treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

JENSEITS VOM CHRISTKINDLMARKT // DER neue TREIBHAUS-PASS // & MORE.

Den Treibhaus-Konzert-Paß (gilt bis 30.6.'20) oder Eintrittskarten als erlesene Genschenks-Papiere: das Winter & Frühjahr bereits im Vorverkauf. Von Rebekka Bakken bis John Scofield bis Lola Marsh, von Mascheks Jahresrückblick bis Manuel Rubey. Den Paß gibts endlich online - mit dem Link d(r)oben im Menu!

ANNE CLARC

die Grande Dame der elektronischen Musik  goes ACOUSTIC

FROM THE HEART: Anne Clark, die Altmeisterin des Synthesizerbeats, die Grande Dame der elektronischen Musik, diese Tastenklangkünstlerin, die in ihrer seit über zwanzig Jahre währenden Karriere nichts anderes als Keyboards, Sequenzer, Drumcomputer und Synthies gewähren ließ, hat jetzt ein Akustikalbum vorgelegt.
Aber wie. Wer die Originalversionen der quer aus allen Schaffensperioden Anne Clarks ausgewählten Stücke kennt, traut seinen Ohren nicht. Wie im Original, denkt man im ersten Moment, wenn man das Stakkatointro von "Our Darkness" und den marschierenden Beat von "Sleeper in Metropolis" hört und dann feststellt, dass klassische Instrumente ertönen. Pianotasten donnern die Töne heraus, Cellopizzicati flirren und Flamencogitarrenarpeggien perlen.
Was andere machen, Apocalyptica mit ihren Celloversionen von Metallicasongs etwa, was Mouse on Mars, die Saafi Bros oder Sven Väth auf dem "Wordprocessing"-Album mit ihren Anne-Clark-Remixes versuchten - das alles klingt schon gut, aber doch mau im Vergleich zu dem, was Anne Clark hervorzaubert. Hier covert sich eine famose Künstlerin selbst, mit einer selten erhörten Größe und in einer fabelhaften musikalischen Umsetzung. Ein Genuss.



Egal welchen stilistischen Vorlieben die am 14 Mai 1960 in London geborene Anne Clark gerade frönt, ob folkig balladesk oder synthetisch nach vorne rockend, ihre Releases zu erkennen fällt nicht schwer. Dafür zeichnet vor allem ihr eigentümlicher Sprechgesang verantwortlich, der seinesgleichen in der Popwelt sucht und der blonden Engländerin eine über die Jahre treue und stetig wachsende Fangemeinde beschert.

Wie so viele Musiker ihrer Generation, so ist auch für Anne Clark die aufkeimende Punkbewegung der Startschuss ihrer Karriere. Selbstmachen ist die Devise der Zeit und Anne Clark lässt sich nicht lange bitten. Sie organisiert Konzerte, Ausstellungen und Theateraufführungen. In ihrer Freizeit arbeitet sie an eigenen Arrangements von Poesie und Musik, mit denen sie sich am 16. Februar 1981 erstmals an die Öffentlichkeit wagt: im Vorprogramm der Synthiepopper Depeche Mode , die kurz darauf mit "Dreaming Of Me" ihren ersten Chartshit haben werden.

Einige Monate später findet sich mit "The Sitting Room" auch der erste Longplayer von Anne Clark in den Plattengeschäften. Doch während das Debut noch hauptsächlich in Insiderkreisen Anklang findet, trifft der Nachfolger "Changing Places" mit dem Synthie-Stomper "Sleeper In Metropolis" den Nerv der New Wave Gemeinde, zu deren Propheten Anne Clark in der Folge erkoren wird. Und sie bedankt sich mit weiteren Hits wie "Our Darkness" oder "Heaven" vom 85er Album "Pressure Points", bei dem Ultravox Gründer John Foxx an den Reglern sitzt.

1987 zieht sich Anne Clark für drei Jahre in die Einsamkeit Norwegens zurück und öffnet ihre synthetischen Arrangements für natürliche Instrumente, wie es ihr Album "The Law Is An Anagram Of Wealth" beispielhaft dokumentiert. 1994 entwickelt sie diese Idee konsequent fort und geht zum ersten Mal auf eine rein "akustische" Tour, die ihren alten Synthiehits zu einer neuen Intensität verhilft, wovon "Psychometry" Zeugnis ablegt.

1996 erweist die junge Generation elektronischer Musiker, wie Sven Väth ,Westbam ,Saafi Brothers oder Hardfloor der Grande-Dame des lyrischen Synthie-Pop die Ehre, indem es ihre Songs mit einem zeitgenössischen, technoiden Anstrich versieht. Anne Clark selbst räumt ihrer Vorliebe für Folk und Klassik eine immer bedeutendere Stellung in ihrem Werk ein und verbindet diese mit ihrer alten Leidenschaft für Poesie. Kein Wunder also, dass sie sich 1998 der Gedichte von Rainer Maria Rilke annimmt und diese, zusammen mit Martyn Bates, als wunderschöne Neofolk-Balladen inszeniert.