartet darf das Publikum die Erwartungen hoch ansetzen. Und mit grösster Sicherheit werden sie auch erfüllt werden.


Adam Baldych: Der polnische Geiger ist daran, seine Karriere als Jazzmusiker zu lancieren. Für sein erstes Album beim renommierten Label ACT hat er bereits den ECHO Jazz Award erhalten.

Luciano Biondini: Der mehrfache italienische Akkordeon-Weltmeister war jahrelang in der klassischen Welt zu Hause, bevor er für eine Weile verstummte und dann im Jazz wieder seine Stimme fand.

Michel Benita: In Algerien geboren lebt er heute in Frankreich und hat sich in der europäischen Szene als einer gefragtesten Bassisten etabliert.

Philippe Pipon Garcia: Der französische Schlagzeuger und Perkussionist hat ebenfalls eine klassische Ausbildung hinter sich. Lebte dann mehrere Jahre in der Türkei und etablierte sich zudem als Maler und Photograph.



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ADAM BALDYCH
ACT
zum Erscheinen von Imaginary Room


Abgesehen von Seitenlinien wie Gypsy oder Hot Swing ist die Geige im Jazz ein Exot geblieben. In einigen Ländern gibt es gleichwohl eine gewisse Tradition: In den USA führt sie von Joe Venuti und Stuff Smith bis zu Mark Feldman und Regina Carter, in Frankreich von Stephane Grappelli zu Didier Lockwood, im Violin-Land Polen schließlich darf man an Michal Urbanek, Zbigniew Seifert und Krzesimir Debski denken. Sie alle jedoch entstammen den Generationen der klassischen, von einem dominierenden Stil geprägten Jazzgeschichte. Im globalisierten, sich stilistisch in alle Richtungen auffächerndem Jazz der vergangenen zwei Jahrzehnte sucht man einen herausragenden Geiger vergeblich. Bis jetzt.

Nun folgt sein ACT-Debüt „Imaginary Room“, das erste Album eines Jazz-Geigers in der 20-jährigen Labelgeschichte. Eine erstaunliche Präsenz für einen erst 26-Jährigen, und doch nur folgerichtig für einen, dem in seiner Heimat früh der Ruf eines „Wunderkindes“ vorausging.

Bałdychs Talent zeigte sich früh. „Mit neun Jahren entschloss ich mich, eine Musikschule zu besuchen“, erinnert er sich. Er war sich der Tradition seiner Heimat wohl bewusst: „Polen hat eine lange Geschichte in der Musik, speziell beim Klavier und seit Henryk Wieniawski bei der Geige.“ Zur Violine kam Bałdych erst mit elf, und suchte sich bald große Vorbilder: „Ich war sehr von den berühmten osteuropäischen Komponisten beeinflusst, Rachmaninoff, Chopin und Tschaikowski.“ Mit dreizehn entdeckte er den Jazz und entschied sich, seinen weiteren Weg in diese Richtung zu gehen: „Der Jazz gab mir die Freiheit, die ich suchte.“

Mit 16 begann Bałdychs internationale Karriere, er spielte in ganz Europa und Asien. Nachdem er sein Jazzstudium an der Musikhochschule Kattowitz mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, bekam er ein Stipendium für das Berklee College of Music in Boston. Seither ist New York die Basis seiner musikalischen Reisen durch alle Welt, unter anderem tourte er mit Grammy-Gewinner, dem Pianisten Jim Beard. In den vergangenen drei Jahren dann erhöhte sich Schlagzahl enorm: An der Seite der berühmten Violin-Kollegen Didier Lockwood, Pierre Blanchard, Jerry Goodman Krzesimir Debski und Christian Howes nahm er an dem vom Gitarristen Jaroslaw Smietana geleiteten „Tribute to Seifert“ teil.

Er arbeitete regelmäßig für Theater- und Filmproduktionen und legte in rascher Folge bemerkenswerte Alben vor, unter anderem ein Duo mit dem Sänger Mika Urbaniak, eines mit den Groove Razors und zuletzt „Magical Theatre“, inspiriert von der Lektüre von Hermann Hesse, vor allem des „Steppenwolfs“.

Obwohl in den USA lebend, ließ Bałdych den Kontakt zu polnischen Musikern nie abreißen. Seine Band Damage Control ist ausschließlich mit Landsleuten besetzt. Folgerichtig wurde der polnische Pianist und ACT-Künstler Leszek Mozdzer auf ihn aufmerksam. Während der Expo in Spanien 2008 lernten sich die beiden kennen, ein Jahr später schrieben sie gemeinsam den Soundtrack für den Film „Sir Arnes Schatz“ des schwedischen Regisseurs Mauritz Stiller. Mozdzer empfahl Bałdych an ACT-Chef Siggi Loch, der nicht lange zögerte, den jungen Geiger in die ACT Familie aufzunehmen.

Mit Loch als Produzent und Landgren als Koproduzenten ging es mit Bałdychs neuesten Kompositionen Anfang März ins Berliner Hansa-Studio. Dazu stießen illustre Begleiter, eine erstklassige Studioband: die Baltic Gang. Neben dem schwedischen Weltklasse-Bassisten Lars Danielsson bilden der vornehmlich an der Seite von Paolo Fresu und Stefano Bollani wirbelnde dänische Schlagzeuger Morten Lund sowie der durch die Zusammenarbeit mit Viktoria Tolstoy bekannte schwedische Pianist Jacob Karlzon das musikalische Rückrat. Zwei der derzeit größten Talente des skandinavischen Jazz, der finnische Trompeter Verneri Pohjola und der norwegische Saxophonist Marius Neset bilden die Bläsersektion. Dieses Allstar-Ensemble widmet sich auf „Imaginary Room“ den neuesten Kompositionen Bałdychs, bei denen viel Raum bleibt für Improvisation, für atemberaubende eigene Soli wie für die Einfälle seiner genialen Begleiter, auch wenn alle Stücke eine bezwingende Melodie als Rahmen haben. Mal sind diese Melodien osteuropäisch eingefärbt, oft auch elegisch nordisch, dann wieder sind sie vom modernen amerikanischen Sound der Großstadt geprägt.

Stets aber erlebt man eine Geige, wie man sie so noch selten gehört hat. Hier klagt und schluchzt nichts, eher erinnern Bałdychs technisch atemberaubende Linien an die eines Bläsers, und mehrstimmige Passagen an das Akkordspiel eines Pianisten, immer unterlegt von einem leicht rauhen, bluesigen Unterton. Auf „Imaginary Room“ vergisst man jedes Geigen-Stereotyp und bekommt eine Ahnung davon, warum Bałdych den Spitznahmen „evil“ trägt - wegen seiner „teuflischen“ Virtuosität, Expressivität und Variabilität.