treibhaus

Kulturprogramm für Stadtbenützer

Spielplatz am Volksgarten. Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. Geöffnet täglich von 10 bis 1

3. innsbrucker winterspiele: statt milch & honig - wasser & brot.

der landeshauptmann hats verordnet - wir dürfen nicht mehr aus-schenken. weil wir uns bei der entscheidung wirtshaus - kulturzentrum für die musik entschieden haben. nix aus-schenken. ok. aber ver-schenken? das sollen die juristen klären // milch und honig wirds nicht sein - aber wasser & brot ? kann gut sein, dass unser herr das wasser in wein verwandelt und die arbeitslose weiberwirtschaft das wasser mit gewürzen zum glühen bringt. bio-äpfel aus meiner wahlheimat mals wirds auch geben: an apple a day keeps the virus away // nachdem wir nicht aus-schenken dürfen muß halt jede/r sich im vorbeigehen mit mund & nasenschutz selber ein-schenken. wenn ich mich damit strafbar mach, sitz ich ohne reue eine woche quarantäne im ziegelstadel ab. alles wird gut. keep distance - wash hands - stay human.

DIE WEIBERWIRTSCHAFT IST TOT•LANG LEBE DIE WEIBERWIRTSCHAFT•BITTE•DANKE

die weiberwirtschaft wurde per verordnung geschlossen. bleibt wenigstens ihr uns gewogen: stärkt eure immunkräfte bei den mutmachenden veranstaltungen der winterspiele an der frischen luft und impft das treibhaus mit eurer solidarität. spendenkonto 3. innsbrucker winterspiele - IBAN: AT75 20503 03352791960

SCHELLINSKI

SCHELLINSKI: Bernie Weber und die Schella Su. Texte: MICHAEL KÖHLMAIER

Schellinski war ein Pole“, heißt es unter eingeschworenen Jassern. Weit gefehlt. Schellinski, das  sind waschechte Vorarlberger, betören mit Akkordeon, Lapsteel, Bass, Harmonium, Cajon etc.  und bezirzen mit Songs in Vorarlberger Mundart.   Us m Sack – heißt die CD der schneidigen Musikanten  mit  fünfzehn Lieder über Zauberer, Clowns, Raben, Linde-Indianer,  Autobahnraststätten und vor allem – viel Alta Rhi und Bahndämm sind drauf.   Hackbrett, Klarinette, Trompete, Geige, Cello, Posaune, Klavier und viele, viele Stimmen von   prächtigen Sängerfreunden und Gastmusikern sind mit auf der CD und machen „Us m Sack“ zum  wunderbaren Ohrenschmaus.
Michael Köhlmeier hat wie schon bei der ersten CD wunderbare Texte für Schellinski geschrieben  und trägt damit ganz wesentlich zum Schellinski-Zauber bei. Denn, wenn Schellinski zaubert  bekommen die Lieder Flügel und flattern im Kopf herum.
Schellinski sind:
Bernie Weber – Gesang, Akkordeon, Mundharmonika, Harmonium
Walter Schuler – viele Gitarren mit und ohne Strom
Markus Kreil – Kontrabass
Thomas Fend – Schlagzeug und Perkussion

SCHELLINSKI LIVE AM SPITTELBERG

Was für ein Abend. Wir konnten zwar größtenteils mit dem Bandnamen Schellinski nichts anfangen, doch kamen uns die vier Typen, die dahinterstecken, irgendwie bekannt vor: Frontman Bernie Weber, der nicht nur mit Blues-Harp, Akkordeon und uraltem (erzkatholischem) Harmonium vom heimatlichen Altach aus die weite Reise nach Wien antrat, sondern vor allem seine wahrlich einzigartige Stimme bestens geölt hatte. Gitarrero Walter Schuler, der gleich vier seiner geliebten Saitenfreundinnen mit hatte, Steh-Bassist Markus Kreil und der wahrscheinlich mit dem allergrößten Gefühl gesegnete Schlagzeuger des Landes – Thomas Fend.

Ja, richtig, da gab es doch seinerzeit die alles andere als untalentierte Formation „Twist of Fate“, beheimatet in Altach, musikalisch überall daheim und textlich brav – wie viele andere auch – im völkerverbindenden Englisch. Als sie sich auflösten, versprachen sie wiederzukommen. Nun, von „Twist of Fate“ haben wir zwar nie wieder etwas gehört, dafür kam das grandiose Quartett als „Schellinski“ wieder. Und sie kamen mit einem grenzgenialen Schachzug: Mit teilweise selbstgestrickten (vor allem von Bernie Weber) Texten und solchen von Vorarlbergs Ausnahmeschriftsteller Michael Köhlmeier – im Vorarlberger Dialekt, Gsiberg pur.

Wir Ostösterreicher haben mit diesem ungemein poetischen-weichen Klang zwar unsere kleinen wie großen Verständigungsprobleme, doch hie und da rutscht dann doch das eine oder andere Wörtchen durch, dank dessen uns urplötzlich die ganze erzählte Geschichte klar wird und wir des öfteren an diesem Abend Lieder in uns aufsaugten, die so weit weg sind vom alltagsberieselnden Ö3- und Konsorten-Scheiss, dass einem ganz schwummrig werden konnte vor Verzückung. Poetische Lyrik vom Allerallerfeinsten, Momentaufnahmen im vielerorts bereits längst vergessenen Einklang mit der Natur, archaisch vorangetrieben vom ältesten Urtrieb des Menschen – der verzweifelten Suche nach Liebe und Glück.

Schellinskis einzigartige Symbiose aus Wortkunst und Melodien erzeugt nicht nur wohltuende Ruhe für Seele, Herz und Hirn, sondern projeziert in uns auch unzählige, bemerkenswerte Bilder. Da wird die Blumenwiese vor dem Fenster samt dem Nachbarsgartenzwerg zum Synonym für Sehnsucht (Vor em Fenster), da mutieren Trennungen vom Einzelschicksal zum uralten Ritual seit es Menschen gibt (Gib min schönsta Trom als Pfand), und da wird ein gewöhnlicher Spaziergang zur ultimativen Zeitreise durch die große, weite Welt der Gedanken (Sus han i nüt vor). Und dennoch: Meine deklarierten Favoriten innerhalb des Schellinski-LineUps sind und bleiben zwei ungemein stimmungsvolle Lieder mit gemeinsamem, prägnantem Attribut, der wahrscheinlich höchsten Auszeichnung für ein Lied überhaupt - einfach schön zu sein, schön und ergreifend: „Summrtag“ heisst das eine und „A großes schweres Herz“ das andere. Weltmusik pur, in Melodeien gegossene Kleinode.

Zwei Dinge noch, die ich beinahe zu erwähnen vergaß: All diese Songs findet man auf der bisher einzigen Schellinski-CD „Tränavogel“. Und: Schellinski, aber da würden Sie ohnehin spätestens nach dem dritten Takt des ersten Liedes selbst draufkommen, ist äußerst schlecht geeignet als Kaufhaus-, Fahrstuhl- oder Hintergrundmusik. Schellinski muss man zuhören, spüren, erleben. Hautnah.

Willy Zwerger für Klein&Kunst Onlein