treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

DAS TREIBHAUS HAT OFFEN. AB 16UHR I GÄSTE: SUPA100 - SCHWEIGER / PLATTNER 19:00

DAS TREIBHAUS SPERRT AUF - ALS LUFTKURORT. TÄGL AB 16UHR . ehrenschutz: die treibhaus-weiberwirtschaft mit ihren musikern, schauspielern, technikern - mit unüblichem empfang und verstecktem theater, untersagter erbauung, verbotener belustigung & geistiger ertüchtigung. an der frischen luft (vormals: open air) - drum: warm anziehen, händewaschen & kämmen nicht vergessen. tischreservierung ist NICHT mehr vorgeschrieben, wir sind kein haubenlokal & wollns auch nicht werden // BITTE/DANKE -- SPENDE // IBAN: AT75 20503 03352791960 //

SARA TAVARES

Portugal und Afrika. Traurigkeit und Freude, Nacht und Tag, Salz und Zucker.

Sara Tavares ist als Kind kapverdischer Eltern in Lissabon aufgewachsen und versteht sich als Repräsentantin der neuen Generation afrikanischstämmiger Menschen im urbanen Portugal, die sich – weder in der Kultur ihrer Elterngeneration, noch in derjenigen des Landes wirklich beheimatet – ihre ganz eigene Szene erschaffen (haben).Ihr besonderes musikalisches Interesse gilt der Musik afrikanischer Einwanderer in Lissabon, wohl, weil auch die Familie von Sara Tavares einst von den Kapverdischen Inseln nach Portugal kam. Doch nicht nur  die typischen, von Cesaria Evora zu Weltruhm gelangten "Mornas" und "Coladeiras" der Kapverden stehen im Mittelpunkt, sondern Rhythmen und Klänge vom afrikanischen Festland.
Portugal mit seiner Vergangenheit als Kolonialmacht (Angola und Mozambique) ist heute ein wichtiger Ort für viele Musiker aus diesen Ländern, denen Sara Tavares in der Vergangenheit offenkundig sehr genau zugehört hat.

Von der Herumtreiberin auf Lissabons Straßen über das nationale Pop-Aushängeschild zu einer Repräsentantin der zweiten Generation afrikanischstämmiger Einwanderer in Portugal: Sara Tavares markiert ihren verschlungenen Lebensweg in längeren Abständen mit Alben, die weit über die Grenzen ihres kleinen Heimatlandes hinaus Beachtung finden.

Sara kommt 1978 als Kind kapverdischer Eltern in Lissabon zur Welt. Nachdem sich der Vater in die USA und die Mutter "nach Süden" abgesetzt haben, wächst sie in der Obhut einer älteren Portugiesin auf. Einen wesentlichen Teil ihrer Erziehung übernimmt allerdings die Straße. Sara treibt sich herum und lernt in dieser Zeit die Zurückweisung und Verachtung der Gesellschaft kennen.
Das ändert sich schlagartig, als sie, gerade 15-jährig, die beiden wichtigsten Songwettbewerbe Portugals für sich entscheidet. Sie trägt den Sieg beim RTP Song Contest davon und gewinnt die nationale Ausscheidung zum Eurovision Song Contest. Am 30. April 1994 vertritt sie ihr Land in Dublin mit "Chamar A Música" und erringt - sehr knapp hinter Norwegen und Frankreich - einen achten Platz.

Sara Tavares bringt es in Folge dessen in kürzester Zeit zu nationaler Berühmtheit. Ihr Debütalbum "And Shout" verbindet Gospel, Soul, Funk und Pop. Sara wandelt auf den Pfaden ihrer Vorbilder, amerikanischer R'n'B-Diven wie Whitney Houston und Aretha Franklin - und fährt damit gar nicht schlecht. Sie absolviert Auftritte in den einflussreichsten portugiesischen Fernsehshows, tritt inner- und außerhalb Portugals auf und gibt erstmals ein Konzert in der Heimat ihrer Eltern, auf den Kapverdischen Inseln.

Ihr Beitrag zum Soundtrack der Walt Disney-Produktion "Der Glöckner Von Notre Dame" kennzeichnet eine weitere Etappe im Rennen um den Mainstream-Erfolg. "God Help The Outcast" trägt ihr erneut eine Auszeichnung ein.

Die Begegnung mit Lokua Kanza initiiert eine musikalische Wende. Der in Paris lebende nigerianische Musiker und Produzent, der bereits für Afro-Superstars wie Miriam Makeba, Youssou N'Dour und Manu Dibango tätig war, nimmt Sara unter seine Fittiche. Kanza produziert Saras zweites Album und wird während der Arbeiten daran zu ihrem künstlerischen Mentor. Er animiert sie zur Suche nach ihrer wahren Identität, zur Rückbesinnung auf sich selbst und ihre Wurzeln.

Sara zieht sich 1998 aus der Öffentlichkeit zurück und stellt ihre Auftritte vorerst ein. Sie beschäftigt sich ausgiebig mit Musik (und Musikern) aus Westafrika und bereist verschiedene afrikanische Länder.

Nach einer langen Phase der Introspektion erscheint 2001 ihr zweites Album "Mi Ma Bô". Sara verfasst die meisten Lieder selbst. Komponieren betrachtet sie für sich als eine Art der Meditation. Die überfrachteten Poparrangements ihres Debüts gehören der Vergangenheit an. Sara Tavares setzt nun auf afrikanische Rhythmen und melodische, stark gesangsorientierte Popsongs mit minimaler instrumentaler Begleitung. Sie singt in portugiesischer, englischer und erstmals in kreolischer Sprache. "Mi Ma Bô" holt in Portugal Gold und erntet darüber hinaus internationale Anerkennung.

In der Mischung der Sprachen spiegelt sich ihre Position einer Vertreterin einer Kultur zwischen den Kulturen. "Wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin, sprechen wir eine Mischung aus portugiesischer Umgangssprache, Slang aus Angola und kapverdischem 'Crioulo', das wiederum viele Lehnworte aus dem Englischen und Französischen enthält." Diesen Mix lässt Sara in ihre Texte einfließen und nimmt so Bezug zu der unterprivilegierten Schicht der Straße, zu der sie sich nach wie vor zugehörig fühlt.

Für ein Nachfolgealbum lässt sich Sara Tavares wieder reichlich Zeit: "Balancê" erscheint im Februar 2006 und behält die mit "Mi Ma Bô" eingeschlagene Richtung bei. Inzwischen komponiert und produziert Sara selbst und spielt auch viele der Instrumente persönlich ein. Sara bezeichnet ihre Songs, in denen die Wertschätzung der eigenen Person das zentrale Thema darstellt, als "Wiegenlieder für sich selbst". Passend zum Titel balanciert sie zwischen fröhlicher Unbeschwertheit und nachdenklicher Melancholie, meist begleitet von locker-luftiger Akustikgitarre.

Der Sound von Sara Tavares ist sanft, gefühlvoll, elegant und sehr rhythmisch. Ihre Stärke ist weniger die explosive Leidenschaft, sondern der weiche Zwischenton, fröhlich zwar, aber nicht überschwänglich, und vom Pathos der US-Diven hat sie sich zugunsten eines behutsamen, auf Akustik und Rhythmik basierenden Klangs befreit.
Die Balance zwischen leisem Gefühl und Temperament gelingt. Vielleicht ist es die portugiesische "Saudade", die den lauten Ausbruch verhindert. Dem Album tut die Zurückhaltung gut, umso vielschichtiger ist sein Klang.